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GameCaptain: Tropico
Tropico
Hersteller: Pop Top / Take 2 Genre: Aufbausimulation
getestet von: Jörg Benne
Download: Patch (0,6 MB) vergleichbar: Sim City, Anno 1602
Test vom: 15.05.2001
Das Aufbaustrategiegenre ist fest in deutscher Hand. Anno 1602 und die letzten beiden Siedler-Teile sowie Die Völker und Cultures zählen zu den beliebtesten Spielen überhaupt hierzulande und nur Pharao konnte bislang in die dt. Phanlanx einbrechen. Das versuchte auch PopTop schon mal, die sich mit Railroad Tycoon 2 einen Namen machten aber nicht an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen konnten. Dennoch blieben sie dem Genre treu und lehren nun mit Tropico die deutsche Konkurrenz das Fürchten.

Klein aber fein

Während man bei der Konkurrenz oft riesige Reiche aufbauen und am Laufen halten muß, beschränkt Tropico sich auf eine einzige, überschaubare Insel gleichen Namens. Als frisch gewählter Presidente übernimmt man die Geschicke des kleinen Staates und hat sich um das Wohl von Bevölkerung, Wirtschaft und Touristen zu kümmern, sollte dabei aber nicht sein eigenes vergessen, denn auch das eigene schweizer Bankkonte will gefüllt werden.
Hier sieht man schon den ersten großen Unterschied zu Siedler & Co. Waren die - abgesehen vom Knuddelfaktor - eher ernst, nimmt Tropico sich gern auf die Schippe  und man findet immer wieder witzige Begebenheiten und Kommentare zum Spiel. So zum Beispiel schon im Tutorial. "Die Leute mögen Mais, Mais macht satt. Aber was wissen die schon", lästert unser Berater. Das Tutotial ist vorbildlich, es führt den Spieler in die wesentlichen Belange des Spiels ein, verzettelt sich aber nicht in Details und läßt so dem Spieler noch viel Raum für spätere Entdeckungen ohne ihn völlig hilflos dem Spiel zu überlassen.

Mustergültig

Doch das wäre auch schwerlich möglich, denn von ein paar Nickeligkeiten ist Tropico überaus komfortabel zu spielen. Jederzeit läßt sich die Spielgeschwindigkeit mit einem Klick anpassen oder sogar pausieren, und man kann in aller Ruhe die nächsten Aufgaben planen. Die Menüs sind übersichtlich, die Statistiken ausführlich und doch schnell zu durchschauen und mit der Zoom-Funktion kann man sich jederzeit den Überblick verschaffen.
Mustergültig auch die Konfigurierbarkeit des Schwierigkeitsgrades. Hier kann sich jeder seine optimale Herausforderung kreiren, von der Fläche und den Höhenunterschieden der Insel, über Bevölkerung, Rohstoffe, Vegetation usw. ist alles einstellbar. Außerdem kann man sich noch diversen Szenarien stellen, z.B. als vertriebener Herrscher der seine Heimat nun zu Grunde richten will, in dem er aus Tropico ein Zigarren-Imperium macht...

Spieltiefe ohne Untiefen

Bei Anno und Co dreht sich alles um komplexe Wirtschaftskreisläufe. Man hat nur selten eine Wahl wie man vorgeht, die Umweltgegebenheiten zwingen einen dies oder das anzubauen, die Bürger wollen dies und jenes und so baut man eigentlich immer die gleichen Gebäude.
Tropico hat einen anderen Ansatz. Die Kreisläufe sind eher klein (Tabakplantage produziert Tabak, Ziggarenfabrik macht daraus Zigarren), dafür bieten sich dem Spieler (zumindest im freien Spiel) viel mehr Möglichkeiten seine Bevölkerung zufrieden zu stellen. Ohnehin gilt, wie im richtigen Leben, das man es doch nicht allen politischen Gruppierungen recht machen kann. So kann man sein Geld durch Touristen verdienen, baut einen Yachthafen, Hotels, Bars, Strandbäder, Casions, womöglich einen Flughafen und kann ihnen evtl. sogar eine archäologische Ausgrabung bieten. Oder man beutet die natürlichen Ressourcen aus, holzt die ganze Insel ab, pflastert sie mit Minen zu und verkauft alles. Oder man konzentriert sich auf Landwirtschaft und Industrie. Eine Mischung aus allem ist natürlich auch möglich und es wird einige Spiele dauern is man die Variante gefunden hat, die einem am besten liegt.
Doch bei all dem Streben nach Profit sollte man die Wünsche seiner Bürger doch nicht so ganz aus den Augen verlieren. Schließlich braucht man sie auch als Arbeitskräfte. Jede Einrichtung hat Arbeitnehmer, die eine bestimmte Qualifikation haben müssen und einen vom Spieler festzulegenden Lohn bekommen. So braucht man für das Kraftwerk z.B. Arbeiterinnen mit Universitätsabschluß, hat man die nicht, muß man Ausländer anwerben, was wieder Geld kostet und überdies das Risiko birgt, das sie wieder verschwinden, wenn ihnen was nicht passt. Spätestens dann wünscht man sich, man hätte doch auf die Interlektuellen gehört und eine Universität gebaut.

