Alice im Terrorland
Alice im Wunderland, ich glaube jeder von uns hat schon die eine oder andere
Version dieser Geschichte gehört. Aber was uns EA in diesem Spiel
präsentiert, ist wohl eine bisher ungekannte Interpretation der Story.
Alice's Elternhaus ist abgebrannt, die Eltern sind tot. Alice selber ist
apathisch und liegt auf einer psychatrischen Station. Alles was ihr geblieben
ist, ist das Stoffkaninchen, das auch einigermaßen zerschunden ist.
In diesem Zustand wird Alice ins Wunderland zurückgerufen. Doch auch
dort hat sich einiges getan. Wunderland? Eher schon Terrorland. Alle sind
unglücklich und Grund allen Übels ist die böse Herzkönigin.
Aus eigener Kraft können die Bewohner des Wunderlandes sich nicht
aus den Fängen der Diktatorin befreien. Sie hoffen auf Alice, die
sich aufmacht, die Königin zu stellen. Dabei wird sie von der Katze
unterstützt, die immer wieder mal vorbeikommt und sinnig Hilfen oder
auch nur Dummsprüche zum besten gibt.
Makaber
Am Anfang des Weges steht ein Tutoriallevel, der den Spieler in die Steuerung
des kleinen Mädchens einführt. Alice läuft in ihrem Kleid
durch den Level und man lernt zu laufen, springen, etc. Wer ganz genau
hinguckt kann sehen, daß die Schleife auf dem Rücken durch einen
Totenkopf zusammengehalten wird - aha. Schon ist klar, wohin das Spiel
wohl gehen wird.
Das kleine Amokmädchen kann sich den Gegnern natürlich nicht
ohne Waffen entgegenstellen. Die erste Waffe ist ein Küchenmesser,
das in Alice's Hand mehr wie eine Machete aussieht, erinnert irgendwie
ein bißchen an Chucky, die Mörderpuppe. Weitere Waffen sind
z.B. ein Kartenspiel, mit dem Alice die Gegner totfinselt, ein Crocketschläger,
etc. In Anlehnung an die bekannten First-Person-Shooter gibt es auch einen
Eisstab, mit dem man die Gegner einfrieren kann. Ebenso bekannt ist der
Bloodmode, in dem man die Gegner äußerst effizient zerlegen
kann. Alice mutiert in diesem Modus und sieht wie eine Kreuzung aus Alice,
einem Alien und einem Hirsch aus.
Der Weg durchs Wunderland
Auf ihrem Weg muß Alice die verschiedensten Aufgaben lösen.
Dabei werden immer mehrere Level zu einem Thema zusammengefaßt. Zum
Beipiel muß Alice sich durch die Schule im Wunderland kämpfen
und dabei verschiedene Zutaten für einen Zaubertrank finden, der sie
schrumpfen läßt. Die Schule selbst umfaßt dann mehrere
Level, die thematisch zusammen gehören, also die gleiche Umgebung
und die gleichen Gegner haben.
Die Themenparks sind dann sehr unterschiedlich. So läuft die geschrumpfte
Alice z.B. durch eine Landschaft, in der sie gegen Ameisen und Käfer
kämpfen muß, es gibt vereiste Landschaften, die Schule, einen
Tauchgang, etc. Der Abwechslungsreichtum ist schon beeindruckend und für
die Motivation förderlich. Schließlich will man sehen, welche
Figuren sich die Entwickler noch haben einfallen lassen. Und diese Figuren
sind wirklich skurril. Da gibt es die Cardguards, also Wächter, die
eigentlich Spielkarten sind. Ein kleiner, verschrobener Zwerg hilft einem.
Eine Mischung aus Kuh und Schildkröte will ihren Schild wiederhaben,
bevor sie einem hilft, eine zickige, rauchende Raupe weist einem den weiteren
Weg, die Liste könnte wirklich ziemlich lang werden ...
Die Level selbst sind geradlinig designed, man muß sich den Weg
nicht suchen. Es geht fast immer geradeaus, so daß man sich nicht
verlaufen kann. Der Weg wird auch durch die mäßig gestreuten
Rätsel nicht erschwert, denn sie sind immer intuitiv zu lösen,
also keine Herausforderung. Gleiches gilt für die Gegner. Auch hier
muß man sich nur selten Strategien zurechtlegen, um weiterzukommen.
Schwieriger sind nur die Endgegner.
Beben 3-Engine
Das Wunderland wird von der Beben 3-Engine angetrieben. Diese Qualitätsmaschine
wird in Alice sehr gut eingesetzt. Abgesehen von der Qulität der eigentlichen
Grafik sind die Level durchweg sehr detailliert designed und in sich schlüssig.
Dabei wird eine düstere und gespenstische Atmosphäre erzeugt,
die sehr gut zu dem Spiel paßt. Teilweise wird man aber auch daran
erinnert, daß die Geschichte eigentlich ein Märchen sein sollte.
Diese Stellen treten meistens dann auf, wenn man nicht kämpft, sondern
sich mit den Figuren, die einem weiterhelfen, unterhält (nicht interaktiv).
Die düsteren Stellen werden jedenfalls von Sound optimal unterstützt.
Das trifft hauptsächlich auf den Soundtrack zu, der immer wieder mal
eine dunkle Musik zur aktuellen Bedrohung bereithält.
Was ist das für ein Spiel ?
Action-Adventure ist für dieses Spiel eigentlich übertrieben,
denn die Adventure-Elemente sind doch sehr rar gesät. Für einen
Shooter konnte ich mich aber auch nicht entscheiden, dafür wird doch
zu wenig geballert. Am liebsten hätte ich glaub ich ein 3D-Jump-And-Run
genommen, doch wir wollen hier ja auch keine Haarspalterei betreiben. Ähnlich
wie bei Rune sind die Rätsel sehr einfach und die Gegner keine Herausforderung
für die grauen Zellen. Auch der Weg ist immer offensichtlich. Trotzdem
kann man mit Alice Spaß haben, insbesondere wenn man den Schwierigkeitsgrad
hochschraubt. Abwechslungsreichtum, Grafik und Sound belohnen einen dann
für den Kauf.