Ein öder, roter Wüstenplanet am Rande der Galaxis ist der Schauplatz von Anarchy Online, dem Online Rollenspiel von Funcom. Auf diesem Planeten, Rubi-Ka genannt, wird Notum abgebaut, welches für die fortgeschrittene Nanotechnologie des Jahres 29475 benötigt wird. Der mächtige Konzern Omni-Tek betreibt den Abbau dieser Substanz bereits seit einigen tausend Jahren, und nur eine Handvoll Rebellen wehrt sich gegen die allgegenwärtige Kontrolle.
MMORPG = Rollenspiel mit anderen im InternetAls Spieler hat man die Wahl, ob man auf Seiten des Konzerns, als Rebell oder als neutraler Charakter am Spiel teilnimmt. Anarchy Online ist ein MMORPG, also ein Massive Multiplayer Online Role Playing Game. Zu deutsch: Ein Online-Rollenspiel, an dem sehr viele andere Mitspieler teilnehmen können. Auf dem Markt erfolgreich vertreten sind bereits Everquest, Ultima Online und Asherons Call, die aber alle im Fantasy-Genre spielen. Anarchy Online ist als Science Fiction angelegt und damit der erste Vertreter dieser Gattung.
Das Grundprinzip von MMORPGs ist den Spielcharakter durch das Erledigen von Aufträgen und Sammeln von Punkten immer weiter aufzuwerten, so dass man immer schwierigere Aufgaben erledigen kann. Zwar kann man diese Aufgaben auch alleine lösen, aber mehr Spaß macht das im Team, was das Spiel auch durch eine höhere Punktevergabe belohnt. Mitspieler findet man entweder auf den zahlreichen Fan- oder Clanseiten im Internet oder im Spiel selbst.
Während meines Tests dieses Spiels, werde ich in unregelmäßigen Abständen Tagebucheinträge veröffentlichen, die von meinen Erfahrungen mit diesem Spiel berichten.
1. Eintrag (02.12.2001): Willkommen in Rubi-KaDa ich nun schon zum vierten Mal einen Charakter erschaffe, mache ich mir nicht mehr so viele Gedanken darüber, wie beim ersten Mal. Körpergröße, -form und Gesicht sind schnell ausgesucht, obwohl man hier eine große Auswahl hat. Auch meine Berufswahl steht eigentlich schon vorher fest: der Engineer. Die Möglichkeit Roboter zu erschaffen und für sich arbeiten zu lassen ist einfach cool. Auch die Zugehörigkeit ist schnell gewählt: neutral. Der Großkonzern Omni-Tek hört sich genauso wenig verlockend an, wie die Gegenseite, der Clan. Also lande ich auf dem neutralen Trainingsplatz, dem Sammelpunkt für Neulinge. Hier gilt es erste Erfahrungen zu machen.
Auf die Verteilung der Erfahrungspunkte verschwende ich ebenfalls nur wenig Zeit. Ein Fehler, denn beim Herumlaufen greift mich eine Rollerrat an und macht mich kalt. Was muss ich mich auch von den Guards entfernen, die ansonsten jeden Spieler beschützen. 30 Sekunden später werde ich am Trainingsplatz wieder zum Leben erweckt und kann nach einer weiteren Minute mein Hab und Gut am Reclaim-Terminal abholen. Ich hatte leider verdrängt, dass der Einstieg in das Spiel etwas mühselig ist, da man zunächst einmal Erfahrungspunkte sammeln muss, um seinen Charakter ein paar Level höher zu hieven. Das nächste Mal werde ich mir ein Team aussuchen, in dem ich auf die Jagd gehe, da dann alle Teammitglieder die gesammelten Erfahrungspunkte gutgeschrieben bekommen.
2. Eintrag (12.12.2001) - Dunkel ist die NachtMist! 00:04 zeigt die Uhr, es ist stockdunkel. Lediglich im Bereich des Trainingsplatzes erhellen einige Lampen die Umgebung. Hatte ich da nicht letztes Mal ein Nachtsichtgerät im Shop gesehen. Mal sehen, was das kostet. Oh. Scheint gerade ausverkauft zu sein. Aber der Floating Torch (eine Art über einem schwebende Lampe) täte es auch. Kostet leider über 500 Schleifen (wie heißt die Währung auf Rubi-Ka doch gleich?). Außerdem benötigt man Stufe 36 in der Eigenschaft "Electrical Engineer". Ich hab gerade mal 12. Das kann ja noch dauern.
