"Wir schreiben das Jahr 2419. Die
übervölkerte und ihrer Bodenschätze beraubte Erde wird zunehmend
unbewohnbar. Längst haben die Regierungen keine Macht mehr. An ihrer
Stelle streiten gewaltige Firmenkonglomerate wie die Crayven Corporation
und religiöse Gruppen wie der Orden der Neuen Dämmerung um die
Vorherrschaft - nicht nur auf der Erde, denn längst hat die Menschheit
das Weltall besiedelt."
So beginnt die Beschreibung zu Ground Control, einem 3D-Echtzeitstrategiespiel
von Massive/Sierra. Anders als bei den Genrekollegen verzichtet man hier
allerdings auf den Basisbau und das Beschaffen von Rohstoffen. Statt dessen
kann man sich seine Truppe aus dreizehn verschiedenen Einheiten zusammenstellen
und direkt loslegen.
Und scharet zwölf Squads um euch
Als Einzelspieler können Sie zunächst nur die 15 Missionen der
Crayven-Kampagne spielen. Erst, wenn Sie diese gemeistert haben, steht
ihnen die Kampagne des Ordens der Neuen Dämmerung mit ebenso vielen
Missionen zur Verfügung. Vorab können Sie noch ein Tutorial (Grundausbildung)
absolvieren, was auch empfehlenswert ist, um in die verschiedenen Möglichkeiten
des Spiels eingeführt zu werden. Das Spiel beginnt auf einem angenehm
einfachen Niveau. Sie hören und sehen sich die Missionsbesprechung
an und können direkt loslegen. Wenn Sie später schon etwas mehr
Erfahrung mit den Einheiten des Spiels haben, können Sie diese nach
eigenem Gusto mit Sonderwaffen ausrüsten oder andere Truppentypen
mit in die Schlacht nehmen. Die dreizehn verschiedenartigen Einheiten je
Seite (darunter auch Flugeinheiten) können Sie allerdings nicht individuell
auswählen, sondern immer nur als Gruppe, im Spiel Squad genannt. Jedes
Squad besteht aus bis zu acht Einheiten (je nach Typ). Jeweils vier Squads
können Sie auf ein Landeschiff laden, mit denen Sie ihre Truppen auf
dem Planeten landen. Anfänglich haben Sie nur eines, später bis
zu drei Landeschiffe zur Verfügung. Sie müssen also mit maximal
zwölf Squads auskommen. Daher ist ein vorsichtiger Einsatz der Einheiten
angesagt. Die Squads, die die Mission überleben, haben in der nächsten
Mission mehr Erfahrungspunkte. Alle anderen Squads werden durch frische
ersetzt. Nach Aussagen der Entwickler sollen erfahrene Einheiten aber nicht
übermächtig werden, so daß sich die Kampagne auch "nur"
mit frischen Einheiten meistern läßt.
Das Terrain ausnutzen...
Wenn Sie das Gelände erkunden, empfiehlt es sich, leichte Einheiten
mit großer Sichtweite auf die umgebenden Hügel zu schicken.
Dort können diese Feinde eher erkennen und ihr Konvoi wird nicht so
leicht in die Zange genommen. Außerdem haben Einheiten, die von einem
erhöhtem Standpunkt aus feuern, einen Vorteil. Wenn Sie diese Vorhut
auf defensiv (Angriffsmodus = Halten) einstellen, wird sie feindliche Einheiten
nicht automatisch angreifen und deren Aufmerksamkeit dadurch auf sich lenken.
Statt dessen können Sie, sobald Sie den Gegner ausgemacht haben, ihre
schweren Einheiten nachholen und ihm damit kräftig einheizen. Für
ein besonderes Überraschungsmoment sorgt z.B. die schwere Artillerie,
die eine enorme Reichweite hat und auch über Hügel hinweg feuern
kann. Es reicht, wenn eine ihrer Einheiten Sicht auf den Gegner hat, es
muß nicht die feuernde Einheit sein. Außer dem Angriffsmodus
können Sie noch den Bewegungsmodus (feindlichen Einheiten folgen oder
nicht) und die Formation (Linie, Reihe, Würfel) einstellen. Die Formation
gilt jedoch nur innerhalb eines Squads.
3D-Echtzeit-Strategie-Shooter
Qualitäten ganz besonderer Art entfaltet das Spiel, wenn man über
das Internet gegen mehrere menschliche Gegner spielen möchte. Anders
als bei herkömmlichen Echtzeitstrategiespielen muß man hier
nicht erst mehrere Spieler zusammentrommeln um dann gemeinsam loszulegen,
sondern man sucht sich einfach ein Spiel aus, bei dem bereits mehrere Spieler
anwesend sind, konfiguriert seine Squads und Landeschiffe und legt direkt
los. Die Multiplayerspiele sind zumeist so ausgelegt, daß je Karte
ein bestimmtes Zeitlimit (z.B. 15 Minuten) gilt. Innerhalb dieser Zeit
müssen Sie möglichst viele Punkte machen. Ist das Limit für
diese Karte abgelaufen (die Zeit wird stetig auf dem Bildschirm angezeigt),
gibt es eine kleine Statistik (die man auch während des Spiels aufrufen
kann), und danach geht es mit der nächsten Karte weiter. Kommt Ihnen
irgendwie bekannt vor? Dann haben Sie wohl auch schon einmal Unreal Tournament
und Konsorten über Internet gespielt! Als Spielmodi gibt es Deathmatch
und Flagzone (hier muß eine markierte Zone besetzt und gehalten werden).
Außerdem kann man noch einstellen, ob der Kommandopanzerwagen (KPW)
überleben muß oder nicht (entspricht in etwa Königsmord
aus Age of Empires 2). Für alle Squads, die während des Spiels
ins Gras beißen müssen, kann nach fünf Minuten (einstellbar)
wieder Nachschub per Landeschiff eingeflogen werden, so daß Sie sich
mit frischen Truppen wieder ins Kampfgetümmel stürzen können.
Ein ausgereiftes Erlebnis
Die Steuerung des Spiels ist genreüblich gelöst. Die Kamera läßt
sich frei drehen und in der Höhe verstellen. Die Squads fahren per
Rechtsklick zu einem markierten Punkt im Gelände oder greifen alternativ
eine markierte Feindeinheit an. Außerdem lassen sich Wegpunkte setzen
oder andere Squads bewachen. Standardmäßig sind die Funktionstasten
F1-F12 bereits für ihre einzelnen Squads belegt. Zusätzlich können
Sie aber Gruppen bilden (Strg-Ziffer: Gruppe bilden, Ziffer: Gruppe auswählen).
Das ganze geht problemlos vonstatten. Ein Lob möchte ich Massive/Sierra
für die Qualität des Spiels aussprechen. Die Videosequenzen bringen
Atmosphäre rüber, die deutsche Synchronisation ist gut gelungen,
die Anmeldung bei WON.NET zum Internetspiel klappt tadellos aus dem Spiel
heraus, es wird automatisch der aktuelle Patch heruntergeladen und installiert.
Und das alles ohne große Probleme.