500 Persönlichkeiten

Das man bei einem Aufbauspiel einzelne Bewohner beobachten kann ist nichts Neues, wohl aber das jeder eine völlig eigene Persönlichkeit mit Fähigkeiten und Bedürfnissen hat. Man kann jede Person auf dem Bildschirm anklicken und erfährt was sie gerade denkt, wie zufrieden sie mit dem Job und ihrer Wohnung ist usw. Klickt man auf ein Gebäude werden alle dort Beschäftigten mit Pfeilen markiert, deren Farbe auch ihre Zufriedenheit anzeigt, selbiges gilt, wenn man die Anhänger einer politischen Gruppierung zu sehen wünscht.
Drei Hauptbedürfnisse sollte man in jedem falle befriedigen, nämlich Wohnraum (für den man auch wieder Miete kassiert), Job und Nahrung. Doch auch für Unterhaltung will gesorgt sein, die Umwelt darf nicht vernachlässigt werden, Medizin und Glauben müssen berücksichtigt sein und man will sich natürlich auch frei fühlen. Soldaten an jeder Ecke und frie Waghlen an die sich niemand mehr erinnern kann sind da nicht eben förderlich.

Eine Karriere auf Tropico

Ein Erdbeben hat Tropico erschüttert, fast alles wurde zerstört. Nur mein Palast, eine Baufirma und der Hafen (dient als Umschlagplatz für Waren und Anlaufstelle für Einwanderer) stehen noch und gerade mal 20 Tropicaner haben überlebt. Nun soll ich in fünfzig Jahren die Bevölkerungszahl auf 300 anheben bei einer Zufriedenheit von 60%, so die Vorgabe des Szenarios. Na dann, ans Werk.
Erstmal baue ich einen Fischereihafen und ein Mietshaus. Fast schon ein GAU, denn ich hab ganz vergessen, daß man eine Spedition braucht um die Waren zum Hafen zu transportieren, doch das Geld reicht gerade noch. Derweil werden die Ruinen der zerstörten Gebäude abgetragen und meine Bewohner bauen sich armselige Hütten. Um die Ernährung sicher zu stellen baue ich noch eine Rinderfarm, direkt hinter dem Palast, in der Not muß man eben Kompromisse schließen.
Zehn Jahre später sieht die Insel ganz anders aus, weitere Häuser sind entstanden und mit einer Bar sorge ich für Unterhaltung. Außerdem finden meine Tropicaner Arbeit in einem Holzfällerbetrieb und auf mehreren Farmen und eine Kirche hab ich auch schon gebaut. Um mehr qualifizierte Arbeitskräfte zu bekommen, errichte ich eine Schule und starte ein Bildungsprogramm.
Zwanzig Jahre nach dem Spielstart erinnert nur noch die Schlucht in der Mitte der Insel an das Beben. Die Wirtschaft floriert und bringt hohe
Profite, schon über hundert Tropicaner leben auf der Insel, jede der Wahlen habe ich bislang locker gewonnen. Doch mit der gut gefüllten Kasse werde ich übermütig, errichte ein Kraftwerk und auf der durch die Schlucht abgeteilten Hälfte der Insel ein Hotel, eine Bar und einen zweiten Hafen, um Touristen anzulocken. 
Doch jetzt beginnt der Ärger, Unzufriedenheit macht sich breit wegen fehlendem Wohnraum und auch an Nahrung mangelt es. Zum ersten Mal muß ich bei der Wahl ein wenig nachhelfen, was vielen Bürgern jedoch nicht entgeht. Auch die Soldaten murren, ich muß den Sold erhöhen. Die Kosten steigen und steigen und ich habe kein Geld mehr um Profit bringende Industrie aufzubauen, und plötzlich herrscht Ebbe in der Kasse, ich hab nicht mal mehr das Geld das teure Kraftwerk, für das ich keine qualifizierten Arbeitskräfte finde, abzureißen. Mieterhöhungen,
"Lohnverzicht" und Entlassungen sollen mich wieder aus den Miesen bringen, doch es hilft nichts und dabei geht die Zufriedenheit natürlich noch weiter in den Keller. So muß ich die nächste Forderung nach freien Wahlen ignorieren, erste Rebellen tauchen auf, meine Soldaten mucken... Das war's dann wohl.

Spielvergnügen pur

Um der ungeheuer großen und doch stets beherrschbaren Komplexität von Tropico gerecht zu werden, müsste ich wohl einen Roman schreiben. Das Spiel hat mich sofort begeistert und obwohl ich nun schon einige Male die fünfzig Spieljahre hinter mich gebracht habe, habe ich doch noch nicht alles ausprobiert. Und selbst dann kann ich noch am Schwierigkeitsgrad herumschrauben oder eines der Szenarios ausprobieren. 
Das die Grafik einen nicht vom Hocker haut ist angesichts der perfekten Ausgewogenheit von Handhabung und Komplexität nebensächlich, schließlich ist die ja auch nicht schlecht. Außerdem gibt es unaufdringliche Karibiksongs und so fühlt man sich beim Spielen fast wie im Urlaub, was will man mehr?
Wir bauen uns unsere Insel
Über den Wolken....
Nach dem Erdbeben....
Ein Fischer bei der Arbeit
Wo setz ich meine Maisfarm hin?
Antonio bei der Arbeit
Der Hafen, das Herz unserer Insel!
Am Schluß wird abgerechnet!
Fazit: Ein fast perfektes Aufbauspiel, das ich jedem Spieler empfehlen kann. Fur Aufbaustrategen auf jeden Fall ein Muß!
1
Präsentation (1-20)
15
Systemanforderungen:  
Minimum:  P 200, 32 MB RAM,
Empfohlen: k.A.
Platz auf HD: ca. 820 MB
Schwierigkeitsgrad: perfekt einstellbar
Jetzt bestellen!
1
Handhabung (1-20)
18
2
Spieltiefe (1-20)
19
1
Motivation (1-20)
19
  Gesamtwertung
90
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