Da mir das Warten zu langweilig ist, laufe ich in der näheren Umgebung herum. Da ist ja noch der Tunnel. Vielleicht ist die Beleuchtung auf der anderen Seite ja besser. Aber es ist so dunkel, dass ich noch nicht einmal mitbekomme, wie ich aus dem Tunnel heraus komme. Ich schaue mich um. In einiger Entfernung steht ein beleuchteter Schuppen. Dort angekommen versuche ich den Tunnel wieder ausfindig zu machen, doch da besteht keine Chance. Ich muss also auf jeden Fall warten, bis es wieder hell wird.
Ein anderer Spieler gesellt sich zu mir und fragt mich, ob ich seinem Team beitreten will. Das wäre ja die ideale Möglichkeit, ein paar Erfahrungspunkte zu sammeln. Nach einiger Sucherei finde ich dann auch den Knopf, mit dem ich seinem Team beitreten kann. Leider ist mein Aktionsradius mangels Licht nach wie vor auf die Umgebung der Hütte beschränkt. Doch ab und zu verirrt sich eine Rollerrat, ein Helper-Robot oder ein Biofreak in den Lichtkegel, den wir dann mit gemeinsamen Kräften angreifen. Das Ganze geht solange gut, bis meine neuen Kumpels ins Dunkel laufen, und ich nicht mehr hinterher komme. Dann kommt die erste Rollerrat vorbei, die ich mit Mühe und Not noch abwehren kann. Ich muss mich jetzt erst mal setzen, denn dann heilt mein Charakter schneller. Doch schon bald kommt die zweite Rollerrat und macht mir mal wieder den Garaus. Scheiß Ratten! T'schuldigung.
3. Eintrag (08.01.2002) - Kollektive Monsterjagd
Mittlerweile gibt es das Nachtsichtgerät wieder im Shop. Kostet auch nur die Hälfte dessen, was ich für den Floating Torch ausgeben muss. Aber auch soviel Geld habe ich noch nicht. Außerdem habe ich herausgefunden, dass sich meinen neuen Monitor einfach nur zu dunkel eingestellt hatte. Kann ja mal passieren... ;-)
Zum Glück ist es Tag und ich bekomme auch direkt ein Angebot für ein Team. Dann kann die Jagd ja losgehen. Zunächst machen wir ein paar Rollerrats, Helper-Robots und Biofreaks platt. Das geht recht problemlos und alle Teammitglieder profitieren von den Erfahrungspunkten. Schnell erreiche ich Level 3. Mein Charakter macht vor Freude einen Salto rückwärts. Überhaupt beherrscht der Charakter eine ganze Reihe von Bewegungen, wie Winken, Schauen oder Tanzen. Diese lassen sich allerdings nur über spezielle Chat-Kommandos aufrufen. Glücklicherweise lassen sich aber auch Makros erstellen und auf Icons in der Quickaction-Bar (oben links im Bild) legen.
Weiter mit der Jagd: Wir schießen fleißg weiter auf alles, was wir finden und bewegen uns langsam in eine Ecke der Karte, die gefährlich erscheint. Ein Teammitglied warnt uns auch, dass die Tiere dort sehr aggressiv und stark sind. Zum Glück haben wir aber eine Krankenschwester dabei, die verwundete Teammitglieder schnell wieder heilt. Doch nach einiger Zeit ist sie im Dauerstress und unsere Lebenspunkte sinken langsam aber stetig, da immer wieder neue Tiere angreifen, bevor wir wieder fit sind. Wir beschließen den taktischen Rückzug. Ich habe mittlerweile Level 5 erreicht und auch schon genug Geld für das Nachtsichtgerät zusammen. Vielleicht sollte ich mir das doch kaufen?! Als dann noch ein Mitspieler mit der Krankenschwester herumzuflirten beginnt, verabschiede ich mich lieber. Da will ich nicht stören... ;-)
4. Eintrag (24.01.2002) - Peter in der großen StadtHeute geht es in die Stadt. Am Eingang bin ich schon ein paar mal vorbeigelaufen, habe ihn aber immer übersehen. Hätten die ja auch mal was dranschreiben können. In der Stadt finde ich dann auch endlich das Mission Terminal, dass ich bereits aus dem Betatest kannte und im Trainingsbereich nirgends finden konnte. Also direkt hin und die erste Mission gezogen. Kostet fünf Credits?! Das ist neu! Früher waren Missionen kostenlos. Egal. Her damit.
Ich soll eine bestimmte Person aufspüren. Der Missionkey wandert in mein Inventar und über die rechte Maustaste kann ich die Mission auf die Karte laden, so dass ich überhaupt weiss, wo ich hin muss. Die Karte führt mich zum Eingang der U-Bahn. Sehr stimmungsvoll. Beim Eintritt lädt das Spiel nach und ich befinde mich in meinem ganz persönlichen Dungeon.
