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Test: Aliens vs. Predator


 
Hersteller:  Fox Interactive / Electronic Arts
Genre: 3D-Shooter
getestet von: Christian Tauwel
Test vom: 04.07.1999

Wieder einmal muß ein 3D-Shooter ins Testlabor, diesmal AvP. Wenn man sich etwas mit PC-Spielen beschäftigt, dann sollte einen der Titel schon vor diesem Test bzw. vor der Veröffentlichung etwas gesagt haben. Noch mehr als bei anderen Spielen dieser Art ist die Vorfreude der Killer-Gemeinde zu spüren gewesen, was nicht ganz unberechtigt ist ...
Worum geht's? Im Spiel kann man sich aus 3 Charakteren einen auswählen, in den man schlüpft und dann nach bewährter Manier alles ins Nirwana schickt, was die Level hergeben. Soweit nichts Neues, aber die Charaktere haben es, wie der Titel schon sagt, in sich. Zur Auswahl stehen der Predator, das Alien und ein Marine. Für den ganz unerfahrenen Leser die Übersetzung, die sich aus den zugehörigen Filmen ergibt:Der arme Tor ahnt nichts...
Der Predator ist ein Außerirdischer, der andere Spezies jagt, wie Menschen Tiere jagen.
Das Alien ist ebenfalls außerirdisch, erinnert an ein Insekt, hat Säure als Blut und nutzt Körper anderer Spezies als Nahrung und als Brutstätte.
Der Marine ist ein Mensch. Seine Ausrüstung im Spiel geht auf die Alien- und Predator-Filme zurück.
Die Umsetzung der Eigenschaften jedes Kriegers ist außergewöhnlich gut gelungen. Der Predator kann sich tarnen und wird dadurch fast unsichtbar für menschliche Gegner. Vorsichtiges Anschleichen und Nahkampf ist für ihn bei Menschen relativ leicht. Doch auch die Fernwaffen des Predators sind äußerst realistisch adaptiert worden. Besonders erwähnenswert ist seine Schulter-Plasmakanone. Diese Waffe ist mit dem Helm des Predators gekoppelt. Der Helm bietet unterschiedliche Sichtmodi, die spezifische Gegner hervorheben, also einen für Menschen, einen für Aliens ... Wenn in einem Modus ein Gegner ins Sichtfeld kommt, zielt die Schulterkanone automatisch darauf. Natürlich ist es Pech, wenn man einen Alien im Menschenmodus begegnet, man sieht es äußerst schlecht und kann mit der Plasmakanone nur sehr begrenzt darauf schießen. Bis man umgeschaltet hat, ist man auch schon zum Hauptgericht geworden. Weiterhin verfügt der Predator über mechanische Waffen. Eine sehr effektive Harpune und eine Disc, die wie ein Bumerang funktioniert. Mit der Harpune kann man schon mal den Kopf des Gegners abtrennen und ihn gegen eine Wand nageln. In der Regel ist der Predator relativ komplett ausgestattet und findet in den Levels lediglich Energie, die er für seine Waffen benötigt.
Die körperlich schwächste Spezies ist in diesem Spiel der Mensch. Damit er überhaupt gegen die Außerirdischen bestehen kann, muß er sich mit diversen Utensilien ausrüsten. Neben Panzerung und Nachtsichtgerät zählt dazu insbesondere der Motion-Tracker, den die Fans aus dem zweiten Alien Film kennen. Dieses Gerät zeigt alle Bewegungen vor einem an. Das ist bei getarnten Predators oder den sehr schnellen Aliens die einzige Möglichkeit, sich auf den anrückenden Feind vorzubereiten.
Natürlich muß die Schwäche des Menschen auch im Kampf ausgeglichen werden. Dazu stehen dem Marine eine ganze Reihe von Waffen zur Verfügung, die er innerhalb eines Levels finden kann: Gewehre, Granatwerfer, Raketenwerfer, etc. Der Marine kann auch Minen legen und so Fallen aufbauen oder seinen Rücken decken. Die aus Filmen bekannten Waffen sind auch hier ausgezeichnet übernommen worden.
Das Alien ist der primitivste Charakter. Ihm stehen keine Waffen zur Verfügung. Sein Körper muß seine Waffe sein. Es ist äußerst schnell und kann sich auch an den Wänden und der Decke bewegen. Durch seine schwarze Haut ist es in dunklen Ecken gut getarnt. Eine Standard-Strategie für das Alien ist, auf den Gegner zu warten und ihn von hinten zu erlegen, üblicherweise durch einen Biß oder Schlag mit dem Schwanz. Eine andere Taktik ist den Gegner schnell anzugreifen, bevor er reagieren kann. Das wichtigste ist dabei, den 'weiten Sprung' zu beherrschen, der dem Opfer keine Zeit läßt. Wird das Alien im Nahkampf verwundet, richtet sein Säureblut weitere Schäden beim Gegner an. Das Alien regeneriert sich durch den Verzehr toter Gegner ... Es sieht selbstverständlich durch Panorama-Augen und dieser Effekt ist spitze umgesetzt. Was bei Dungeon-Keeper 1 noch mehr Alibi als Simulation war, setzt AvP Maßstäbe für diesen Sichtmodus.Ein Kamerad wehrt sich verzweifelt.
