Test: Jagged Alliance 2
| Hersteller: Sir-Tech/Topware |
Genre: Strategiespiel
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| getestet von: Jörg Benne |
Test vom: 03.06.1999
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Das Volk von Arulco, einem kleinen Bananenstaat in Südamerika,
wird von der Herrscherin Deidranna brutal unterdrückt. Die Gegenwehr
einer kleinen Rebellentruppe ist zum Scheitern verurteilt. Doch Deidrannas's
im Exil lebender Ex-Mann kratzt all seine Ersparnisse zusammen, um Söldner
zu engagieren, die Arulco von Deidranna's Schreckensherrschaft befreien
sollen.
Das ist der Plot zu Sir-Tech's lange angekündigtem
Taktik-Strategiespiel Jagged Alliance 2. Man selbst übernimmt die
Rolle des Kommandanten, der das Vorgehen der Söldner koordiniert oder
auch - wenn der Spieler dies wünscht - selbst vor Ort in die Kämpfe
eingreift. Dazu muß man sich einen eigenen Charakter erstellen, was
mit einer Art Persönlichkeitstest geschieht, der allein schon 3.000
$ der zu Beginn reichlich knappen Geldmittel verschlingt.
Zunächst reicht der eine Söldner aus, denn
es geht erst einmal "nur" darum, Kontakt zu den Rebellen herzustellen.
Aber auch wenn der eine oder andere Rebell sich für die Söldnertruppe
rekrutieren läßt, um ein Dorf zu erobern braucht man schon ein
paar mehr Leute. Weitere Söldner lassen sich im spieleigenen "Internet"
anheuern, wahlweise für einen Tag, eine Woche oder zwei Wochen. Da
sie zudem noch Ausrüstung brauchen und versichert werden wollen, geht
da schon einiges an Dollars flöten. Kontrolliert man aber eine oder
mehrere Minen von Arulco, kann man auch Einnahmen verzeichnen.
Das Land ist in 16x16 Sektoren eingeteilt von denen man
zu Beginn nur zwei kontrolliert, das Dorf Omerta, die letzte Zuflucht der
Rebellen. Zuallererst muß man Drassen angreifen, das nächstgelegene
Dorf, das neben einer Mine auch noch einen Flugplatz hat. Ein hier lebender
Pater kann den hungernden Rebellen neue Nahrungsmittel verschaffen. Also
noch zwei oder drei Söldner anwerben und der Einsatz kann beginnen.
Der läuft so ab, wie man es von solchen Spielen
gewohnt ist. Jeder Söldner hat eine Anzahl von Aktionspunkten, die
man für Bewegung, Veränderung der Haltung (normal, geduckt, liegend)
und natürlich Schüsse benutzen kann. Hat man alle Söldner
bewegt zieht der Computergegner usw, usw. ! Allerdings gibt es eine wichtige
Neuerung: Musste man vorher die Karte so lange absuchen, bis man auch den
letzten Gegner erwischt hatte, schaltet das Spiel jetzt in einen Echtzeitmodus
um, wenn kein Feind mehr in Sichtweite ist.
Nach der Schlacht kann man Gegenstände aufsammeln
und mit herumlaufenden Zivilisten reden. So erhält man immer wieder
kleine Aufträge. Zwei Urlauber wollen eskortiert werden, eine Frau
sucht ihr Kind... Das bringt Abwechslung in den Kommandanten-Alltag. Genug
zu tun hat man aber jederzeit. Söldner müssen verarztet
werden (nach einiger Zeit kann man auch ein Krankenhaus erobern), können
ihre Fähigkeiten trainieren und um die Dörfer gegen die Truppen
Deidranna's zu verteidigen, gilt es Milizen auszubilden. Denn spätestens
nachdem man die erste Raketenstellung erobert hat, muß man mit Angriffen
der Gegner rechnen, denn Deidranna schickt alles was sie hat, um die verlorenen
Gebiete zurückzuerobern.
Ihre Reaktion auf die Geschehnisse wird in kleinen Zwischensequenzen
erzählt, in denen Ihr von ihrem Adjutanten Elliot Bericht erstattet
wird und sie ihre Befehle erteilt (nicht ohne vorher Elliot ein paar Ohrfeigen
zu verpassen, wenn er mal wieder eine Hiobsbotschaft überbrachte).
