Das Spiel ist kein Spiel
In TNS wird man als erstes mit der harten Wahrheit konfrontiert: Dies ist
kein Spiel. Ein Polizist (Kyle) aus einem Paralleluniversum hat durch ein
Tor Kontakt mit unserer Welt aufgenommen. Man selbst kann jetzt seinen
Körper in der anderen Welt übernehmen und ihm aus seinen Schwierigkeiten
heraushelfen. Natürlich, als hilfsbereiter Mensch, kann ich ihm diesen
Wunsch kaum abschlagen. Also, ein kleiner Dimensionswechsel und schon lande
ich in seinem Körper und seiner Welt.
Kaum angekommen werde ich auch schon von einem Dämon überfallen.
Glücklicherweise kommt ein Polizeiroboter dazwischen und verjagt den
Unhold. Danach werde ich von der Blechkiste informiert: "Sie wurden Opfer
eines Gewaltverbrechens. Bitte gehen Sie nach Hause und ruhen sich aus
... Falls Sie Probleme bekommen ... konsultieren Sie einen Psychiater."
Ah, nette Gegend hier. Also gehe ich erst mal in mein Appartement und
sehe mich etwas um. Dann treffe ich Kyles Frau, leider kann ich sie nicht
dazu überreden, eine längere Nummer zu schieben. Doch immerhin
gibt sie mir einige Informationen, z.B. mein Polizei-Partner ist verschwunden.
Also ab zum Revier ... Da fahre ich dann mit einem der schwebenden Autos
hin (kennt noch einer Blade Runner?). Toll, das kann ich selber steuern
oder werde gefahren. Selber das Ruder in die Hand zu nehmen ist ungefähr
so spannend wie eine doppelte Dosis von 'Unsere kleine Farm'. Man kann
nichts verkehrt machen, also fahre ich nur dann selber, wenn ich die genaue
Zieladresse nicht kenne.
Bei meinen Ermittlungen werde ich in eine wirre Geschichte reingezogen.
Da gibt es also diese Dämonen, die sich von Seelen aus unserer Dimension
ernähren, ich komme mir vor wie die nächste Mahlzeit. Und dann
gibt es auch solche, die den Seelenfressern auf den Fersen sind, denen
schließe ich mich Wohl oder Übel an. Wenigstens bekomme ich
dann auch ein paar Tipps und bin nicht mehr ganz auf mich alleine gestellt.
Speichern, wenn es kein Spiel ist?
Auch zu diesem Thema fällt dem Handbuch eine an den Haaren herbeigezogene
Erklärung ein, die ich hier mal nicht zitiere. Allerdings ergibt sich
beim Speichern ein Problem: Der Spielstand kann nur an vorgegebenen Punkten
gesichert werden. Und dafür muß man auch noch mit einem magischen
Ring bezahlen. Diese Ringe können beim Herumlaufen in der anderen
Welt gefunden werden. Einen echten Engpaß habe ich nicht erlebt.
Dennoch ergeben sich die üblichen Probleme mit dieser Speicherart:
Mach sinnloses Zeug x-mal - einfach nur überflüssig! Dieser Druck
wird dadurch etwas relativiert, daß man nicht richtig sterben kann.
Erwischt es einen, geht man einfach in den Körper der Person über,
die einen als erste nach dem Ableben berührt. Dadurch muß nicht
ganz so oft gespeichert werden.
Sinnlos, sinnloser, Omikron
Was beim Speichern schon nervt ist auch sonst fester Bestandteil des Spiels.
Denn zwischen dem Lösen von Rätseln tauchen immer wieder mal
Action-Sequenzen auf. Dann kann man sich in Zweikämpfen a la Tekken
beweisen oder durchstreift ein Gebäude in Ego-Shooter Manier. Abgesehen
davon, daß diese Spielelemente nicht besonders gut gelungen sind,
erfordern sie auch Training. Der Körper (oder doch man selber) kann
in endlosen Trainingssimulationen in Topform gebracht werden. So steigern
sich die Werte für den Zweikampf und auch die Waffenerfahrung. Da
ohne Training nicht viel geht, müssen einige Stunden in den Simulatoren
totgeschlagen werden. Für meinen Geschmack ist das etwas langweilig!
Die Alternative, sich nur in echten Kämpfen fortzuentwickeln, ist
allerdings auch nicht besser. Denn dann sind die Chancen eher gering.
Rätsel
- geben mir langsam die Entwickler von Action-Adventuren auf. Sind alle
Computerspieler dumm geworden? Oder hat einfach niemand mehr die Zeit,
Rätsel im Spiel zu lösen? Jedenfalls ist hier wieder einmal keine
besondere Kombinationsgabe nötig, um weiter zu kommen. Meistens ist
offensichtlich, welche Gegenstände wie kombiniert werden müssen
- schade. Und dann bietet TNS auch noch die Möglichkeit, über
unterschiedliche Wege weiter zu kommen - echte Hänger sind daher ausgeschlossen.
Naja, bleibt immer noch die Hoffnung auf Indy5!
Licht und Schatten
TNS ist technisch durchaus solide konstruiert. Gute Grafiken, saubere Animationen.
Soviel Effekte wie bei Nocturne darf man hier allerdings nicht erwarten.
Keine Lichtmodelle o.ä. Zusätzlich gibt es noch die üblichen
Fehler, die schon langsam zum Standard zählen: Arm in Wand, durch
die geschlossene Tür gucken, 2D-Effekte ...
Wenn die Entwickler das schon nicht weg bekommen, sollten sie wenigstens
versuchen, die Häufigkeit des Auftretens der Fehler zu minimieren.
Bei TNS treten sie allerdings alle Nase lang auf, vor allem Körperteil
in Tür. Vielleicht ist einfach nicht genug Rechenzeit übrig geblieben,
denn auf meinem Rechner ruckelt das Spiel schon etwas. Bei der minimalen
Installation wird das Ruckeln zu einem Feature des Spiels, ständig
wird von der CD geladen. Die mittlere Installationsgröße erscheint
mir daher schon Pflicht zu sein.
Beim Sound hat man aber richtig zugeschlagen. Der Soundtrack ist von
und mit David Bowie. Man mag darüber denken wie man will, die Songs
passen zur Atmosphäre. Ansonsten sind die Soundeffekte eher Standardkost,
mit einer überzeugenden Synchronisation.