Es hat lange gedauert, doch nun ist
einer der Klassiker des Action-Adventures auf den PC zurückgekehrt.
Nach den Kultspielen Alone in the Dark 1-3 hat sich Infogrames nun erbarmt
und bringt den 4. Teil auf den PC.
Der Blick zurück
Aus meiner Sicht waren damals zwei Punkt ausschlaggebend für den Erfolg:
die kultige Grafik und der die gelungenen Adventure-Elemente. Beide wurden
immer mit einer gruseligen Geschichte gepaart, in der Untote zu stoppen
waren, bevor sie einen selbst stoppten. Vielleicht ist das auch das dritte
Element, was den beiden ersten die Würze gab. Für die Bedauerlichen,
die keinen Blick auf die ersten drei Teile werfen konnten, hier noch eine
kurze Erläuterung zu den genannten Punkten. Die Grafik zeichnete sich
dadurch aus, daß die Kameraperspektiven sich ständig (bei Szenenwechseln)
änderten. Zusätzlich war sie in meinen Augen immer eine Kombination
aus Realität und Comic, was dem Spiel einen etwas abgespacten Rahmen
gab. Die Rätsel waren meist eine Herausforderung´ - teilweise
auch an die Geduld des Spielers. Zu guter letzt die Monster, die dem Spiel
einen guten Schuß Action gaben. Sie waren nie in Masse vorhanden
- Ziel war es, den Spieler durch das Auftauchen von ein oder zwei Monstern
unter Streß zu setzen, nicht das Spiel in einen Shooter zu verwandeln.
Die Gegenwart
Das Intro verspricht schon einiges. Tolle Filmsequenzen (gerendert) lassen
auf ein technisch einwandfreies Spiel hoffen (dazu später mehr). Durch
diese Eingangssequenz wird man gut in die Thematik eingeführt. Edward
Carnby und Aline Cedrac werden nach Shadow Island gelockt. Dort angekommen
trennen sie sich, der Spieler kann sich für einen der beiden Charaktere
entscheiden. Egal welchen man wählt, schnell ist klar, daß auf
dieser Insel seltsame Dinge vorgehen. Leider kann man sich aber nicht ungestört
der Ursachenforschung hingeben, sondern wird ab und an von Monstern belästigt,
die man am besten mit Waffengewalt abschüttelt.
Während der Recherchen auf der Insel trifft man immer wieder neue
Personen, die durch Filmsequenzen eingeführt werden. Dann tun sich
auch schon Rätsel auf. Am Anfang sind diese noch recht einfach zu
lösen. Wie bekomme ich die Tür auf? Wie kann ich den Weg freimachen?
Diese Aufgaben sind immer lokal beschränkt, d.h. Ursache und Wirkung
liegen räumlich dicht beieinander. Das wird sich im Laufe des Spiels
geben, so daß man z.B. verschiedene Gegenstände kombinieren
muß, um weiter zu kommen.
Allerdings hat sich im Vergleich zu den Vorgängern doch einiges
geändert. Vor allem der Stil der Grafik dürfte Fans ein wenig
wundern. Denn die geht jetzt deutlich mehr in Richtung Realismus. Und auch
der Held des Spiels wirkt nicht wie ein kultiger Detektiv sondern eher
wie das Juppie-Abziehbild eines solchen. Durchgestyled bis zum letzten,
dieser fesche Herr. Für die Dame gilt übrigens das Gleiche.
Was geht - und was nicht
Das Steuerungssystem des Spiels besteht grundsätzlich aus zwei Säulen.
Zum einen steuert man die Figur. Das ist ungefähr so, wie man es kennt.
Hauptsächlich werden also die Cursortasten benutzt, ein zwei Tasten
zusätzlich für Waffe und Aktion. Okay, klappt.
Die zweite Säule ist das Inventar. Hier werden alle Dinge benutzt,
die die Figur mit sich rumträgt. Also so etwas wie Medizin, Taschenlampe,
Notizzettel, etc. So ähnlich kennt man das z.B. auch von
Tomb
Raider.
Wie bei TR stellt man sich auch vor zu untersuchende Gegenstände
oder Türen und drückt die Aktionstaste. Daß man hierfür
relativ genau positioniert sein muß, dürfte die meisten Spieler
wohl auch wenig wundern.
Was an diesem System nicht unbedingt dem Standard entspricht, ist die
Benutzung der Waffen. Denn auch sie sind lediglich über das Inventar
zu wechseln. Das kann ganz schön nerven. Schlimmer ist allerdings,
daß sie auch nur über das Inventar nachladbar sind (es sei denn,
die Waffe ist leer, dann wird automatisch nachgeladen). Ich weiß
gar nicht, wie oft ich ins Inventar mußte um nachzuladen - blöd.
Ansonsten ist das Inventar zwar logisch aufgebaut, aber umständlich
zu bedienen.
Ein echter Lichtblick ist hier eigentlich nur das Notizbuch, das vom
Spiel selbstständig geführt wird. Es enthält die wichtigsten
Informationen, die man bereits gesammelt hat. So ist es als Nachschlagewerk
unentbehrlich und erspart dem Spieler, alles neben dem Rechner mitzuschreiben.
