Sie mögen Spielanleitungen, die dicker sind als so mancher Roman? Sie finden, dass ein Spiel gar nicht genug Tutorials haben darf? Neun Stück vielleicht? Sie brauchen keine protzige Grafik und sie sind ein absoluter Hardcore-Stratege? Gut, dann lesen sie weiter! Sollte das alles nicht auf sie zutreffen, dann können sie getrost weiterklicken.
1419-1820Europa Universalis führt sie durch 400 Jahre europäischer Geschichte. Vom Spätmittelalter über das Zeitalter der Entdeckungen, die religiösen Wirren der Reformation, das paradoxe Zeitalter der Aufklärung bis zum Aufstieg und Fall Napoleons. Genau wie die historischen Vorbilder können sie die ganze Welt entdecken, erobern und für alle Zeiten ändern. Hierfür übernimmt man die Herrschaft über eines der unzähligen Länder wie zum Beispiel Preußen, Frankreich, Russland und Spanien, um dann die über 800 Provinzen einzunehmen.
Was sich alles so einfach anhört, wird in Europa Universalis 2 zur Schwerstarbeit. Eine unübersichtliche Grafik und eine mehr als umständliche Steuerung machen zumindest die ersten Spielstunden zur echten Qual. Danach allerdings entfaltet sich ein Spiel, das sich mit einer verblüffenden Spieltiefe nicht vor anderen Strategiespielen verstecken muss.
Die GrafikBei Europa Universalis kann eigentlich nicht von Grafik die Rede sein. Die Weltkarte gleicht dem Spielfeld eines Brettspiels à la „Risiko“ und die farbliche Gestaltung ist sehr gewöhnungsbedürftig und lässt eigentlich nur schwer erahnen, dass es sich hierbei um ein Echtzeit-Strategiespiel handelt. Die Karte lässt sich in drei Stufen zoomen, was sicherlich dem Überblick zu gute kommt. Ganz im Gegensatz zu den ständig aufpoppenden Untermenüs, die sich immer dann über den Bildschirm ergießen, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann.
Alle Figuren kann man relativ gut erkennen und voneinander unterscheiden, die grafischen Symbole die man auf der Spielfläche finden kann, sind größtenteils selbsterklärend. Besonders ärgerlich: Wenn man eine höhere Bildschrimauflösung wählt, erhält man zwar einen besseren Überblick der Weltkarte, allerdings werden sämtliche Menüs, Figuren und Schriften nicht angeglichen und sind somit unleserlich.
Die Steuerung……ist so fuzelig, dass man aufpassen muss, dass man keinen Knoten ins Mauskabel macht. Im links angeordneten Menü, kann man Truppen ausheben, mit anderen Ländern handeln, oder Verbündete suchen – vorausgesetzt man schafft es fehlerfrei durch die verschiedenen Unterpunkte zu navigieren. Und auch das bewegen von Einheiten will geübt sein; ist das allerdings der Fall, wandern ihre Armeen und Flotten per Rechtsklick in Quasi-Echtzeit über die Landkarte. Gesteuert wird, neben einigen Hotkeys, ausschließlich mit der Maus.
Das GameplayHier trumpft Europa Universalis auf und schafft es auf eigene Weise eine Atmosphäre zu schaffen, die einen erfolgreich in die Rolle eines Adligen schlüpfen lässt. Schließt man mit Dänemark ein Bündnis um einen Puffer nach Skandinavien zu haben? Oder vereinbart man mit Holland eine Staatshochzeit und überquert mit der Staatsflotte die Nordsee um England die Seeherrschaft streitig zu machen? Und soll man Wales lieber belagern, oder sofort stürmen und hohe Verluste riskieren? Werden die Franzosen unseren Diplomaten freundlich empfangen und auf unser Angebot eingehen?
Solche und tausend andere Entscheidungen müssen sie ständig treffen und jeder Fehler macht sich sofort bemerkbar. Insgesamt gibt es acht Kampagnen und drei verschiedene Spielmodi, außerdem lassen sich die Computergegner durch bis zu acht Mitspieler austauschen, was allerdings nichts am Spielmodus ändert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Europa Universalis 2 trotz schlechter Steuerung und Grafik ein gutes Strategiespiel ist, allerdings nur für hartgesottene Strategen, die den Vorgänger oder Titel wie Imperialismus mochten, Genre-Neulinge sollten um dieses Spiel einen großen Bogen machen.