Wie der Name des Spiels vermuten
lässt, spielt die Handlung in der Welt von 1001 Nacht und lässt
sich am ehesten mit der Aladdin Story vergleichen. Die fünf Töchter
des Sultans sind einen Tag vor ihrem 20. Geburtstag verschwunden. Da das
Gesetz in Akabha vorschreibt, dass eine Sultanstochter an Tage ihres 20.
Geburtstages heiraten muss, oder sonst zum Strassenmädchen erklärt
und aus dem Palast geworfen wird, ist natürlich Not am Mann. Erschwerend
kommt noch hinzu, dass nach dem Tod des Sultans die Macht auf den ältesten
Sohn, oder - da dieser nicht vorhanden ist - auf den Verlobten der ältesten
Tochter übergeht. Sollte es diesen Verlobten auch nicht geben, geht
die Macht auf den Großwesir über. Eben dieser schmiedet finstere
Pläne und ist wahrscheinlich auch verantwortlich für das Verschwinden
der Prinzessinnen.
Es ist nun die Aufgabe des Spielers, in der Rolle von Ali - einem verträumt
dreinblickenden Turbanträger - dem Großwesir einen Strich durch
die Rechnung zu machen, die Prinzessinnen zu retten und zu verführen.
Jump&Run
Los geht's auf dem Friedhof, wo man sich mit Prinzessin Melissa treffen
soll. Der erste Teil ist eine Art Tutorial, in dem man Alis akrobatische
Fähigkeiten und die gewöhnungsbedürftige Steuerung ausprobieren
kann. Der Junge ist schon beeindruckend, mit einem Affenzahn rennt er durch
die Gegend. Aber das ist noch nicht alles, unermüdlich springt er
mit Saltos und Schrauben herum, dass es selbst Lara Croft schlecht werden
würde. Beeindruckend ist auch das riesige Messer, mit dem Ali wie
wild Kampfkunststückchen von der Kette lässt.
Im weiteren Spielverlauf muss man sich an Ketten und Seilen herauf-
und herabhangeln oder über schmale Balken oder Seile balancieren.
Die wichtigsten Element des Spiels sind aber herumrennen, Fallen ausweichen,
Gegner zu Geschnetzeltem verarbeiten, Gebäude erklimmen und Abgründe
überwinden.
Spätestens wenn man Flaschen mit Lebens- oder Manatrunk findet,
ist man arg an Prince of Persia erinnert. Hin und wieder findet man auch
Wurfmesser und Bomben, die man auch sehr effektiv einsetzen kann. Weiterhin
erhält Ali in Verlauf des Spiels magische Fähigkeiten, die sich
bei bestimmten Gegnern als recht nützlich erweisen. Was Arabian Nights
von einem Jump&Run unterscheidet, sind der 3D-Modus und die spärlich
gestreuten Rätsel.
Geschwindigkeiswahn und Primitivrätsel
Arabian Nights könnte ein wirklich nettes Spiel für zwischendurch
sein, wenn da nicht einige Mängel wären, die den Spielspass ganz
erheblich herabsetzen.
Zunächst ist da die Steuerung, die einer gewissen Gewöhnungszeit
bedarf . Man steuert die Sicht (Ansicht von hinten) mit der Maus und die
Bewegungen mit Tastatur oder einem anderen Eingabegerät. Da beides
sehr sensitiv reagiert, braucht es einige Übung. Und selbst dann gibt
es Stellen, an denen Ali sich nicht so verhält, wie man will. Zum
Beispiel bei Kämpfen legt Ali eine riesen Show hin, bringt es aber
nicht fertig eine Ratte, von der Grösse eines Hundes, zu treffen.
Man kann die Kampfbewegungen leider nicht gezielt anwenden und wenn Ali
erstmal eine Schlagfolge eingeleitet hat kann man diese nicht mehr unterbrechen.
Dazu kommt noch eine grauenhafte Kameraführung, z.B. wenn man Wänden
zu nahe kommt. Durch Alis Geschwindigkeit und plötzliche Kameraschwenks
hatte ich manchmal sogar ein flaues Gefühl in der Magengegend.
Weiterer Kritikpunkt sind die wenig abwechslungsreichen Levels. Will
heissen wenig Farben, alles braun in braun, die Gebäude sehen alle
gleich aus. Es gibt zwar hin und wieder interessante Konstruktionen, die
aber wie der Rest detailarm gestaltet sind.
Nervig sind auch die eingebauten Rätsel, die im Grunde einfach
zu lösen wären, wenn man nicht ständig Gegenstände
oder Orte übersehen würde, die zum Weiterkommen notwendig sind.
Oftmals muss man auch ganz an den Anfang des Levels zurück, weil man
irgendwas vergessen hat. Solche Widrigkeiten, aus den Anfangszeiten des
Action-Adventures wirken sich gar nicht gut auf die Wertung aus!
Technik aus 1001 Nacht
So kommt es einem zumindest vor, denn optisch bietet Arabian Nights höchstens
gutes Mittelmass. Vor einem halben Jahr wären vielleicht die komplexen
Schatten und die animierten Gesichtstexturen positiv aufgefallen.
Die Texturen der Figuren sind einigermassen detailliert und machen
einen brauchbaren Eindruck. Auch die Modelle sind annehmbar, wenn auch
ein bisschen kantig. Man hat das Gefühl, die Entwickler hätten
die meiste Zeit für die Gestaltung der "hübschen" Prinzessinnen
aufgewendet, die meiner Meinung etwas zu voluminös ausgefallen sind
- aber hey, jedem das seine! Die Texturen der Umgebung wirken hingegen
detailarm und oft verwaschen. Die visuellen Effekte bei Explosionen, Magie
usw. sind für heutige Verhältnisse unspektakulär.
Die Soundkulisse hat weder positiv noch negativ Herausragendes zu bieten.
Immerhin wurden die Geräusche passend ausgewählt. Die orientalische
Musik verdrängt man mit der Zeit, da das Gedudel recht langweilig
ist.
Alles in allem also eher durchschnittlich und wenig am heutigen Stand
der Technik orientiert.
Genau wie "Prince of Persia 3D" kommt "Arabian Nights" nicht an "Prince
of Persia", den Urvater dieser Spielegattung, heran.