Auf die beschriebenen Eigenschaften jedes Charakters muß man sich einstellen. Nur wenn die Kampf-Strategie zur ausgewählten Figur paßt, kann man Erfolg haben. Und das macht den Reiz des Spiels aus. Nie zuvor hat man sich wie ein Alien gefühlt, wie ein Predator gejagt oder wie ein Space-Marine verteidigt. In diesem Spiel ist das alles drin. Das wird auch vom Leveldesign unterstützt. Die Level bieten eine ganze Reihe Filmhistorie. Ob nun die Bleischmelzanlage aus Alien3 oder die Kolonie aus Alien2, alles ist drin. Wer die Filme kennt, wird einen hohen Autentizitätsgrad erkennen. Die Level sind für jede Spezies spezifisch und können in drei Schwierigkeitsgraden gespielt werden. Wie immer autorisiert das Beenden eines Levels in einem bestimmten Schwierigkeitgrad den Zugangs zum nächsten Level im selben Schwierigkeitsgrad. Dabei bilden die Level teilweise eine Geschichte und bauen aufeinander auf.
Und damit kommen wir zum einzigen Wehrmutstropfen des Spiels. Im Gegensatz zu anderen 3D-Shootern kann man nicht selber eine Spielstand speichern und laden. Nur wenn ein Level beendet wird, speichert das Spiel automatisch. In der Regel sind die Level relativ klein, so daß nochmaliges Durchspielen relativ schnell geht. Doch wenn man zum fünften mal an der gleichen Stelle kurz vor Levelende drauf geht, prüft das Wiederholen des gesamten Levels die Frustrationstoleanz des Spielers. Richtig Freude kommt im Multiplayer-Modus auf, wenn man mit unterschiedlichen Figuren, also auch Taktiken, gegeneinander antritt. Besonders, wenn die Spieler sich richtig mit dem gewählten Charakter identifizieren und sich tolle Strategien überlegt haben, macht das Gefecht mit Freunden echten Spaß.
Die Grafik bietet technisch gesehen nichts überwältigendes und ist von der Engine vielleicht mit Requiem zu vergleichen. Allerdings sind mir bei AvP keine kleineren Fehler, z.B. schwebende Leichen o.ä. aufgefallen. A propos Leichen, die verschwinden bei AvP nach einigen Sekunden, als Purist finde ich das etwas unschön. Auch die Aliens sehen aufgrund ihrer Geschwindigkeit nicht unbedingt optimal aus und das spritzende Blut der Gegner erinnert teilweise eher an einen Comic als an realistisches Abbluten eines toten Opfers. Doch AvP holt diese Nachteile durch den guten Einsatz der Engine wieder raus. Wie schon oben beschrieben bieten die unterschiedlichen Sichtmodi sowie die Alien-Sicht ein unbeschreibliches Realitätsgefühl. Die Gegner sind i.a. recht gut animiert und, wie alles andere im Spiel, hervorragend aus den Filmen adaptiert.
Das trifft auch auf den Sound zu, der deutlich an die Filme erinnert. Leider fällt er an einigen Stellen etwas zu dünn aus, man wünscht sich manchmal etwas mehr düstere Musik. Die Geräusche der Waffen und Figuren sind allerdings hervorragend.
Die Steuerung ist eingängig. Leider sind einige Funktionen mit Tasten belegt, die auf der deutschen Tastatur nicht direkt angesprochen werden können, z.B. '['. Das Spiel interpretiert die Kombination dann als <alt> <8> und nicht als '['. Etwas Umkonfiguration ist also nötig, bevor man so richtig loslegt. Wenn man sich nicht anpassen will, ist das in jedem Fall nötig, wer drückt schon <strg>, um sich zu ducken? Zum Glück ist alles konfigurierbar, und das auch noch für jeden Charakter einzeln! Wenn man sich die Mühe gemacht hat, alles anzupassen, kann's dann so richtig losgehen. Noch ein Wort zur Steuerung des Alien. Hier haben sich die Entwickler eine hervorragende Variante zum Laufen an allen Wänden einfallen lassen. Ob man sich nun auf dem Boden, an einer Wand oder an der Decke bewegt, macht kaum einen Unterschied. Auch der Wechsel zwischen diesen Oberflächen stört das Alien wenig, den Spieler auch nicht. Diese Umsetzung ist wirklich einzigartig!

