Knallharte Schicksale
Schon ein hartes Los wenn man als Säugling in den Orkkriegen beide
Elternteile verliert und hilflos zwischen den Gefallenen zurückgelassen
wird. Was für ein glückliche Fügung des Schicksals, das
just in dem Moment, als das nächste Fläschchen fällig wird,
ein weiser alter Zauberer vorbeischlurft der sich das kleine Bündel
kurzerhand unter den Arm klemmt.
Jahre später, aus dem Säugling ist ein ansehnlicher weiblicher
Zauberlehrling geworden, wird der greise Zauberer vor den Augen seines
entsetzten Schützlings aus purer Habgier niedergemetzelt. Sie braucht
zwei Jahre um den Schock zu überwinden, aber dann verläßt
sie die heimische Höhle um in der Stadt Senora ihr Glück zu suchen
und den Mord zu rächen.
-Szenenwechsel- Ein junger Mönch läßt sich auf einem
Holzkarren durch die Landschaft vor die Tore Senoras schaukeln. Immer wieder
versucht er sich durch die Bruchstücke seiner Erinnerungen ein Bild
seiner Vergangenheit zu machen. Da ist er in seinem Kloster schlafend auf
einer Bank. Plötzlich Flammen überall, das Kloster brennt lichterloh,
eine riesenhafte, furchterregende Gestalt, verhüllt mit einer Eisenmaske,
beugt sich über ihn. Dann wieder steht er vor seinem Abt der ihm bittere
Vorwürfe macht und ihn in die Welt hinausschickt.
Hölzerne Helden
Das sind nur zwei der vier möglichen Einführungen um in die Rollenspielwelt
Arcateras einzusteigen. Zur Wahl stehen auch noch ein junger Dieb und ein
Krieger. Allen gemein ist, das ihre Charakterwerte vor Spielbeginn ausgewürfelt
werden und sie alle vor dem Haupttor Senoras, der großen Stadt im
Königreich Midlan von einem geheimnisvollen, greisen Fremden angesprochen
werden. Von ihm erfahren unsere jungen Helden, das sie Helden sind und
- Überraschung, Überraschung - das Land vor dem mysteriösen
Kult der schwarzen Sonne schützen sollen, dem üblen Massenmörder
Rog Gwenuar in die Schranken weisen müssen und so ganz nebenbei vielleicht
mal nach dem gestohlenen Zepter des Prinzen schauen sollen.
Bislang durch sehr gut gemachte Videosequenzen und die ganz exzellente
Sprachausgabe verwöhnt, steigen wir nun ins eigentliche Spiel ein
und betreten die Stadt Senora bzw. den übel heruntergekommenen Ortsteil
Osswarts. Schon macht sich Ernüchterung breit. Die Hintergrundgrafik
ist recht mau, die Häuser wirken wie potemkinsche Dörfer und
sind es zumeist auch: nicht zu betreten, Kulisse halt. Die Bewohner laufen
sehr mäßig animiert, hölzern ihres Wegs und verpixeln zudem
noch wen sie näherkommen. Die eigene Figur hat häufig Wegfindungsprobleme
und zappelt dann unwürdig vor sich hin.
Obwohl der Ortsteil Osswarts - die anderen Ortsteile kann man erst
im weiteren Verlauf des Spieles betreten - lediglich so um die 15 Schauplätze
groß ist, hat man gerade zu Beginn ganz gewaltige Orientierungsprobleme.
Man stiefelt nach hinten raus und taucht im nächsten Bild von rechts
wieder auf, Norden, Süden, Osten egal, die Welt ist wahrscheinlich
eh eine Scheibe. Nun wenn wir schon verwirrt sind, schaun wir doch mal
auf den freundlichen Wegweiser. Also flott den Cursor auf den Wegweiser
geklickt und ungläubig die Meldung "Wegweiser" beäugt. Ach was,
nicht möglich.
Reden ist Silber...
Gut, stürzen wir uns also auf die Passanten und löchern diese
ein wenig mit unseren brennenden Fragen. Diese sind manchmal gar nicht
erfreut über die Störung und reagieren auf uns mit Sympathie,
Verärgerung und einem langsam kürzer werdenden Geduldsfaden.
Wenn dieser durch die Fragen des Helden genügend strapaziert ist,
verabschiedet sich der Gesprächspartner, besonders jähzornige
Gemüter greifen dann sogar an.
Die Kampfsequenzen sind eher unterdurchschnittlich, unübersichtlich,
können aber immerhin zwecks Befehlseingabe angehalten werden. Die
Sprachausgabe, erstklassig vor allem der ständig präsente Erzähler,
ist durchweg sehr gut, der inhaltliche Teil und der logische Aufbau der
Gespräche fallen dagegen manchmal deutlich ab. Mal abgesehen von der
teilweise sehr wüsten "Gossensprache" mit den für ein Computerspiel
sehr derben Ausdrücken, die per Patch auch ganz schnell wieder entfernt
wurden, wiederholen sich zuviele Passagen oder sind unstimmig und sorgen
für Stirnrunzeln.
Gerade zu Beginn beginnen diese Unterhaltungen bald zu nerven, weil
sich kein rechtes Vorankommen einstellen will, man irrt doch ziemlich orientierungslos
durch die Gegend und quatscht wahllos jeden Passanten an. Die Buchführung
der Fortschritte im Spielverlauf ist allerdings mustergültig, alle
Kontakte und Hinweise sowie die Nebenquests werden minutiös notiert.
Im Laufe des Spiels können erworbene Levelsteigerungen in den
Charakteraufbau investiert werden. Auch Partybildung ist möglich da
die anderen drei Helden ebenfalls irgendwo herumhängen und auf ein
nettes Wort warten.
Schade, schade, schade
Im weiteren Spielverlauf lernt der Spieler auch die anderen Stadtteile
kennen und kann auch die Umgebung Senoras erkunden. Wenn er denn den weiteren
Spielverlauf auch tatsächlich erreicht!
Das größte Problem des Spiels liegt nicht in der wechselhaften
Grafik, der nicht stringenten Storyführung und dem teilweise unvollendeten
Eindruck den das Spiel hinterläßt, sondern in den massiven Bugs.
Ich weiß nicht wie oft ich den Computer brachial neustarten mußte
weil das Spiel sich in den Orkus verabschiedet hatte. Das das kein Einzelfall
ist, beweist ein Blick ins Internet und die Tatsache das schon bevor das
Spiel in den Verkaufsregalen auftauchte ein Patch verfügbar war. Der
zweite Patch erschien einige Tage später, läßt sich aber
pikanterweise gar nicht erst uploaden. Unglaublich eigentlich.
Schade, an manchen Stellen kann man erkennen das hier die Chance auf
ein gutes Spiel verpaßt wurde.