Auf einer weit entfernten Insel, zwischen hohen
Palmen auf einem weißen Strand passiert ein Unglück: ein kleiner
Junge droht im Meer von Haien gefressen zu werden. Die besorgten Eltern
beten, daß der Junge lebendig wieder aus dem Wasser kommt. Dieses
Gebet ist die Geburt eines neuen Gottes, und dieser Gott ist der Spieler.
Tamagotchi inside
Die Familie ist außer sich vor Glück und bittet den Spieler
ihnen ins Dorf zu folgen, wo er schon erwartet wird. Die Prophezeiung hat
sich erfüllt! Als Dank für die Hilfe bauen die Dorfbewohner einen
Tempel.
Als richtiger Gott braucht man natürlich auch ein kleines Haustier,
das die meisten Arbeiten dann für einen erledigt, wenn es groß
ist. Von der Beschaffung und der Aufzucht eines solchen handelt die erste
Episode des Spiels. Man lernt dabei viel über die Navigation, die
in diesem Spiel nicht sehr leicht ist. Man sieht alles aus der Vogelperspektive.
Scrollen und zoomen passiert alleine mit der Maus. Am Anfang kommt es häufig
vor, daß man sich auf der Karte verläuft, weil man sich verscrollt.
Bis man aber eine Kreatur bekommt, muß man erst ein paar Aufgaben
lösen, um das Tor in den geheimnisvollen Garten zu öffnen. Hat
man es dann endlich geschafft, darf man sich ein Haustier aussuchen: einen
Tiger, eine Kuh oder einen Affen. Im Laufe des Spiels findet man auch einige
Zusatzkreaturen.
Diese Kreatur ist am Anfang noch ein "Baby", das viele Dinge erst lernen
muß, wie z.B. Essen, Dinge herumtragen, Zaubersprüche auslösen
usw. Die meisten Dinge lernt der Spieler bzw. die Kreatur von einer Trainerin,
die das Notwendigste erklärt. Viele weitere Dinge, u.a. auch das Verhalten
im Kampf lernt die Kreatur von Nemesis' Haustier. Dieses verrät auch
ein göttliches Geheimnis und muß dafür sterben. Der Spieler
selbst muß so schnell wie möglich von der Insel flüchten,
da ihm sonst das selbe Schicksal droht. In den nachkommenden Episoden wird
man vor neue Aufgaben gestellt...
Was ist es wirklich?
Black&White ist eigentlich ein Aufbauspiel. Man hilft seinen Anhängern
ihr Dorf auszubauen und genügend Rohstoffe und Nahrung zusammenzutragen,
um den Fortbestand der Siedlung zu sichern. Anders als bei
Siedler
& Co ist dabei aber die Kreatur, die man erzieht. Die Kreatur beobachtet
das Treiben des Spielers ganz genau und lernt dabei. Sie versucht den Spieler
nachzuahmen, nach und nach lernt es, wie man Felder aberntet, Bäume
fällt und Zauber spricht. Der Spieler kann dabei das Wesen der Kreatur
in die eine oder die andere Richtung steuern. Je nachdem, ob man den Anhängern
durch seine Taten eher nützt oder schadet, versucht die Kreatur die
Taten nachzumachen, was ihm, je nachdem, Respekt oder Freundschaft entgegenbringt.
Die Kreatur ist aber nicht nur in einem schon konvertierten Dorf hilfreich,
sie treibt sich auch ab und zu in fremden Dörfern herum. Dort versucht
sie, wie sie es gelernt hat, die Aufmerksamkeit der Bewohner durch gute
oder böse Taten zu erlangen, um auch dieses Dorf zu konvertieren.
Ist das Dorf dann einmal konvertiert, erntet man Glauben durch die
betende Gefolgschaft, den man braucht um den einen oder anderen Zauber
zu sprechen. Je mehr Anhänger man also hat, desto mehr kleine Wunder
kann man vollbringen.
Kleinere und größere Quests...
Während des gesamten Spiels verfolgt man das Ziel möglichst viele
Anhänger für sich zu gewinnen und feindliche Götter zu besiegen.