Ziemlich nervig sind zu Beginn die langen Wege. Ein Marsch
durch einen Sektor dauert einige Zeit, auch wenn man einen Zeitraffer anschalten
kann. Besonders schlimm ist das, weil neu angeworbene Söldner zunächst
immer in Arulco ankommen. Hat man sie nur für einen Tag angeworben
verabschieden sie sich u.U. schon, ehe sie überhaupt ihr eigentliches
Ziel erreicht haben. Zum Glück findet man aber nach einiger Zeit den
Helikopterpiloten Skyrider, der einen schneller von A nach B bringt, was
aber zwei Haken hat. Nicht nur, daß die Sache ganz schön teuer
ist, da überall Raketenstellungen installiert sind, weigert er sich
sogar, einige Gebiete anzufliegen, so daß man erstmal die Raketenstellungen
erobern muß. Hierfür heuert man am besten einige Söldner
für einen Tag an, denn sie sind schwer bewacht. Hat man sie aber erobert,
kann man endlich auch anderswo Söldner absetzen lassen und Skyrider
bringt die Trupps auch zu entlegeneren Gebieten.
Jagged Alliance 2 hätte das erste Spiel sein können,
das verdammt nah an die 100 Punkte herankommt. Leider muß es aber
seiner langen Entwicklungszeit Tribut zollen, denn die Grafik ist zwar
alles in allem ganz gut, bietet jedoch nur die Auflösung 640x480 an.
Dadurch geht bei den taktischen Kämpfen viel Übersicht verloren,
dauerndes Hin- und Herscrollen ist die Folge. Nette Animationen der Charaktere,
die passende Musik und die coolen Sprüche der Söldner wissen
das aber wenigstens teilweise wieder aufzuwiegen.
Von ein paar Fiseligkeiten abgesehen ist die Steuerung
gelungen, insbesondere wenn man sich die ungeheure Komplexität des
Spiels vor Augen hält. Für ein taktisches Strategiespiel ist
der Tiefgang nämlich enorm und JA2 bietet damit wesentlich mehr Abwechslung
als zum Beispiel Incubation. Besonders gut gefallen hat mir aber,
daß die taktischen Kämpfe in Echtzeit ablaufen, wenn gerade
kein Feind in der Nähe ist, was den Spielablauf erheblich auflockert.
Da man nicht nur angreift und stupide Sektor um Sektor
erobert, sondern neben einigen Subquests vor allem darauf achten muß,
gerade eroberte Dörfer nicht gleich wieder zu verlieren, bleibt die
Motivation sehr hoch. Ob aber der SciFi-Modus mit seinen Fantasy-Tierchen
hätte sein müssen, ist wohl Geschmackssache.
Nicht unerwähnt bleiben sollte, daß die Verkaufsversion
(Version 1.00) einige heftige Bugs hat und an bestimmten Stellen abstürzt.
Mittlerweile hat Topware aber einen Patch geliefert. Diesen und weitere
interessante Infos sowie Tips und Tricks zum Spiel findet man hier.
Systemanforderungen: P133, 32 MB
Fazit: JA2 hat viel mit dem Klassiker UFO gemein,
weiß aber den Wirtschaftsteil besser einzubinden und überzeugt
durch eine lebendige Welt mit vielen selbständigen Charakteren. Auch
im leichtesten Modus ist es aber recht anspruchsvoll und man sollte nach
jeder gewonnenen Schlacht speichern, denn kleine Stellungsfehler oder auch
nur ein vergessener Verbandskasten können dazu führen, daß
wichtige Charaktere umkommen. Fans von Echtzeitschlachten, die meinen das
klänge alles sehr interessant, seien gewarnt: Die Taktikkämpfe
sind zuweilen sehr langwierig und könnten Echtzeit-Fetischisten auf
die Dauer nerven, auch wenn die taktischen Möglichkeiten weitaus größer
sind, als je ein Echtzeitstrategiespiel sie bieten konnte. Fans von JA1,
Incubation, UFO & Co müssen aber zugreifen, denn sie erhalten
das beste Taktikstrategiespiel, das derzeit erhältlich ist.
Präsentation
(1-20)
Die Grafik bietet
Hausmannskost und enttäuscht durch die niedrige Auflösung. Soundmäßig
passt aber alles.
Handhabung
(1-20)
Durchdacht und schnell
erlernt, an einigen wenigen Stellen aber etwas umständlich.
Spieltiefe
(1-20)
Für ein Taktik-Strategiespiel
enorm viel Tiefgang und ansprechende Anleihen aus dem Rollenspiel-Genre.
Motivation
(1-20)
Interessante Subquests
und die Gegenangriffe halten einen bei der Stange.
Gesamtwertung
Ein echter Taktikknüller
für all jene, die die Hektik von Echtzeitschlachten nicht abkönnen.