Mitschreiben? -> Wegschreiben -> Speichern. Ein super Übergang.
Da sind wir nämlich schon bei meinem Lieblingsärgernis. Gespeichert
wird in diesem Spiel über Speicheramuletts. Jedes gefundene Amulett
= eine Speicherung. Das ist aber noch nicht das Problem - Amuletts habe
ich wie Sand am Meer. Nein, nein, besser ist, daß nicht genau dort
gespeichert wird, wo man das Amulett nutzt. Es ist mir jetzt schon mehrfach
passiert, daß das Spiel ein paar Szenen vor meiner Speicherung wieder
aufsetzte! Ein ähnliches Phänomen tritt auf, wenn man den gleichen
Raum von zwei Seiten betritt. Dann sind nämlich auf einmal Monster
wieder da, die man schon eliminiert hatte. Bei dem Munitionsengpaß
nicht gerade glücklich. Ich will gar nicht darauf eingehen, daß
man mit den Monstern nicht rechnet und ggf. nicht schnell genug ins Inventar
kommt, um die Knarre aufzuladen ... ein schöner Tod.
Die Faszination 640x480
Jupp, unglaublich aber wahr, auch Alone in the Dark 4 kann nur in 640x480
gespielt werden. Dennoch scheint das Konzept aufzugehen. Aufgrund der Grafikkartenvoraussetzungen
(s.u.) kann man wohl davon ausgehen, daß die Karte AntiAliasing unterstützt.
Und da die Blicktiefe immer recht gering ist, wirkt die Grafik ausgesprochen
gelungen - wie gesagt, die Hardware löst das Problem. Leider wird
hier der eine oder andere Fan auf der Strecke bleiben, da er diese Anforderungen
nicht erfüllen kann.
Allerdings hat man nicht nur bei der Auflösung gespart. Eine Gamma
Korrektur fehlt dem Spiel an allen Ecken und Enden. Denn zur Unterstützung
der Atmosphäre ist das gesamte Ambiente recht dunkel gehalten - leider
etwas zu dunkel. Bei normalem Tageslicht kann man auf dem Monitor kaum
noch etwas erkennen. Dann muß man von außen die mühsam
gesuchte Einstellung der Grafikkarte ändern - ärgerlich. Und
dabei hat das Spiel eigentlich viel drauf, was nicht zwischen dunkelgrau
und schwarz versteckt werden müßte. Die Animationen der Figuren
sind z.B. ganz ausgezeichnet. Das geht sogar bis zu Details wie dem Mantel,
der immer sauber mitschwingt, was mich irgendwie an
Nocturne
erinnert.
Manchmal hat man auch den Eindruck, daß gerade diese Qualität
erst auf andere Fehler aufmerksam macht. Wenn man z.B. durchs Wasser geht,
sind die Wellen so gut, daß man sich fragt, warum die Wasseroberfläche
an der Kanalwand sich nicht bewegt. Noch ein kleiner Gag zur Grafik: Ich
habe ja in den Optionen schon realistische Schatten angeklickt. Aber das
mein Schatten deutlicher sichtbar wird, wenn ich mit der Taschenlampe draufhalte,
kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
Beim Sound ist dafür alles rund. Weder die Hintergrundmusik, noch
die Synchronisation sind zu bemängeln. Allerdings muß ich zugeben,
daß ich bei diesen Punkten noch nie besonders kritisch war.
Zum Abschluß dieses Technik-Absatzes noch ein Punkt, der vielleicht
auch den einen oder anderen betreffen dürfte. Das Spiel lädt
wirklich ununterbrochen von der CD nach. Obwohl ich noch nie Probleme mit
meinem Laufwerk hatte, mußte es sich nach ein paar Stunden zocken
geschlagen geben und erstmal abkühlen - bei der Sommerhitze vielleicht
aber auch kein Wunder.
Action-Adventure
Trotz der beschriebenen Mängel halte ich Alone in the Dark 4 für
ein ausgesprochen gelungenen Spiel. Als reines Sequel darf man es nicht
sehen, dafür weicht es in vielen Punkten zu sehr von den Vorgängern
ab. Ich denke hier insbesondere auch daran, daß die Monsterzahl sich
deutlich erhöht hat, was den Schockeffekt beim Auftauchen eines Gegners
spürbar reduziert. Auch die Grafik erinnert nicht an die kultigen
Vorgänger - einzig die wechselnden Kameraperspektiven sind geblieben.
Die sind heute aber auch in anderen Spielen vorhanden und nicht unbedingt
ein Markenzeichen.
Was dieses Spiel auszeichnet ist die ausgewogene Kombination von Action
und Adenture, wobei die Rätsel das Wort Adventure hier auch rechtfertigen.
Zusammen mit der Möglichkeit, die Insel aus zwei Perspektiven (die
der Charaktere Edward und Aline) zu verfolgen, die dann auch andere Handlungsstränge
beschreiten, wird Alone in the Dark einer der interessanteren Titel des
Genres.