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Harte Arbeit am Mikrofon: Sprachaufnahmen zu The Abbey

 
 
Screen 1
Produktmanager und Regisseur: Georg Hach von Crimson Cow
Screen 2
Hochkonzentriert: Tonmeister Stephan Grundt...
Screen 3
...der am großen Mischpult auch die Übersicht behalten muss.
Screen 4
Profi am Werk: Schauspieler Eckart Dux bei der Arbeit
Screen 5
Nicht nur Lokalisierungen sind im toneworx-Studio möglich. (Foto: Maren Kaschner)
Screen 6
...schlicht und einfach...
„Der war nichts“, murmelt Georg Hach hinter seinem Laptop, „den müssen wir noch mal machen.“ Zwei Meter vor ihm sitzt Tonmeister Stephan Grundt und nickt fast unmerklich: „Ja, das war zum Ende hin nicht gut.“ Georg Hach drückt den Knopf, der die Gegensprechanlage freischaltet: „Den müssen wir noch mal machen: Lass dir mehr Zeit und im Tonfall etwas bestimmter.“ In der Sprecherkabine sitzt mit Eckart Dux ein absoluter Profi: Der gelernte Schauspieler, der unter anderem den Arthur Spooner in King of Queens synchronisiert hat, bringt den Satz beim nächsten Mal auf den Punkt. Georg und Stephan sind zufrieden – die nächste Zeile, insgesamt 15 Seiten Text stehen auf dem Programm, die das Adventure The AbbeyWeitere Infos zu einem atmosphärischen Erlebnis machen sollen.

Selbst ist der Mann…

Mit „toneworx“ haben sich die Jungs von Crimson Cow bei einer Top-Adresse eingemietet: Das Hamburger Studio ist seit zehn Jahren damit beschäftigt, Spiele für den deutschen Sprachraum zu lokalisieren. Kunden wie Electronic Arts oder Eidos sind Stammgäste in der Alsterdorfer Straße, denn dort wird neben der Technik auch noch eine Menge Service geboten. „Der administrative Aufwand wird bei so einem Projekt oft unterschätzt“, erklärt Andreas Gensch, Inhaber von toneworx. Zwei festangestellte Produktionsleiter kümmern sich allein um die Abwicklung der Projekte, werten das Skript aus, disponieren und besetzen die Rollen, kurz: sie betreuen die Produktion organisatorisch und sorgen für einen möglichst reibungslosen Ablauf.
Im Studio selbst sitzt dann in der Regel ein Dialogregisseur, der den Sprechern die Rolle erklärt – bei Crimson Cow ist das anders, hier ist Produktmanager Georg Hach derjenige, der genau weiß, worauf es ankommt. „Es gibt in The Abbey fast 50.000 Worte, die von 25 Charakteren gesprochen werden, jede Figur hat ihren Charme, ihren Reiz – aber vieles ist noch in meinem Kopf“, erklärt Hach, warum er die Rolle des Regisseurs übernommen hat.

„Mönche, Mörder, Mysterien“

Die Idee zu The Abbey stammt vom Spanier Emilio de Paz, der bereits seit zehn Jahren an diesem Spiel werkelt. Der Geschäftsführer der spanischen Software-Firma Alcachofa Soft – was soviel wie „Artischocke Software“ bedeutet – verwirklicht mit dem Krimi im Mönchsgewand einen Traum. Neben dem orchestralen Soundtrack, der auf höchstem Niveau mit dem „City of Prague Philharmonic Orchestra“ aufgezeichnet wurde, soll das Spiel im Comic-Stil mit filmreifen Schnitten den Spieler in seinen Bann ziehen. „Für das Spiel wurde ein ausführliches Storyboard angelegt, so dass es für den Spieler eine wirklich runde und anspruchsvolle Geschichte gibt“, weiß Hach, der mit Crimson Cow seit zwei Jahren bei dem Spiel dabei ist. „Mörder, Mönche und Mysterien“, gibt Hach mit einem Zwinkern als Parole für das Spiel aus, das fast schon eine Hommage an den Film „Der Name der Rose“ ist. Parallelen sind mitunter nicht zu übersehen und machen auch einen Reiz des Spiels aus. Die deutsche Fassung ist die erste, die jetzt angelegt wird – weitere sollen folgen. Das „Point & Klick“-Adventure kommt für den PC, doch Georg Hach kann sich auch Portierungen vorstellen: „Wir wollen eine Pad-Steuerung ermöglichen, wenn auch nicht sofort zum Release. Aber danach ist der Weg für zum Beispiel eine Xbox-Umsetzung dann nicht mehr so weit.“ Fans der Konsolen dürfen also hoffen, dass dieser Adventure-Hoffnungsträger auch in ihre Spielzimmer kommt.

