Quax, der Bruchpilot
Ob unsere Held Quax heißt wird immer ein Geheimnis bleiben, aber
fest steht, dass er ein arbeitsloser Bruchpilot, Anfang 30, im Jahre 1926
ist und dringend einen Job braucht um sich und seinen Hund Murphy über
die nächsten Monate zu bringen. Doch das Glück ist im hold. Eine
junge Blondine bittet ihn darum, ihren verschollenen Vater, zu suchen.
Der Vater ist ein Professor, der seit Jahren als vermisst gilt, doch sie
hat kürzlich eine mysteriöse Funknachricht bekommen und unsere
Held soll nun helfen den Professor mit seiner Tochter wieder zusammenzubringen.
Da er als Mann einer attraktiven Blondine nichts abschlagen kann und Geld
bekanntlich nicht stinkt macht er sich mit seinem Hund Murphy auf den Weg.
Unglücklicherweise fliegt er sein Flugzeug zu Schrott und findet
sich in einer Welt wieder, die er noch nie gesehen hat. Da er nichts besseres
zu tun hat, macht er sich mit seinem Hund auf die Suche nach dem Professor
und erkundet die fremdländische Inselwelt. Die Insel beherbergt eine
Reihe von aggressiven Tieren, die unseren Helden bei seiner Suche versuchen
zu töten. Von steineschmeißende Affen, über hungrige Wilschweine
und Ratten bis hin zu Riesenameisen muß sich unsere Bruchpilot gegen
allerlei Getier zur Wehr setzen um sein Ziel zu erreichen. Bis er den Professor
findet und das Geheimnis von The Hollow Earth lüften kann muß
unser Held so manche gefährliche Situation bestehen und viel Geschick
bei der Lösung der Rätsel beweisen.
Die hohle Welt
The Hollow Earth mutet auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Indiana
Jones und Myst an. Doch sehr schnell wird klar, dass Hollow Earth beiden
Spielen nicht das Wasser reichen kann. Weder die Spieltiefe von Indiana
Jones noch die Atmosphäre von Myst wäre es wert, mit Hollow Earth
verglichen zu werden. Die Spielszenen sind Anfangs ganz nett anzuschauen,
verlieren aber mit zunehmender Spielzeit sehr schnell an Komplexität.
Schlecht animierte Tiergegner und langweilige Screens folgen den durchaus
schönen Startlayouts der einzelnen Szenen. Die seltenen Hintergrundgeräusche
werden relativ häufig in nicht synchronisierter Fassung mit den Geschehnissen
auf dem Bildschirm abgespielt.
Den Gegnern tritt unser Held mit einem unerschöpflichen Arsenal
von Steinen entgegen, die er per Mausklick werfen kann. Neben den Steinen
sammelt er noch kleine Gasflaschen und Granaten in Form einer Ananans auf
seiner Odyssee ein. Auch diese Waffen schleudert er mit Hilfe der Maus
auf seine Gegner. Da die Trefferquote ziemlich schlecht zu steuern ist,
klickt man also nach kurzer Zeit wie ein Berserker auf der Maus rum, um
mit den Steinchen seine Gegner in die Knie zu zwingen. Doch trotz einiger
Treffer stehen die getroffenen Kreaturen kurze Zeit später wieder
auf, um unseren Helden erneut zu attackieren. Das Einzige was ihm übrig
bleibt ist die Flucht. Ein wahres Vergnügen (Gähn). Unterstützung
bekommt unser Held noch durch seinen Hund Murphy. Durch Tastendruck kann
man den streunenden Kerl zu Hilfe rufen. Allerdings funktioniert das Rufen
nicht immer, was zur Folge hat, dass Murphy nicht zu sehen ist während
unser Held gesteinigt wird.
