Kaum ein anderes Genre wurde in den letzten Jahren so mit Neuerscheinungen überschwemmt wie Echtzeitstrategie. Seid die 3D-Grafik Einzug gehalten hat sucht man Innovationen aber meist vergebens, ein Missstand mit dem Battle Realms aufräumen will.
Fernöstlich angehauchte FantasyBattle Realms spielt in einem fernöstlichen Fantasy-Reich. In der Kampagne übernimmt man die Rolle von Kenji, der des Mordes an seinem Vater verdächtigt vor einigen Jahren geflohen ist und nun zurückkehrt um das Land zu befrieden. Doch mittlerweile streiten sich vier Clans um die Vorherrschaft, Kenjis Schlangenclan, der Drachenclan, der Wolfsclan und der Lotusclan. Dazu besteht auch noch Gefahr durch die geheimnisvolle Horde und ihre blutrünstigen Kreaturen.
Neben den Namen der Hauptfiguren ist auch das gesamte Ambiente fernöstlich angehaucht. Schwertkämpfer werden im Dojo ausgebildet, Geishas heilen die verletzten Kämpfer und Yin und Yang spielen eine wichtige Rolle.
InnovativSchon im Tutorial – das für meinen Geschmack auf einigen Dingen zu lange herumreitet („Denken Sie daran, zum Auswählen links klicken“) und dafür andere Aspekte ausläßt – wird klar, das Battle Realms in vielen Bereichen neue Wege geht.
Das beginnt schon bei der Kameraperspektive. Zwar ist das Spiel in 3D gehalten, allerdings ist die Kameraposition fest und nur der Blickwinkel läßt sich leicht verändern, kein rotieren, kein zoomen. Dadurch wird zwar die übliche Haddelei mit der Kamera vermieden, aber ich hätte doch gern ab und an einen etwas größeren Bildschirmausschnitt gesehen oder auch mal einen Kampf aus der Nähe betrachtet.
Die sogenannte „Einheiten-Alchimie“ ist das Herzstück von Battle Realms und mit Sicherheit die größte Innovation. Aus den Bauernhäusern (in die auch Rohstoffe (Reis & Wasser) geliefert werden) kommt regelmäßig ein Bauer. Die Größe des eigenen Volkes ist begrenzt, je nachdem wie nah man der Grenze ist, dauert es länger bis ein neuer Bauer erscheint. Sehen kann man das anhand eines Balkens links unten.
Dieser Bauer ist dann erstmal „nur“ zum abbauen von Rohstoffen oder zum Errichten von Gebäuden zu gebrauchen. Braucht man einen Kämpfer oder eine andere Einheit, muß man den Bauern ausbilden. Je nach Clan gibt es dazu unterschiedliche Einrichtungen, Kenji’s Schlangenclan hat z.B. das Dojo und den Übungsplatz, ersteres bringt Lanzenträger hervor, zweiterer Bogenschützen. Der Clou: Man kann auch einen Bogenschützen ins Dojo oder einen Lanzenträger auf den Übungsplatz schicken, heraus kommt dann ein Drachenkrieger, der sowohl Nah- als auch Fernkampf beherrscht. Diese Einheiten kann man dann noch in einen Schrein schicken, wo sie spezielle Fähigkeiten erlernen, oder aber ihnen im Stall ein Pferd zuweisen.
Durch die weiteren Trainingsmöglichkeiten ergibt sich nicht nur eine Vielzahl von Möglichkeiten der zu erstellenden Einheiten, vor allem ist die Idee seine Einheiten nicht zu produzieren sondern auszubilden ein ganz neuer Weg.
Yin und YangNeben den bereits erwähnten Rohstoffen Reis und Wasser (sowie Pferden, die herumlaufen und gezähmt werden müssen) gibt es einen anderen wichtigen „Rohstoff“ im Spiel, die Yin- und Yangpunkte. Diese kann man aber nicht abbauen sondern erlangt sie in den Schlachten. Mit diesen Punkten kann man in bestimmten Gebäuden Upgrades erforschen, die sich auf alle Einheiten eines oder sogar mehrerer Typen auswirken, z.B. kann die Kampfkraft der Drachenkrieger erhöht oder die Selbstheilung der Einheiten beschleunigt werden.
Daraus ergibt sich taktisch quasi ein Zwang zum kämpfen. Wer sich verbunkert und abwartet wird gegen seine Feinde auf lange Sicht keine Chance haben, da diese ihm dann durch ihre Upgrades überlegen sind.
Auf in den KampfBattle Realms setzt ganz klar den Fokus auf taktische Gefechte, der Aufbaupart ist eher minimalistisch ausgefallen und die Möglichkeit sich in seiner Basis richtiggehend einzumauern besteht nicht, da außer den Wachtürmen keine Defensivanlagen zur Verfügung stehen.
