Europa Universalis klingt nach einem grossen
Spiel. Mit 180 MB, wovon 110 MB an durchaus ansehnliche Videosequenzen
abfallen, ist es aber allemal ein Peanut im Vergleich zu anderen Strategiespielen.
Doch sagt die Datengrösse auch etwas über das Spiel selbst aus?
Denn oft genug hat schon ein "Halbes-Gigabyte-Spiel" enttäuscht.
Komplexität?
Das Handbuch warnt davor, das dieses Spiel sehr komplex gehalten ist, ebenso
wie das Handbuch selbst, und es wird empfohlen das gesamte Handbuch durchzulesen
(107 Seiten!). Nach ein paar Stunden Eingewöhnungszeit, kann man mal
die Einstellungsmöglichkeiten ausprobieren, wobei man nicht allzuviel
von der im Handbuch beschriebenen Komplexität feststellt.
Dafür gibt es umso mehr Meldungsfenster die einem über alle
möglichen Dinge in seinem Reich informieren. Man kann allerdings die
Kategorien, bzw. die Art der Meldungen, die angezeigt werden sollen einstellen,
wodurch sich diese nervige Eigenschaft des Spiels etwas erträglicher
gestalten lässt.
Viel mehr gibt's dann aber auch nicht einzustellen, die Auflösung
(800x600) lässt sich unter anderem nicht ändern, wodurch man
bei wachsendem Reich durchaus auch mal den Überblick verlieren kann.
Diese Unübersichtlichkeit wird noch verstärkt durch die Zoom-Funktion
mit der man sich auf ein bestimmtes Gebiet konzentrieren kann. Daraus folgt
dann schon das nächste Problem: die Übersichtskarte wird ebenfalls
vergrössert, wenn man in der Hauptkarte reinzoomt, dann ist man echt
in einem heillosen Durcheinander, bis man wieder da ist wo man wirklich
hin will.
Handeln und Kämpfen
Man kann zwischen verschiedenen Spielarten wählen: Ein Zeitlimit,
bei dem der Spieler mit den meisten Punkten nach Ablauf der Zeitspanne
gewinnt oder genau das Gegenteil: ein Punktelimit, dass es so schnell wie
möglich zu erreichen gilt. Um Punkte zu erhalten muss man Händler
aussenden, Kolonien gründen und fremde Länder/Gebiete einnehmen.
Ausserdem kann man wie in
Risiko die Spielart
Mission wählen. Bei diesem Spielmodus gilt es seine Mission zu erfüllen,
bevor der Gegner seine erfüllt. Die Missionsziele reichen von der
Eroberung eines bestimmten Landes, über die Gründung von x Kolonien
bis hin zum Erreichen eines Punktelimits. Obwohl diese Modi etwas Abwechslung
bieten ist es doch letztendlich immer dasselbe.
Spass macht hingegen der Mehrspieler Modus, bei dem man gegen bis zu
7 Mitspieler über LAN oder Internet antreten kann.
Viele Einheiten - wenig Einheiten
Von der Komplexität ist auch bei den zu steuernden Einheiten nichts
zu bemerken. Zwar hat man offiziell sechs Einheiten: die Landeinheiten
mit Kavallerie, Infanterie und Artillerie und die Wassereinheiten mit Transportschiffen,
Galeeren und Kriegsschiffen. Das Problem besteht aber darin dass alle Landeinheiten
immer durch einen Soldaten und alle Wassereinheiten immer durch ein Schiff
symbolisiert sind und man immer erst auf den Soldaten, bzw. das Schiff
klicken muss um zu erfahren wieviele Einheiten man von welcher Art dabei
hat.
Nun sind aber im Hintergrund viele Faktoren im Einsatz, die bestimmen
wie schnell sich die Einheiten fortbewegen, z.B. auf welchem Untergrund
(offenes Land, Wald, Berge, Wüsten,...) sich die Einheit fortbewegt,
ob sie vielleicht dabei noch einen Fluss überquert, aus welchen Einheiten
sie zusammengestellt ist, etc...
Solche Faktoren waren aber schon im ersten
Civilization
berücksichtigt worden, demnach täuscht gar nichts mehr darüber
hinweg dass es praktisch nur zwei verschiedene Einheiten gibt die man steuern
kann. Ein klares Minus für die Spieltiefe.
Grafikschwächen
In der Grafik des Spiels, die stark an das Brettspiel "Risiko" erinnert,
findet man einige weitere Schwächen: So überlagern sich einige
Elemente, was wohl an der längeren deutschen Beschriftung liegt. Ausserdem
wurde auf grafische Details grösstenteils verzichtet. Was dagegen
wirklich überzeugt sind die fein ausgearbeiteten Videosequenzen, natürlich
in 3D (siehe 1. Screenshot).
Ein Witz ist auch, dass der Name, den man während des Spiels trägt,
aus der Netzwerkkonfiguration ausgelesen wird und man den Namen im Spiel
nicht ändern kann. Will man also nicht "Regent Server#1" heissen,
so muss man den Namen in der Systemsteuerung unter Netzwerk ändern.
Auch sonst kann man nichts ins Spiel einbringen, was dem Spiel eine persönliche
Note geben könnte.
Wenn man längere Zeit Europa Universalis spielt wird es doch ziemlich
langweilig, da man immer nur dasselbe machen muss: In fremde Länder
einfallen, Kaufleute aussenden, und ab und an mal ein kleines Kämpfchen.
Abwechslung im Spiel ist ganz klar Mangelware.