1997 konnte Microsoft mit Age of Empires
einen Überraschungserfolg landen. Zwar war das Spielprinzip von Warcraft
schon bekannt, doch durch die saubere Umsetzung, die detaillierte Grafik
und nicht zuletzt die reibungslose Anbindung ans Internet (Microsoft Gaming
Zone) konnte sich das Spiel an die Spitze des Genres setzen. Seit einem
Jahr warten Fans bereits auf den zweiten Teil "Age of Kings", der nun in
den Geschäften liegt.
Im Prinzip...
Das grundsätzliche Spielprinzip ist schnell erklärt: zum einen
muß sich der Spieler um die Resourcenbeschaffung kümmern, und
zum anderen darum, eine schlagkräftige Armee aufzustellen und die
Gegner damit zu besiegen. Die Rohstoffe gliedern sich in Nahrung, Holz,
Gold und Stein, wobei keiner der Rohstoffe nachwächst. Für einfache
Einheiten und Gebäude benötigt man überwiegend Nahrung und
Holz, doch je höherwertiger die Einheiten werden, um so mehr Gold
benötigt man für deren Herstellung. Die Einheiten untergliedern
sich in Infanterie (Schwertkämpfer), Schützen (Bogenschützen)
und Belagerungswaffen. Von den ersten beiden Typen gibt es auch berittene
Versionen, die sich dementsprechend schneller bewegen. Für Gefechte
auf See stehen noch diverse Galeeren zur Verfügung.
Die grundsätzliche Hackordnung ist dabei wie folgt: Belagerungswaffen
setzt man gegen Gebäude ein, Reiter gegen Belagerungswaffen, Infanterie
gegen Reiter und Schützen gegen Infanterie. Es gibt keine Einheit,
die für alles zu gebrauchen wäre. Die Einheiten unterscheiden
sich in Angriffsstärke, Reichweite, Feuergeschwindigkeit und Schnelligkeit.
Zusätzlich zu den Standardeinheiten besitzt jedes Volk eine Spezialeinheit,
die z.B. besonders stark ist. Diese können allerdings nur in der Burg
hergestellt werden, die erst ab dem dritten Zeitalter (Ritterzeit) verfügbar
ist.
Gemeinsam einsam (vor dem Internet-PC)
Der große Reiz des Spiels besteht darin, daß jeder Spieler
andere Taktiken und Lieblingseinheiten hat, und man sich immer wieder neu
darauf einstellen muß. Dies gilt natürlich im besonderen Maße
für Spiele im Netzwerk oder über das Internet, wo z.B. auf Microsofts
eigenem Spieleserver www.zone.com stets mehrere hundert Spieler aus der
ganzen Welt Spielpartner suchen. Die Integration von Spieleserver und Spiel
ist dabei vorzüglich gelungen, was aber auch kein Wunder ist, da beide
vom selben Hersteller stammen. An Netzwerkpartien können bis zu acht
Spieler teilnehmen, die zwischen diversen Spielmodi wählen können
(z.B. Königsmord).
Als Einzelspieler hat man die Wahl zwischen den drei Spielmodi "Zufallskarte",
"Königsmord" (jeder Spieler bekommt einen König, wird dieser
getötet, so hat man verloren) und "Auf Leben und Tod" (hier entfällt
das Sammeln der Resourcen, es geht nur ums Kämpfen), oder man spielt
eine der vier Kampagnen, in denen man unterschiedliche Missionen erfüllen
muß. Die Kampagnen sind allerdings etwas trist ausgefallen, da Videosequenzen
fehlen und die Story nur durch einen (allerdings guten!) Sprecher erzählt
wird. Hier bieten Starcraft und C&C 3 mehr.
Besser geht's nicht?
Viele Dinge, über die man sich in Teil 1 geärgert hatte, sind
in Teil 2 verbessert: So kann man bereits im ersten Zeitalter (Dunkle Zeit)
Äcker bauen (vorausgesetzt, man hat eine Mühle), sind diese abgeerntet,
so reicht ein Rechtsklick (bei markiertem Bauern) auf das Feld, um ein
neues anzulegen (vorausgesetzt, man wartet nicht zu lange) und man kann
Gebäude auch bauen, wenn eigene Einheiten auf dem zu bebauenden Feld
stehen und muß diese nicht erst verscheuchen. Wird man in einer frühen
Spielphase angegriffen, so läutet man die Glocke im Dorfzentrum und
alle Arbeiter suchen dort Schutz. Das Dorfzentrum verteidigt sich mit Pfeilen
gegen Angreifer, und das um so heftiger, je mehr Arbeiter in ihm Schutz
gesucht haben.