Im Kampf spielen die Fähigkeiten der Einheiten eine große Rolle. Ein einfacher Frontalangriff kann üble Folgen für die eigenen Mannen haben, wer jedoch seine Bogenschützen geschickt auf einem Hügel plaziert und damit ihre Reichweite erhöht und dann mit einer guten Mischung aus Angriffseinheiten vorgeht und dabei auch am besten eine erhöhte Position ausnutzt, hat klare Vorteile. Eine besondere Rolle kommt außerdem Helden wie Kenji zu, die zum einen besonders stark sind und zum anderen über Spezialfähigkeiten wie das Einschüchtern ihrer Gegner oder einen motivierenden Kampfschrei verfügen.
Leider artet der Kampf aber oft zu einem chaotischen Getümmel aus und die KI läßt auch einige Wünsche offen. So ließen sich gegnerische Einheiten von mir willenlos abschlachten als ich einige Schützen von einem Hügel in ein Tal feuern ließ, sie kamen nicht mal auf die Idee wegzurennen, geschweige denn auf den Hügel zu laufen und die Schützen zu attackieren. Auch Geishas sind schwer einzusetzen, zum einen müssen sie nahe genug an den anderen Einheiten dran sein um sie heilen zu könenn, zum anderen stürzen sie sich dann aber allzu oft selbst mit ins Getümmel, obwohl sie für den Nahkampf viel zu schwach sind.
UmsetzungTechnisch kann Battle Realms durchaus überzeugen. Die Grafik ist sehr gut gelungen und voller Details. Vögel flattern erschreckt auf wenn Soldaten vorbei marschieren, die Wildpferde stieben auseinander wenn ein Krieger vorbeikommt. Auch die Einheiten sind gut animiert und ihre Kampfeinlagen nett anzuschauen. Allerdings fehlt wie gesagt eine Zoom-Funktion um die Detailliebe vollends genießen zu können bzw. mehr Übersicht zu haben. Dafür glänze Battle Realms aber mit Wettereffekten und Nachtmissionen. Sound und Musik sind ok, erwähnenswert ist vor allem die gelungene Synchronisation.
Die kommt in den Zwischensequenzen der Kampagne zum Einsatz die in der Spielengine erzählt wird. Die Story ist dabei variabel, gleich zu Beginn hat man z.B. die Wahl einigen Bauern zu Hilfe zu eilen oder mitzuhelfen sie niederzumetzeln. Später kann man auch desöfteren wählen, welche Provinz man als nächstes angreifen will.
Die Stuerung ist durchdacht, so gibt es z.B. einen kleinen Button der erscheint, wenn ein Bauer untätig herumsitzt. Gefehlt hat mir allerdings eine Funktion mit der die Kamera sich beewegenden Einheiten folgt und außerdem geht das Nachproduzieren nicht so leicht von der Hand, weil man immer erst einen Bauer und dann ein Trainingsgebäude (und evtl. noch ein weiteres) auswählen und dazu immer zurück zum Dorf scrollen muß. Ein Manko das man für die Innovation in Kauf nehmen muß.
GeschmackssacheAuch wenn mir Battle Realms gut gefallen hat, mag ich doch nicht so recht in das Echo einiger Pressekollegen einstimmen, die Battle Realms sogar zum „Anwärter auf den Echtzeit-Thron“ erhoben. Denn dazu fehlt es dem Spiel an Tiefgang um einem Empire Earth in Sachen Abwechslung das Wasser zu reichen und dazu fehlen WIRKLICH unterschiedliche Clans, wie die Völker bei Starcraft.
Das Spiel ist nämlich sehr stark auf eine offensive Spielweise ausgelegt, Verteidigungsbauten gibt es außer dem Wachturm gar nicht und durch das Yin und Yang-Prinzip ist man gezwungen anzugreifen. Das wird jenen die bei Starcraft immer nur die Zerg gespielt haben, weil ihnen die anderen Völker zu defensiv waren, gefallen, wer aber die Protoss mochte und sich lieber verschanzt hat, bis er die Technologie hatte um die anderen zu überrennen, wird sich mit diesem Spiel wohl nicht so recht anfreunden können. Auch der Aufbaupart wird vielen zu kurz kommen , es gibt eben nur wenige Gebäude, von einer echten „Basis“ kann eigentlich nicht die Rede sein.
So kann ich Battle Realms vor allem denen uneingeschränkt empfehlen, denen es hauptsächlich um den taktischen Kampf geht, jenen die Myth und andere Echtzeit-Spiele ohne Basisbau mochten aber eben doch gern das eine oder andere Gebäude gebaut hätten. Alle anderen sollten mal probespielen, die variable Kampagne ist auf jeden Fall einen Blick wert und bietet anspruchsvolle Missionen.