Blut und SpitzenhäubchenWerbung ist doch was Schönes. Völlig unbeeinflusst vom Wahrheitsgehalt oder Realitätssinn werden Produkte nicht etwa ob ihrer Güte und Nützlichkeit beworben. Es reicht im Grunde völlig aus, eine potentielle Käufergruppe zu definieren und deren Wünsche anzusprechen - Fantasy pur. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Klappentext von Blood & Lace besonders interessant, in dem beschrieben wird wie Barbara, die Heldin des Spiels in Nöte gerät: „Der dunkle Marquis nimmt sie gefangen um mit Ihrem jungen Körper seine abartigen Experimente durchzuführen“. Hey - das ist doch mal eine eindeutige Botschaft an die Libido spätpubertärer PC-Würstchen, die natürlich durch Barbaras offenherziges Dekolletee auf der Vorderseite bereits arg ins schlingern gekommen sind.
Sehr beeindruckend an dieser Marketingstrategie ist, dass dieses angebliche Grusel Barock Adventure von Anfang an sehr deutlich macht: Mädels, dieses billige und sexistische B-Spielchen ist nun wirklich nichts für Euch, also Hände weg. Da nun auch nicht alle männlichen Wesen hormongesteuert zugreifen, wenn auf einer Pappschachtel sinnliche Freuden signalisiert werden, bleiben im Grunde nur die geistig Armen und unverbesserlich optimistischen Spieler übrig, die mal auf ein wirklich gut gemachtes erotisches Spiel hoffen. Wie meine etwas lange Einleitung vermuten lässt, werden sie auch diesmal enttäuscht und das nicht zu knapp.
Sex & Crime und alter AdelDer Background der kruden Story ist schnell erzählt. Ende des 18.Jahrhunderts trabt die abenteuerliche Gräfin Barbara, Nichte des Grafen Cagliostros (kicher), durch die adlige Weltgeschichte, immer auf der Suche nach dem sagenhaften Buch „Picatrix“. Dies Buch birgt nichts weniger als das Geheimnis der Weltherrschaft, so dass sich auch die illustre Gesellschaft der Vampire für den Schinken interessiert. Die Geschichte beginnt im nächtlichen, trostlosen Schlossgarten des Hofes von Marie Antoinette, der deutlich macht, dass auch die reichen Säcke dieser Epoche nicht immer auf Rosen gebettet waren. Ziemlich unschön und kantig die ganze Staffage, Barbara hoppelt die enge Treppe zum kaum erkennbaren Eingang hinauf und gelangt schließlich in den Empfangssaal der königlichen Dame. Und wenn uns die fehlende Maussteuerung nicht schon alarmiert hätte, so bringen uns nun die überaus peinliche Dialogregie und die furchtbar laienhaften Sprecher zur bitteren Erkenntnis: Shit, ich glaube ich bin im falschen Film - und in einem verdammt schlechten dazu. Ist ja eigentlich ganz löblich, Gespräche nicht nur zu lesen sondern auch zu hören, das schafft Atmosphäre. Hier erweist sich das gesprochene Wort aber als absoluter Stimmungskiller. Absolut hanebüchenes, gestelztes Gesülze miserabel betont und uninspiriert heruntergeleiert, einfach nur schlecht. Mag sein, dass ich mittlerweile durch positive Beispiele verwöhnt bin, aber auch ein Spiel das nur 29 Euro kostet, muss sich an gewissen Standards messen lassen.
Gräfin Barbara in der SackgasseWie auch immer, Barbara verlässt das wenig berauschende Fest und steigt wieder herab in den Garten. Dort verbringt sie dann den Rest ihres ach so jungen Lebens in dem Bemühen eben diesen Garten zu verlassen bzw. die Treppe wieder zu erklimmen. Beides ist schlichtweg unmöglich, so dass nur beherztes Neuladen hilft. Übrigens ein Glücksfall, denn es gibt so einige Passagen bei Blood & Lace bei denen es unmöglich ist das Spiel zu verlassen, hier hilft dann wirklich nur der Griff zum Resetschalter, unglaublich. Obiges Dilemma lässt sich nur umgehen, wenn wirklich alle Dialoge im Schlosssaal abgekaspert werden, eine Zwischensequenz abgespult wird und Barbara im Garten in einen Fechtkampf verwickelt wird. Auch hier gilt wieder, entweder gewinnt Barbara den Kampf oder Neustart des Computers- stümperhaft das Ganze.
Und so geht’s lustig weiter - Barbara reist durch die Weltgeschichte, wird endlich wie versprochen gefoltert, wobei ihr der Mund gestopft und die Bluse zerrissen wird, ganz heiße Nummer. Zwischendurch hirnzersetzende bis unlösbare Rätsel, wer sich so etwas ausdenkt hat sich den Platz auf der Streckbank redlich verdient. Apropos Interaktivität: Barbaras Umgebung besteht zu 95% aus Gegenständen die sie nicht kennt, nicht öffnen kann oder will, die sie nicht braucht oder erst noch herausfinden muss wie sie funktionieren, was von ihr jedes Mal freudig kommentiert wird. Spätestens nach der Durchsuchung ihres Schlafzimmers stellt man die Sprachausgabe einfach ab, das ist sehr erleichternd.
In den meisten Szenerien stehen immerhin drei Kameraperspektiven zur Verfügung, wobei die Egoperspektive gerade beim Checken der Umgebung nur bedingt nützlich ist. Richten wir nämlich den Blick nach unten, fällt unser Blick unweigerlich auf Barbaras großklotzigen Busen, der uns den Blick versperrt. Jetzt kann ich nachvollziehen welch trauriges Leben Dolly Buster führen muss, niemals die eigenen Füße sehen zu können, schluchz...
Die Navigation ist in allen drei Perspektiven ein wenig mühsam und betulich, ständig eckt man irgendwo an und wenn es mal was zu manipulieren oder aufzunehmen gibt, ist die Abfrage recht pingelig. Die gleichen Probleme beim Fechtkampf und anderen „Actioneinlagen“, blödes Tastengeklicke ohne Sinn und Verstand. Grafisch werden auch keine Bäume ausgerissen, wenig Details und auch in hohen Auflösungen bleibt es kantig und etwas schwammig. Offensichtlich haben sich die Programmierer besondere Mühe gegeben die Oberweite und den Hintern der Gräfin beim Laufen und Treppensteigen in Szene zu setzen, tollo, die restlichen Animationen waren dann nicht mehr so wichtig. So mir reichts jetzt, selten habe ich mich über ein Spiel so geärgert und wer diesen Unsinn tatsächlich käuflich erwirbt und damit seine Zeit totschlägt hat es nicht besser verdient.