Optisch ist der ganz nett gemacht, aber im Endeffekt steckt da nur ein einfaches Labyrinth aus quadratischen Räumen hinter. In den herumstehenden Kisten finde ich allerlei praktische Gerätschaften, wie Waffen und Munition. Zwei Kisten sind durch Fallen gesichert und ich nehme etwas Schaden (muss doch mal nachschauen, ob es auch eine Charaktereigenschaft "Fallen erkennen" gibt). Nach ein paar Minuten finde ich die Zielperson und bekomme Erfahrungspunkte und Credits gutgeschrieben. Deutlich mehr, als ich für das Erlegen von Monstern bekomme. Ich durchstreife noch die restlichen Räume und finde leider einen Widersacher, der mir letztendlich den Garaus macht. Während ich am Reclaim-Terminal auf meine Sachen warte, überlege ich, ob ich die nächste Mission nicht lieber mit ein paar Mitstreitern zusammen absolviere...
Eindruck und TestOptisch ist Anarchy Online mittlerweile sehr ansprechend geworden. Auch die Bedienung lässt eigentlich keine Wünsche offen, wenn man die Grundbegriffe kennt (Shift-Linksklick für Info, rechte Maustaste für eine Art Kontextmenü). Ein weitere Pluspunkt des Spiels ist das Science Fiction Szenario, dass meines Wissens (noch) einmalig unter den Online Rollenspielen ist.
Die Geschichte des Planeten Rubi-Ka ist zunächst auf vier Jahre angelegt und wird über Nachrichten und gerenderte Videos weiter erzählt. Im Spiel selber habe ich davon zwar noch nicht viel gesehen, aber ich habe mich ja auch für die Neutralen entschieden. Hätte ich mich Omni-Tek oder dem Clan angeschlossen, hätte ich davon wahrscheinlich schon mehr mitbekommen.
Anarchy Online bietet viele Möglichkeiten. Die einfachste ist da noch die Wahl, welchem Lager man angehören will: Omni-Tek, Clan oder Neutral. Bereits zu Spielbeginn kann man Erfahrungspunkte auf mehrere Dutzend Skills verteilen. Hier sollte man vorher mal das deutschsprachige Manual zu Rate ziehen, wenn man mit der englischen Ingame-Hilfe nicht weiter kommt. Auf das Benutzen von Gegenständen oder Waffen wirken sich meist mehrere Skills auf einmal aus. Dies ist beim Gegenstand aber immer angegeben.
Aufträge erhält man in Anarchy Online anonym bei sogenannten Mission Terminals. Einfach den Kasten anklicken, Schwierigkeitsgrad, Art des Auftrags und Verteilung Erfahrungspunkte/Geld einstellen und einen Missionkey ziehen. Mittels eines Missionkey-Duplicators lässt sich dieser Vervielfachen und an Gruppenmitglieder weitergeben, so dass man nicht alleine in die Dungeons muss. Wer schon etwas weiter fortgeschritten ist, kann auch selbst Missionen erzeugen (und dafür einen Teil seiner Erfahrungspunkte und seines Geldes spendieren) und diese anderen Spielern anbieten. Eine gute Gelegenheit für Rollenspielleiter die Mission mit einer netten Story auszuschmücken.
FazitOnline Rollenspiele sind im Trend. Das bedeutet aber auch, dass viele Leute diese Spiele zum ersten Mal spielen werden. Gerade für Genre-Einsteiger scheint mir Anarchy Online jedoch zu anspruchsvoll: Da man alleine nur schwer weiter kommt (selbst leichte Monster sind ein grosses Problem und die Selbstheilung dauert recht lange) wird man "gezwungen" sich mit anderen zusammen zu tun. Das ist zwar eigentlich auch Sinn und Zweck eines MMORPG, aber man hat kaum eine Chance alleine mal ein wenig herumzuprobieren.
Da das Spiel international angelegt ist und keine eigenen deutschen Server anbietet, muss man schon des englischen mächtig sein, wenn man mitmischen will. Immerhin gibt es einige deutsche Fanseiten. Eine sehr umfangreiche und aktuelle ist
rubika.de, auf der man unter anderem auch ein Forum und Verweise auf die Seiten der (deutschen) Clans findet.
Wer schon immer auf ein Science Fiction Rollenspiel gewartet hat, Willens ist sich mit dem umfangreichen Skillsystem auseinander zu setzen und Spass hat mit mehreren zusammen durch eine Onlinewelt zu streifen, findet in Anarchy Online ein optisch ansprechendes MMORPG mit durchdachter Bedienung und umfangreicher Hintergrundstory.