Ganz klar ist mir ja bis heute nicht, was EA
Sports damit bezweckt, innerhalb weniger Wochen gleich zwei Fußballspiele
auf den Markt zu bringen. Denn eröffnen die Bundesliga Stars die 2001er
Saison, folgt schon in Kürze eine Neufassung von FIFA 2001. Nachdem
ich die - nach allem was man hört wenig ruhmreiche - 2000er Fassung
der Bundesliga Stars verpasst hatte, war ich nun doch gespannt, was es
mit diesem hauseigenen Konkurrenten für FIFA auf sich hat.
Steuerungs-Schwächen
Kaum war das Menü geladen, gruben sich schon tiefe Furchen in meine
Stirn. Zunächst fiel mir die verniedlichte Darstellung der Spielfiguren
im Menü auf, dann aber vor allem die nervige Menüsteuerung. BS2001
versucht nämlich gar nicht zu verbergen, daß es auch auf der
Konsole erhältlich ist und auch wenn man die Menüs mit der Maus
stuern kann, so ist zum Beispiel das Team-Management ein Graus. Manche
mag das nicht stören, ich hasse es wie die Pest. Wenn ich ein PC-Spiel
hab, will ich auch dessen Vorteile bei der Bedienung genießen und
mich nicht mit Konsolenschnickschnack begnügen müssen.
Als sei dies noch nicht Grund genug die Handhabung des Spiels abzuwerten,
schießt EA Sports bei der Tastenbelegung (zumindest für Tastaturspieler)
nochmals den Vogel ab. Das man die Steuerung nicht selbst belegen kann
hatte ich gar nicht erwartet, das verwehrt uns EA ja nun schon über
Jahre, aber das man auch noch konsequent andere Tasten nehmen musste als
bei FIFA ist wirklich nervig.
Bundesliga pur
In BS2001 dreht sich - wie der Name schon vermuten läßt - alles
um die Bundesliga. Alle Teams, alle Spieler und (fast) alle Stadien wurden
nachgebildet. Im "Euro-Challenge-Cup" - hier fehlt EA die Lizenz - tritt
man auch gegen originale Mannschaften aus anderen europäischen Ligen
an. Zwar kann man die Spieler sogar teilweise erkennen (Zidane gehen tatsächlich
die Haare aus, während Davids mit seinem Zopf prahlt und Yeboah kahlköpfig
ist) doch es bleibt letzen Endes bei Typen, die Gesichter sind nicht wiederzuerkennen.
Dafür sind immerhin Trikots und Werbung original.
Zur Wahl stehen diverse Spielmodi, Freundschaftsspiel, Saison, individuelle
Liga.... Ein neues Feature ist der sogeanannte "Star Stakes"-Modus, eine
Anleihe bei
NfS 4: High Stakes. Man spielt gegen
ein anderes Team und verwettet seinen besten Spieler auf das Ergebnis.
In der Saison bekommt man für jedes Spiel STAR-Punkte, die man auf
dem Transfermarkt in neue Spieler investieren kann, aber auch andere Mannaschaften
bieten dabei mit.
Klassische Dummschwätzer!
Die Grafik im Spiel ist ok, bleibt aber hinter FIFA 2000 zurück. Die
Zuschauer sind einmal mehr eine Pixelmasse, aus denen nur die Fahen der
Fans herausragen. Die Wettereffekte sind auch eher marginal (Schnee bleibt
nicht liegen) und bei der Umsetzung der Stadien ist man etwas zu weit gegangen.
Bei falscher Kameraeinstellung kann man im Dreisamstadion schon mal seine
Kicker aus den Augen verlieren, weil die Überdachung plötzlich
zwischen Kamera und Akteuren auftaucht.
Die Zuschauer grölen diverse Bundesliga-Brüller, aber warum
beim Spiel Bremen-Turin plötzlich "Borussia Dortmund" skandiert wird,
bleibt mir ein Rätsel. Die Kommentatoren passen sich dem an. Manfred
"Manni" Breuckmann sieht gerne mal einen Ball im Tor, obwohl der Keeper
ihn in Händen hält und Rolf "Töppi" Töpperwien nervt
mit Sprüchen wie "Wenn man den Ball hat, sollte man versuchen ihn
zu halten."
Gefehlt haben mir vor allem Statistiken und die, die es gibt (Tabelle...),
hätten etwas übersichtlicher gestaltet werden können. Nur
Unverständnis meinerseits erntet das Nichtvorhandensein einer Torschützenliste.
Alles in allem hinterläßt die Präsentation einen guten
Eindruck, allerdings erwarte ich mir von FIFA 2001 deutlich mehr.
Kick & Rush
Zwar führt nicht nur diese Taktik zum Sieg, aber das Spiel ist ganz
deutlich auf schnelle Fußballaction ausgelegt und weniger eine komplexe
Simulation. Es fallen schnell schöne Tore, leider aber macht einem
bei diversen Spielzügen die miese KI der eigenen Mitspieler einen
Strich durch die Rechnung. Ein Doppelpaß klappt eben nur, wenn der,
der zuerst den Ball hatte, auch weiterläuft und nicht nach der Ballabgabe
einfach stehen bleibt. Das es keinen Radar gibt, vereinfacht die Sache
auch nicht gerade.
Dafür sieht man schöne Rettungsaktionen: einmal musste ich
beobachten, wie einer meiner Torschüsse noch kurz vor der Linie von
einem Feldspieler abgefälscht und übers Tor gelenkt wurde. Die
Keeper hinterlassen gemische Gefühle. Sie halten zwar relativ gut,
neigen aber zu katastrophalen Stellungsfehlern und lassen auch gern mal
die kurze Ecke offen.
Alles in allem ist BS2001 ein nettes Fußballspiel für Zwischendurch.
Auch wenn es actionbetonter sein soll, sind die Unterschiede im Spielablauf
zwischen BS und FIFA doch eher marginal. Der Klassiker beschert einem dafür
eine schönere Optik und vor allem eine gelungene Menüführung.
Bundesliga-Freaks können trotzdem mal einen Blick riskieren, Fußball-Gourmets
warten aber besser auf FIFA 2001.