Professionalität am Mikrofon

Für Eckart Dux ist vorher noch harte Arbeit angesagt, immer wieder muss er Sätze sprechen, noch einmal mit mehr Gefühl, noch einmal etwas sachlicher – so lange, bis es schließlich passt. „Das kenne ich schon, das ist ja mein Beruf“, erklärt der 80-jährige lächelnd, „nur kann ich mich bei so einer Produktion nicht vorbereiten.“ Weil es kein Bild zum Text gibt, muss der Regisseur den Sprecher genau anleiten, um Betonung und Ausdruck auf den Punkt zu bringen. „Ein sensibler Regisseur ist da wirklich hilfreich, da wird die Arbeit doch wesentlich einfacher“, weiß Dux: „Den Charakter, den ich spreche, muss ich ohne jede Vorlage ganz neu erfinden, das ist immer eine echte Aufgabe.“ Dabei sind Aufträge aus der Spiele-Industrie für Dux eher die Ausnahme: „Synchronisation von Filmen oder Serien, das kommt häufiger vor, da sehe ich den Schauspieler und kann schon an der Mimik sehen, wie der Text klingen muss.“
Am liebsten steht der gelernte Mime aber auf der Theaterbühne, was jedoch nicht mehr so oft vorkommt: „Die Rollen werden im Alter weniger“, sagt Eckart Dux, „aber das ist bei Frauen noch extremer als bei Männern: Es gibt egal in welcher Altersklasse immer weniger Rollen für Frauen.“ Dass die Schauspielerei heute nicht mehr so elitär ist wie früher, kommentiert Dux ebenfalls mit einem Lächeln: „Die Jungen und Mädels, die heute in den Vorabendserien spielen, die glauben plötzlich, dass sie dazugehören. Wenn sie dann beim Theater vorsprechen, sind sie aber gar nicht zu hören – Atemtechnik haben die nie gelernt.“ Und nach einer kurzen Pause fügt er augenzwinkernd hinzu: „Und dass sie den Text für das ganze Stück auswendig können müssen, sind sie mitunter gar nicht gewohnt.“

Full-Service für den reibungslosen Ablauf

Die Schauspieler sind immer nur ein paar Stunden im Studio, der Tonmeister und der Regisseur müssen jedoch immer mit dabei sein: Insgesamt zieht sich die Arbeit oft über mehrere Tage, manchmal sogar mehrere Wochen hin – das Wochenende ist dabei kein Tabu-Thema. „So ist das nun mal in diesem Geschäft, da gibt es auch keine Sonderzuschläge“, sagt Andreas Gensch. Oft müssen die Produktionen in einem engen Zeitfenster abgewickelt werden, weil ein weltweiter, gleichzeitiger Release es erfordert, dass die deutsche Fassung zügig fertig wird. „Jeder Tag, den die deutsche Fassung später auf den Markt kommt, kostet Geld“, erläutert Gensch den Termindruck, „denn die Spieler besorgen sich dann die Original-Version.“
Sein Team hat mittlerweile in zehn Jahren zahlreiche Erfahrungen gesammelt, die dafür sorgen, dass bei den Lokalisierungen nichts schief geht. „Die Synchron-Kultur, die wir in Deutschland haben, ist einmalig. Auftraggeber aus anderen Ländern kennen das in dem Umfang nicht unbedingt, die synchronisieren einfach nicht so viel – und der administrative und technische, aber auch zeitliche Aufwand ist halt oft größer als dort angenommen wird.“ Dass toneworx dann die Technik, mit drei Aufnahmestudios auch die Räumlichkeiten und das notwendige Fachwissen hat, um dem Ganzen gerecht zu werden, stellt dann auch anspruchsvolle Kunden wie Electronic Arts, Eidos oder eben Crimson Cow zufrieden. Doch in den Studios laufen nicht nur Spiele-Lokalisierungen: Hörspiele, Werbung, Filmsynchronisationen bis hin zur Musik-Produktion bietet toneworx an, darunter auch Tracks, die eigens für Webseiten- und Fernseh-Trailer produziert wurden, denn mittlerweile wird das Unternehmen auch mit der kompletten Erstellung eben solcher Kurzfilme betraut – von der Konzeption über den Videoschnitt und die Effekte bis hin zur vollständigen Vertonung. Aus 15 Mitarbeitern besteht das Team heute, elf davon sind fest angestellt: „Wir sind in der Lage, dem Kunden alles zu bieten, was er braucht“, so Gensch: „Es gibt sicher Studios, die günstiger kalkulieren können, aber die haben mitunter eben auch nicht den umfassenden Service, auf den wir höchsten Wert legen.“

Wer hört Arthur Spooner heraus?

Fast 13 Seiten Text sind schon aufgenommen. Tonmeister Stephan Grundt und Georg Hach beratschlagen, ob sie Dux noch eine Pause geben sollen, ehe Hach dann in die Sprecherkabine funkt: „Wenn du willst, dann hast du zwei Minuten für dich.“ Kurze Pause, dann räuspert sich der Schauspieler: „Nein, ich mache weiter, wir sind ja gleich fertig.“ Professionell spricht Dux auch die letzten zwei Seiten Text, Hach führt ihn durch den Dialog, gibt immer wieder Anweisungen und Tipps – und am Ende sind sie alle zufrieden.
Während Eckart Dux dann nach Hause gehen kann, müssen Stephan und Georg noch weiter machen, der nächste Schauspieler steht bereit, die nächsten Takes werden gemacht: Zehn Tage hat Crimson Cow geplant, bis dann endlich alles „im Kasten“ ist. In den Studios von toneworx steht dann schon wieder die nächste Produktion an – und bei The Abbey geht es an die finalen Arbeiten, um eine spielbare Beta-Version zu haben. Wenn alles gut geht, dann steht der Titel im April in den Regalen der Händler, aber Georg Hach mahnt: „Wir haben einen hohen Qualitätsanspruch und wollen das Spiel fehlerfrei auf den Markt bringen.“ Bis dahin heißt es für die Spieler: Geduld haben und warten. Der Kutten-Krimi verspricht in jedem Fall Spannung und Atmosphäre – und vielleicht hört der eine oder andere ja die Stimme von Arthur Spooner heraus. Dann weiß er wenigstens, wie viel Arbeit hinter jedem Satz steckt.
von Armin Sengbusch (12.02.2008)
 
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