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Filmkritik: Der Unglaubliche Hulk

| Infos: | Verleih: Concorde Film, Länge: 112 Min., Kinostart: 10.07.2008, FSK: ab 16 Jahren |
| Regie: | Louis Leterrier |
| Darsteller: | Edward Norton, Liv Tyler, Tim Roth, William Hurt |
| Links: | Infos bei IMDB |
Folgendes Szenario ist selbst für Hollywoodverhältnisse höchst ungewöhnlich: Da wird im Jahre 2003 ein grünes Comicmonster nach fast dreißig Jahren wiederbelebt und von Ang Lee – auch nach fünf Jahren ist das noch immer eine äußerst seltsame Kombination – auf die große Leinwand gebannt, um im Jahr 2008 erneut wiederbelebt zu werden und diesmal von einem Franzosen, genauer gesagt Louis Leterrier, der den Fans durch Krawallaction wie The Transpoter II oder Danny the Dog bekannt ist. Ob die Wahl des Regisseurs diesmal passender ist, darf bezweifelt werden. Sicher ist dagegen, dass das deutsche Kinopublikum beim Gang ins Lichtspielhaus höllisch aufpassen muss, welche Fassung sie vorgesetzt bekommen, sind doch sowohl eine geschnittene FSK-12-Variante wie auch die ungeschnitten FSK-16-Kinorolle im Umlauf. Auch das erlebt man nicht alle Tage. Für genug Gesprächsstoff ist damit also gesorgt. Zurück zu den Fakten.Grün vor WutSeit Gamma-Strahlen den Köper von Bruce Banner (Edward Norton, Fight Club, The Italian Job) getroffen haben, führt der Wissenschaftler ein Leben im Abseits. Die radioaktiven Strahlen haben eine unbändige Kraft in ihm entfesselt, die nicht mehr zu kontrollieren ist: Bei jedem Anflug von Wut mutiert er zu Hulk, einem gewaltigen, grünen Monster. Jegliche Suche nach einem Gegenmittel verlief bis dato erfolglos und die Zeit wird immer knapper. Denn General Thunderbolt Ross (William Hurt, Mr. Brooks, Der gute Hirte) ist ihm auf den Fersen, um diese Kräfte für seine Zwecke zu nutzen. Doch Banner gibt nicht auf, kämpft um ein Leben ohne Superkräfte mit Ross Tochter Betty (Liv Tyler, Armageddon, Der Herr der Ringe), die sich unsterblich in den Wissenschaftler verliebt hat.Als die Heilung für Banner endlich zum Greifen nah ist, erscheint die alles zerstörende Bestie Abomination (Tim Roth, Reservoir Dogs, Funny Games (Remake)), deren Kräften nur Hulk gewachsen ist. Doch wird er den Kampf aufnehmen? Der unglaubliche Ulk?Auch in diesem Jahr ist die Zahl der Comicverfilmungen nicht gerade gering und so reiht sich Der unglaubliche Hulk in die Phalanx solch potenter Titel wie Iron Man oder des Batman-Sequels The Dark Knight ein. So jedenfalls der Masterplan der ausführenden Studios und Marvel, die gerne ein weiteres Franchise in petto haben möchten. Zu Beginn legt sich der Film auch ordentlich ins Zeug, was vor allem an dem Schauplatz Brasilien, genauer gesagt Rio de Janeiro, liegen dürfte, bieten die städtischen Slums doch eine überaus atmosphärische Kulisse für das grüne Unding, wie es durch die verwinkelten Gassen streift, umhüllt von der Hölle auf Erden. Hier darf auch Leterrier zeigen, was er kann: Wilde Action, zum Teil noch echt handgemacht. Während das US-Militär Banner also durch Rio jagt, erlebt der Film seine stärksten Minuten. Das Ganze wirkt bisweilen sogar authentisch und der Zuschauer verspürt diese kindliche Freude angesichts der dargebotenen Bilder. Doch dann kommt irgendwann der CGI-Overkill und Ernüchterung macht sich breit. Inzwischen hat sich beim Publikum eine gewisse Sättigung eingestellt und der Reiz großer Effektgelage mag nur noch vereinzelt präsent sein. So verflacht nun dieser Hulk immer mehr und gibt sich der Actionorgie voll und ganz hin. Fürwahr, man sehnt sich nun ein bisschen Story her, die nicht aus dem Baukasten zu stammen scheint und wurde Ang Lee anno 2003 von den Fans dafür verteufelt, dem Hulk wesentlich mehr Tiefe zu verleihen, wird der Nicht-Fan nun Leterrier ernsthaft fragen müssen, ob man da nicht hätte mehr draus machen können, gerade deshalb, weil seine Version ja nichts anderes als ein Aufguss der 03er Variante ist. Da helfen dann auch Gerüchte nicht weiter, man habe sich beim Dreh verkracht und später würde eventuell eine andere Fassung nachgeschoben werden. Zu wünschen ist es. aber da das Hier und Jetzt zählt, muss man sich mit dem begnügen, was man präsentiert bekommt und das passt auch auf einen Bierdeckel. Immerhin der Schauspielriege kann man ein wenig gnädig sein, wenngleich es ungewohnt ist, Edward Norton als grünen ungehobelten Wüterich zu sehen, wenngleich sein Mr. Hyde auch nur aus dem Rechner stammt. Immerhin versprüht Norton seine gewisse Routine und verleiht dem Bruce Banner ein Gesicht. Auf der anderen Seite muss man ihm aber auch attestieren, dass er vom Drehbuch wenig gefordert wird und sicherlich nicht zu Hochtouren aufläuft. So wäre es mir wohl wesentlich lieber gewesen, wenn der finale Endkampf zwischen Tim Roths Alter Ego und dem grünen Hulk eine echte Auseinandersetzung zwischen Edward Norton und Roth gewesen wäre. Denn auch hier wirkt das CGI-Gekröse zwar optisch ganz nett aber im Grunde muss man sagen: Es kracht, es zischt und sehen tut man nüscht…. bzw. nicht viel. Das Kinojahr bietet ja noch andere Superheldenkost in diesem Jahr. Freuen wir uns darauf. ZitatFazitAller guten Dinge sind bekanntlich drei und so könnte man sich fast noch einen weiteren Versuch wünschen, den Hulk adäquat auf die Leinwand zu bringen. Da man dieses Unterfangen so schnell aber sicherlich nicht starten wird, muss man mit dem zufrieden sein, was man hat: Ang Lees Version für die, die mehr Story haben möchten und Leterriers Adaption für den Actionfan. |
| Wertung: 5/10 | von Marcel Hanke (12.07.2008) |
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