Ab und zu erscheinen aber auch goldene und silberne Schriftrollen. Hinter
jeder dieser Schriftrolle ist eine Aufgabe versteckt. Die goldenen müssen
gelöst werden, um in der Geschichte weiterzukommen, hinter den silbernen
verstecken sich kleinere Aufgaben, die, wenn man sie löst, weitere
Zauber oder andere Kreaturen freischalten. Dieses Detail verleiht dem Spiel
etwas von einem Adventure.
Auch online ist das Spiel interessant. Man spielt hier entweder alleine
oder in Teams gegeneinander. Man spielt mit der Kreatur, die man im Singleplayer-Spiel
ausgebildet hat und versucht nach einem intensiven Aufbauteil den gegnerischen
Gott zu vernichten. Sollte man Clanspiele bevorzugen, wird die gemeinsame
Kreatur am Lionhead-Server gespeichert, man kann mit ihr nicht im Singleplayer-Modus
spielen. In einem Clanspiel kann jeder Spieler die Kreatur steuern, da
sind Meinungsverschiedenheiten vorprogrammiert. In Online-Spielen hat man
auch die Möglichkeit bei Spielen zuzuschauen und zu beobachten, oder
vielleicht auch nur die Kreaturen von anderen Spielern betrachten.
Gut oder Böse?
In Black & White hat der Spieler enorm viel Handlungsfreiheit. Er kann
Dinge tun und lassen, wie er will, ob er einen guten oder einen bösen
Gott spielt, bleibt ihm überlassen. Sein Handeln prägt die Eigenschaften
der Kreatur, innerlich sowie äußerlich. Bei einem bösen
Gott ist die Kreatur eher düster und unheimlich.
Die Grafik präsentiert sehr detailreich. Wenn man aber zu nahe
an Bewohner oder Gebäude heranzoomt werden sie etwas undeutlich. Bewegt
man sich rückwärts, kann es auch ab und zu vorkommen, daß
man sich ganz plötzlich mitten in einem Wald wiederfindet und rundherum
nur noch Grün sieht. Was mir auch sehr gut gefallen hat ist der Wechsel
der Tageszeiten und des Wetters. Es wird regelmäßig Nacht und
ab und zu schneit oder regnet es auch.
Die künstliche Intelligenz der Dorfbewohner ist auch gut. Wenn
der Spieler übersieht ihnen eine Arbeit zuzuteilen, dann gehen sie
und suchen sich selbst eine. Diese ausgereifte KI macht sich auch sehr
stark bei der Kreatur bemerkbar. Sie lernt schneller oder langsamer, je
nachdem wie sehr sich der Spieler mit ihr beschäftigt, verschiedene
Tätigkeiten auszuführen oder zu unterlassen. Ist der Spieler
böse, ist es die Kreatur auch, ist der Spieler gut, ist die Kreatur
auch gut.
Die Geschichte des Spiels zieht sich durch alle Episoden und wird durch
die einzelnen Quests noch interessanter. Anders als bei manchen anderen
Spielen kann es schon sein, daß man an einer Episode einige Tage
sitzt, bevor man sie erfolgreich beendet hat. Das Gute dabei ist, aber,
daß es eigentlich keine Stellen gibt, an denen das Spiel langweilig
wird, weil immer irgendetwas passiert.
Meinungen
Um kaum ein Spiel wurde jemals so ein Hype veranstaltet wie um Black &
White. Die Erwartungen wurden ins unermeßliche hoch geschraubt und
so werden nicht nur Fans von Aufbauspielen oder Tamagotschis zugreifen.
Daher nun die Meinungen dreier Redakteure, die aus unterschiedlichen Lagern
kommern.
Beatrice (Siedler- und Creatures-Fan)
Ich finde das Spiel voll genial. Man folgt nämlich nicht, wie in den
meisten anderen Spielen einem vorgegebenen Rahmen, sondern hat die Möglichkeit
zu tun und zu lassen, was man will. Man kann in einem Dorf Leute in der
Gegend
herumwerfen und das hat dann Einfluss auf den Rest des Spiels, oder
man lehrt seine Kreatur Dinge zu tun, die den Dorfbewohnern helfen oder
ihnen schaden, um Respekt oder Freundschaft zu ernten.
