Die Kante (The Fringe)
Als armer Junge, der immer nur fliegen wollte, hat Jake Logan, die Hauptfigur,
seinen Traum erfüllt. Er ist ein unabhängiger Pilot, der (Kampf-)
Aufträge gegen Bezahlung ausführt. Es geht ihm ganz gut, er ist
angesehen und das Konto ist gefüllt. Auch seine Schiffe können
sich sehen lassen. Bis zu dem Tag, an dem er einen Auftrag annimmt und
reingelegt wird.
Ein Schiff, dem er Geleitschutz gibt, sprengt sich und eine Raumstation
in die Luft. Das Gericht nimmt Logan die Story nicht ab, glaubt, daß
er mit verantwortlich ist. Zur Strafe wird er enteignet und mit einem kleinen
unbewaffneten Schiff an die Kante verbannt. Dies ist die Region am Rande
des Universums, in der keine offizielle Regierung existiert, kein Gesetz
gilt. Allerdings teilen sich verschiedene Interessengruppen das Gebiet.
Aufgrund der Spannungen zwischen diesen Gruppen, kann ein Pilot auch dort
seinen Lohn verdienen.
Von Null auf Hundert
In der Kante fängt man also wieder bei Null an. Schnell kann man sich
hocharbeiten, Aufträge für eine oder mehrere Gruppen annehmen
und sich wieder einen Namen machen. Je nachdem, für welche Gruppe
man sich entscheidet, hat das Vor- und Nachteile. Ab dieser Stelle verläuft
das Spiel auch nicht mehr linear. Die Entscheidung, welche Aufträge
man annimmt, hat starken Einfluß darauf, welche Folgeaufträge
man bekommt und wo man sich besser nicht mehr blicken läßt.
Ganz so flexibel, wie das Handbuch verspricht, scheint das Spiel aber nicht
zu sein. Ich vermute, daß es nur 2 oder 3 Hauptstränge gibt,
die dann innerhalb noch mal kleinere Varianten aufweisen.
Wo ist der Knopf für die Bombe?
Lustig, lustig, tralalalala ... Entgegen dem allgemeinen Trend gibt es
von Tachyon keine synchronisierte Version, sondern nur ein deutsches Handbuch
zu dem englischen Spiel. Da hilft es auch nicht, wenn Logans Stimme die
von Bruce Campbell ist. Den habe ich sowieso noch nie sprechen hören.
Doch das ist gar nicht so schlimm, englisch geht ja noch.
Leider wurde auch die Tastaturbelegung nicht angepaßt. Hilfreicherweise
liegt dem Spiel aber ein Zettel bei, der das Problem löst. Einfach
die Windows-Tastaturbelegung auf amerikanisch umstellen, dann stimmt alles!
Sicher, an meinen Rechner lasse ich nur Tachyon und die CD. Während
ich mich noch ärgere, gehe ich also in das (etwas versteckte) Tastaturbelegungsmenü
des Spiels und passe alles an. Doch dann Oberhammer: das Spiel schmiert
ab. Ich mache das gleiche noch mal, das gleiche Ergebnis. Auch der Patch
hilft nicht! Ich habe dann eine Minimaländerung vorgenommen, damit
ich überhaupt sinnvoll spielen kann. Das ging ...
500 Sachen - zum Einschlafen
So langweilig war das Fliegen schon lange nicht mehr. Die Kämpfe gegen
andere Jäger geben einem wenigstens noch ein bißchen Geschwindigkeitsgefühl.
Wenn man aber über große Objekte, z.B. eine Raumstation, fliegt,
ist die Geschwindigkeit so hoch, als wenn man mit einem gedrosselten Mofa
die Alpen hochjagt.
Ebenso dürftig ist die Auswahl an Schiffen und Waffen. Man kann
zwischen 11 Raumschiffen wählen und sie mit (laut Karton) einzigartigen
Waffen bestücken. Stimmt, Laser, Raketen und Nachbrenner habe ich
sonst noch nie in einer Weltraumsimulation gesehen! Dieser langweilige
Trend setzt sich auch bei den Schiffen fort. Man kennt eben die Konzepte
der Steuerung und Handhabung. Sie sind vor langer Zeit in einer weit entfernten
Galaxis von X-Wing gesetzt worden. Die Umsetzung in Tachyon ist allerdings
eher als mittelmäßig zu beschreiben.
Dennoch, so schlimm, wie sich das anhört, ist Tachyon nun auch
nicht. Die Missionen sind in der Regel gut einzuschätzen. Hoffnungsloses
Ausprobieren, wie bei
StarLancer, muß
hier nicht sein. Auch die Art der Missionen gefällt mir ganz gut.
Es ist eben nicht hauptsächlich beschützen. Hier ist sogar eine
gute neue Idee eingebaut: Man kann sich in "der Arena" anmelden und in
Kämpfen auf Leben und Tod zum Supergladiator werden - mal eine nette
Abwechslung.
Die Konkurrenz zum Lückenfüller
Tachyon kann Freespace 2 bestimmt nicht vom Thron stoßen. Aber den
Posten als Lückenfüller kann es mindestens so gut belegen, wie
StarLancer. Vor allem ist die Langzeitmotivation deutlich höher als
bei der Konkurrenz. Diese wird auch dadurch unterstützt, daß
man immer wieder in neue Gebiete der Kante vorstößt. Die Schwächen
in der Handhabung sind allerdings auch für diesen Punkt nicht von
Vorteil. So bleibt dem gequälten Weltraumpiloten die Wahl zwischen
zwei Spielen, die beide solide konstruiert sind - aber eben nicht den Rahmen
des Normalen wegsprengen. Noch ein Wort zu den Systemanforderungen laut
Hersteller: maßlos untertrieben.