Eine kurze Bemerkung zu den Systemanforderungen: Wer die unten angegebenen Anforderungen nur knapp erfüllt, sollte sich den Kauf nochmal überlegen. Das Spiel frisst an einigen Stellen relativ viel CPU-Zeit. Diese Stellen sind allerdings rar gesät, so daß die CPU nicht unbedingt den Engpaß bildet. Anders sieht es da schon beim Hauptspeicher aus. 64 MB sind Pflicht, doch auch dann hängt AvP noch an der einen oder anderen Stellen. Richtig flüssig wird es erst ab 128 MB aufwärts.

Systemanforderungen: P200 MMX, 32MB, D3D-Karte mit 4 MB

Fazit: Fox Interactive liefert mit AvP einen 3D-Shooter der Extraklasse. Die ausgewählte Hintergrundgeschichte und deren Umsetzung lassen das Herz jedes Action-Film-Fans höher schlagen. Unbeschreiblich ist der Adrenalin-Stoß, der einen durchfährt, wenn man ein Alien unter der Decke zu spät bemerkt. Das hat bisher kein anderes Spiel dieses Genres derart gut geschafft. Durch die unterschiedlichen Charaktere kann und muß man sich in die Rolle der gewählten Figur versetzen, was höllischen Spaß macht. Jeder, der die Alien und Predator Filme liebt, muß dieses Spiel antesten. Auch 3D-Shooter-Fans werden ihre wahre Freude an AvP haben, obwohl die Taktik nicht unwichtig ist. Damit wird AvP zur Kaufempfehlung für eine sehr große Zielgruppe.
 

2
Präsentation (1-20)
18
Die Animation der Blutspritzer und Lücken im Sound drücken die Wertung etwas.
1
Handhabung (1-20)
18
Gut gelöst, besonders beim Alien. Abzüge für die schlechte Vorbelegung.
1
Atmosphäre (1-20)
20
Kein 3D-Shooter wird dem Fan in nächster Zeit ähnliches bieten.
1
Motivation (1-20)
16
Kein Speichern, dafür kurze Level. Das nervt teilweise.
Gesamtwertung
90
Für jeden Actionfan einfach Pflicht!

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Aliens vs. Predator

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