Final Cut ist laut Hersteller das einzige und offizielle Hitchcock Game. Daher dürften die Erwartungen der Fans des Meisters der Spannung recht hoch sein. Aber kann Final Cut diese auch erfüllen?
ThrillerDie Story beginnt zunächst als klassische Detektivgeschichte. Privatdetektiv Joseph Shamley will gerade zu seinem wohlverdienten Angelurlaub fahren, als er sich von einer schweigsamen Blondine einen Auftrag annimmt. Auf dem Anwesen ihres Onkels, einem durchgeknallten Spediteur, der in dubiose Geschäfte verwickelt ist, verschwand über Nacht ein ganzes Filmteam. Aufgabe ist es nun herauszufinden, was mit der Crew geschehen ist.
Dabei kommt Joseph eine Gabe zu Gute, die er seit dem tödlichen Autounfall seiner Eltern hat. Er ist ein Medium. Je weiter man spielt, desto geheimnisvoller wird das Spiel, denn je mehr man herausfindet, desto tiefer werden die mysteriösen Hintergründe, die irgendwie mit Alfred Hitchcock verknüpft sind.
So findet man sich letztendlich in einem Thriller wieder, in dem man nicht mehr weiß, wer Freund und wer Feind ist. Nicht nur, dass alles was auf dem Anwesen geschieht, immer geheimnisvollere Züge annimmt, sondern dass auch der Tod von Josephs Eltern irgendwie damit zusammenhängt, erzeugen eine äußerst spannende Stimmung.
Düstere AtmosphäreNeben der Story sorgen vor allem Sound und Grafik für eine spannende Atmosphäre. Alles in allem wirkt das Spiel recht düster und das weitläufige, menschenleere Anwesen wirkt irgendwie beklemmend. Die vorberechneten Locations sind stilvoll in Szene gesetzt und wirken realistisch, wenn auch manchmal ein wenig zu steril. Die spärlich vorhandenen Figuren passen sehr gut in dieses Bild. Die Modelle sind sehr detailliert, allerdings lassen die Texturen hin und wieder zu wünschen übrig. Leider sind die Animationen etwas hölzern.
Der Sound lebt vor allem von der Musik. Diese könnte sogar aus Hitchcock Filmen entsprungen sein und sorgt an bestimmten Stellen für die richtige Stimmung. Ansonsten herrscht eigentlich eisige Stille, da das Anwesen weit außerhalb an der Küste liegt. Aber auch das Rauschen des Windes, oder die Geräusche von Flugzeugen, die irgendwo in der Ferne über den grauen Wolken fliegen, vermitteln ein seltsam bedrückendes Gefühl.
Such Joseph, such!Spielerisch gestaltet sich Final Cut sehr einfach. A la Alone in the Dark bewegt man sich durch die Lokations, die meistens aus mehreren Kamerapositionen bestehen, und durchsucht jede mögliche Ecke. Findet man etwas, wird ein Interaktionsicon angezeigt, und man probiert es aus. Dabei kann man Gegenstände aufnehmen, Sachen näher betrachten, usw. Hin und wieder muss man mal Gegenstände aus dem Inventar benutzen, das in Form von einem Palm-Computer dargestellt wird. Darüber kann man auch, Notizen abrufen, die Joseph wären seiner Ermittlungen macht, oder sich schneller an Bestimmte Orte teleportierten, oder eben die Spieloptionen aufrufen.
Die Rätsel sind fast alle sehr offensichtlich und es ist kein Kunststück, sie zu lösen. Oftmals sind dabei Kenntnisse von Hitchcocks Werken ganz nützlich. Einziges Problem ist die Tatsache, dass man oft Sachen übersieht, weil Joseph direkt mit der Nase davorstehen muss, damit er sie überhaupt bemerkt. Auch bei Detailbetrachtungen, wo man eine Lupe als Cursor zur Verfügung hat, die an interessanten Stellen ihr Aussehen ändert, muss man sehr genau suchen, um wirklich alles Wichtige zu finden.
Zusätzlich gibt es noch ein paar Arcade Parts, die aber gelinde gesagt schon fast albern sind. Dialoge gibt es nur wenige, da wie schon gesagt kaum andere Personen auf dem Anwesen herumlaufen. Immerhin sind sie fast lippensynchron, aber ich hatte das Gefühl, dass alle Personen von einem einzigen Sprecher gesprochen werden. Hin und wieder sind dabei auch Fehler aufgetreten, wie ganz aussetzender Ton, oder nicht ins deutsche übersetzte Texte, oder Stellen die viel zu schnell abgespielt wurden, so dass man nur noch Micky Maus Stimmen hörte.
Dann sind da noch die Zwischensequenzen, die zum Teil aus gerenderten Filmen und aus kurzen Ausschnitten aus Hitchcockfilmen bestehen. Sie werden immer abgespielt, wenn man etwas besonderes gefunden hat, oder wenn Joseph eine Vision von den Geschehnissen bekommt.
Das wahre Grauen...... sind jedoch die häufigen Abstürze des Programms. Nur wenn man ständig speichert, kann man dem vorbeugen. Hat man nun längere Zeit vergessen zu speichern und das Programm verabschiedet sich, dann muss man eine nervige Prozedur durchmachen. Damit ist aber nicht das neu Booten gemeint, was auch hin und wieder dabei ist, sondern Folgendes: Zunächst muss mit der Installations-CD gestartet werden, auf der nur die Introfilmchen drauf sind; nachdem man diese abgebrochen hat wird man aufgefordert, die Spiel-CD einzulegen; darauf hin muß man noch die ersten Szenen aus dem Spiel über sich ergehen lassen (inklusive einer Zwischensequenz), bis man dann endlich den letzten Spielstand laden kann.
Was bleibt nun zusammenfassend zum Spiel zu sagen? Relativ solide Präsentation, gute Story und Atmosphäre und wenig anspruchsvolle Aufgaben können Hitchcockfans vielleicht noch gefallen, aber für Adventure Spieler gibt es sicherlich weitaus Besseres.