Bei den Rohstofflagern gibt es nun für fast jeden Rohstoff ein
eigenes (Nahrung - Mühle, Holz - Holzlager, Gold und Steine - Bergarbeiterlager).
Updates für eine schnellere Rohstoffgewinnung können nun in den
entsprechenden Lagern vorgenommen werden. Für die Rüstungsupdates,
die in Teil 1 noch in der Lagergrube gemacht wurden, gibt es nun die Schmiede.
Alles ist nun logischer angeordnet und kann damit schneller gefunden werden.
Wie in Teil 1 gibt es auch wieder Handel mit Verbündeten, diesmal
nicht nur mit Schiffen sondern auch mit Marktkarren.
Spione wie wir
Auf der einen Seite ist Age of Empires mit dem zweiten Teil defensiver
geworden (man kann sich ohne Updates bereits in der dunklen Zeit mit einer
Palisade schützen, die überdies nur zwei Holz je Element kostet),
auf der anderen Seite haben Belagerungswaffen wieder mit Abstand die größte
Reichweite, so daß es mit dem Bau von Mauern alleine nicht getan
ist. Allerdings ist der Rush zu Spielbeginn schwieriger geworden, da alles
etwas länger dauert und der Gegner relativ schnell eine Verteidigung
aufbauen kann. Eine sehr sinnvolle Verbesserung hat es gegeben, um Endlosspiele
zu verhindern: Konnte ihr Gegner in Teil 1 noch mit einem Bauern entkommen
und in einem entlegenen Teil der Karte eine neue Basis aufbauen, die Sie
erst einmal finden mußten, so können Sie nun in der Burg Spione
entwickeln und auf das gegnerische Volk ansetzen, wodurch es auf der Karte
sichtbar wird, und Sie es gezielt vernichten können. Die Kosten der
Spione hängen dabei von der Größe des gegnerischen Volkes
ab.
Neu sind auch die Formationen. Haben Sie sich nicht auch in Teil 1
darüber geärgert, daß ihre Truppen immer im Pulk durch
die Landschaft liefen und somit ein leichtes Ziel für Belagerungswaffen
waren? Nun formieren Sie ihre Truppe einfach gestaffelt, so daß die
Abstände zwischen den Einheiten größer werden damit bei
einem Angriff nicht mehr so viele Einheiten auf einmal getroffen werden.
Oder Sie möchten eine besonders wertvolle Einheit schützen, wie
z.B. den Marktkarren? Dann wählen Sie die Kastenformation, die schwache
Einheiten in der Mitte einschließt. Außerdem gibt es noch Linie,
Flanke und Horde. Das Ganze funktioniert ziemlich gut, nur manchmal meinen
ihre Einheiten, sie müßten erst noch einen Schritt zurück
machen, bevor sie zwei Schritte nach vorne gehen.
Darüber hinaus können Sie einstellen, ob ihre Einheiten agressiv
oder defensiv agieren, oder einfach stehen bleiben. Dadurch vermeiden Sie,
daß ihre Einheiten einem zufällig vorbei kommenden gegnerischen
Späher hinterherlaufen. Außerdem können Sie sie patrouillieren
oder gezielt ein Gebäude oder eine andere Einheit bewachen lassen.
Wenn Sie Mönche unter ihre Truppe mischen, so heilen diese automatisch
(!) alle verwundeten Einheiten, sobald diese stillstehen.
Probieren geht über Studieren
Wie bei Teil 1 wird es auch im zweiten Teil wieder Wochen oder Monate dauern,
bis man alle neuen Features des Spiels einmal ausprobiert, jedes der 13
Völker einmal gespielt und sich eine oder mehrere Taktiken zurecht
gelegt hat. Zwar bieten die vier Kampagnen nur insgesamt 24 Missionen,
doch wer einen Internetzugang besitzt, kann sich wieder auf viele abwechslungsreiche
Multiplayersessions freuen. Wer erst einmal die Demo antesten möchte,
kann auch mit dieser über das Internet spielen, und so die Telefonrechnung
in ungeahnte Höhen treiben.