Jeder Schritt den man macht verändert das Geschehen, sogar das
Äußere der Kreatur und der Umgebung gestaltet sich nach ihrem
Charakter (gut oder böse). Die KI ist auch sehr gut gelungen. Die
Dorfbewohner machen sich alleine auf den Weg, um noch zu verrichtende Arbeit
zu erledigen und die Kreatur ahmt den Spieler nach. Man hat fast das Gefühl,
daß das Spiel "denkt".
Ich finde in dem Spiel passt einfach alles zusammen, es ist nicht zu
leicht, aber auch nicht zu schwer, man denkt sich nicht "Oh mein Gott,
das schaff ich nie", sondern man spielt eine Weile herum und sieht dann
auch ein Ergebnis.
Super sind auch die Team-Online-Spiele. Je mehr Spieler desto besser,
vor allem dann, wenn sich die gegnerische Mannschaft nicht einigen kann,
was jetzt passieren soll.
Meiner Meinung nach hat sich das Warten gelohnt, besser ein Spiel auf
das man lange wartet und das man dann auch lange spielen kann, als eins
das halb fertig ist und nach zwei Wochen wieder im Schrank landet.
Wertung:
92%
Peter (Echtzeit-Strategie-Fan)
Ich bin hin und hergerissen. Auf der einen Seite begeistern mich die Grafik,
die Animationen und die vielfältigen Möglichkeiten der Interaktion.
Auf der anderen Seite nerven mich einige Aufträge (z.B. "Entführte
Kinder" oder die Such-Aufträge "Schafe" bzw. "Tonsteine") und meine
Kreatur macht einfach nicht das, was sie soll. Ich kriege dem Tiger einfach
nicht abgewöhnt, über die Schafe her zu fallen. Um so stolzer
war ich, als er zum ersten Mal einen Holzzauber gesprochen hat. :-) Den
Tiger zu dressieren ist schlimmer als
einen Sack Flöhe hüten. Bei Black&White vergeht die Zeit
meist wie im Flug. Nur weiß man hinterher nicht zu sagen, was man
denn eigentlich gemacht hat.
Wertung: 88%
Hardy (Allrounder, Gründer der ersten dt. B&W-Fanpage)
Peter Molyneux hatte es mal wieder geschafft. Wieder hatte ich sehnsüchtig
auf eines seiner Spiele gewartet und jede Terminverschiebung mit einem
weinenden Auge registriert.
Nach fast 100 Stunden Spielzeit halte ich Black & White für
ein gutes Spiel, aber leider enthält das Game viele Mängel, über
die ich mich mit
steigender Spieldauer immer mehr ärgere. Ich kann es nicht nachvollziehen,
dass meine Dörfer trotz genügend Nahrungsmitteln und Wohnraum
aussterben, nur weil ich keine Züchter festlege. Wo ist denn in der
angeblich so tollen KI der Selbsterhaltungstrieb?
Sind 5 Levels in der Kampagne nur mir zu wenig? Warum gibt es kaum
Abwechslung in den verschiedenen Levels? Alle Level sehen gleich aus, spielen
sich gleich und werden durch nervige Spielereien (Kreatur entführen,
verkleinern, Feuerballregen usw.) nur in die Länge gezogen?
Warum forsten meine Dorfbewohner Wälder nicht selber auf? Habe
ich als "Gott" keine wichtigeren Dinge zu tun?
Warum verlernt meine Kreatur nach einem Wechsel zu einer anderen Kreatur
jedes Mal mindestens einen Zauberspruch komplett und fängt wieder
an Menschen zu fressen, obwohl ich das vorher mühsam aus ihr herausgeprügelt
habe?
Die Steuerung des Spiels treibt mich immer dann in den Wahnsinn, wenn
ich einen Schutzschild fertig gezeichnet habe, sobald mein Dorf bis auf
die Grundmauern niedergebrannt ist und mich an Stellen heranzoome, die
eigentlich nicht mein Ziel waren...na gut, das liegt wohl an mir.
Nach so langer Entwicklungszeit wäre es auf ein halbes Jahr auch
nicht mehr angekommen und mit einem bißchen mehr Feintuning hätte
Black & White DAS Highlight des Jahres werden können.
So ist Black & White daher in meinen Augen ein Spiel, das seine
Faszination nur aus der Aufzucht der Kreatur zieht und dadurch die Motivation
hoch hält. Alle anderen Teile des Spiels halte ich für nicht
ausgereift.
Wertung: 85%