Ungereimtheiten
Um unseren Held durch die einzelnen Szenen zu steuern bedarf es ganz besondere
Fähigkeiten. Man markiert mit der Maus eine Stelle (grünes Kreuz),
zu der unser Held dann automatisch läuft. Manchmal erscheint jedoch
dieses Kreuz in einem Umkreis von 15-20 cm vom Mauszeiger entfernt oder
es versagt völlig. Es ist auch durchaus üblich, dass unser Held
am oberen Bildrand verschwindet um dann durch Nebelschwaden verdeckt die
nächsten Szene von links zu betreten. Bis man ihn lokalisiert hat
kann er schon tot sein. Das kostet Nerven. Auch existieren Spielorte zu
denen unser Held mit einer Seilbahn fährt. Er kommt von rechts und
steigt dann automatisch aus, obwohl die Seilbahn offensichtlich nach llinks
weiterfahren könnte. Geht er nun nach links ist die Seilbahn auf mysteriöser
Weise verschwunden und er findet sich in einer zerklüfteten Gegend
wieder. All dies läßt vermuten, dass die Hollow Earth nicht
nur hohl sondern auch zerstückelt ist.
Aufsammelbare Gegenstände oder Orte an denen man etwas machen
kann findet unser Held nur sehr schwer, da sich der Mauszeiger in seiner
Form nie verändert. Ob nun irgendwo etwas aufzusammeln oder ein Rätsel
zu lösen ist, bleibt weitgehend dem Zufall überlassen. Spielstände
werden automatisch abgespeichert. Doch wer denkt, dass das eine Erleichterung
darstellt ist auf dem Holzweg, denn die Speicherung erfolgt immer in der
Datei namens SAVE.txt. Das hat zur Folge, dass das gleichzeitige Spielen
von Hollow Earth von mehreren Spielern auf einen Rechner nur durch umbenennen
oder auslagern dieser Datei bewerkstelligt werden kann. Dieser Hinweis
wird zwar in der Spielbeschreibung gegeben, die Tatsache an sich ist aber
nervig und nicht zeitgemäß.
In der linken oberen Ecke des Bildschirms sieht man während des
gesamten Spiels eine kleine Grafik. Diese symbolisiert das Archiv, dass
die Form eines Tagebuches hat. Klickt man die Grafik an, erscheint ein
Buch in dem man blättern kann. Abhängig davon welche Seite aufgeschlagen
bleibt, sind die Gegenstände für unseren Helden aktiv, die diese
Seite zeigt. Ein Blättern ist während des Spiels zwar grundsätzlich
über die Pfeiltatsten möglich, unterstreicht aber die völlig
indiskutable Steuerung.
Gibt es ein Ziel?
Das vordergründige Ziel von Hollow Earth ist sicherlich das Auffinden
des Professors. Nebenbei erfährt man aber auch, dass man Schlüssel
finden muß, mit denen man Teile von Hollow Earth zerstören kann.
Die Schlüssel besitzen merkwürdige Zeichen, die - wie sich herausstellt
- Morsezeichen darstellen. Mittels dieser Schlüssel kann man über
ein riesiges Teleskop morsen und bekommt auf wundersamer Weise Morsezeichen
als Antwort zurück. Diese Antwort ist zu notieren, da man mit diesem
Code wiederum Teile von Hollow Earth zerstören kann. Von welchen Orten
man jedoch die zerstörerischen Morsezeichen absetzen kann, bleibt
dem großen Glück des Spielers überlassen, der diese Orte
finden muß. Da der Mauszeiger seine Form bei Erreichen solcher Orte
nicht verändert, heißt die Devise "Good luck".
Alles für 50 Ocken
Circa 50 DM wären für ein Adventure ein Spitzenpreis, wenn das
Spiel das halten würde was es verspricht. Hollow Earth ist sicher
ein interessanter Ansatz für eine Kombination zwischen Indiana Jones
und Myst, aber selbst 50 Ocken sind für das Ergebnis zu viel. Durch
die miserable Steuerung und teilweise nicht funktionierende Sprachausgabe
bleibt Hollow Earth leider ein ziemlich "hohler" Versuch ein Adventure
zu präsentieren, dass auf dem Markt bestehen könnte. Die schnell
schwindende Motivation läßt keinen Spielspass aufkommen. Hollow
Earth ist das beste Beispiel dafür, wie ein Adventure nicht sein sollte.