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Filmkritik: Wanted

Infos: Verleih: Universal Pictures, Länge: 110 Min., Kinostart: 04.09.2008, FSK: keine Jugendfreigabe
Regie: Timur Bekmambetov
Darsteller: Angelina Jolie, James McAvoy, Morgan Freeman, Thomas Kretschmann, Terence Stamp
Links:Offizielle Seite, Infos bei IMDB
Timur Bebkmambetov ist vielen Filmfans in der westlichen Hemisphäre wohl noch nicht oder erst seit Kurzem ein Begriff. Der russischstämmige Regisseur hat mit seinen beiden Romanverfilmungen Wächter der Nacht und Wächter des Tages in Russland für neue Kinorekorde gesorgt und gewann mit seinem Stil- und Effekteinsatz auch im Rest der Welt Fans. Grund genug für die amerikanischen Studios, ihm den Regieposten bei einer Comicverfilmung, $70 Mio., etablierte Filmstars und freie Hand bei der Inszenierung zu überlassen. Eine gute Idee?

Nur ein durchschnittlicher Loser?

Wesley Gibson (James McAvoy) scheint sich mit seinem Leben abgefunden zu haben. Er fristet ein freudloses Dasein, bestehend aus einem Großraumbüro mit einer ätzenden Vorgesetzten und einer Freundin, die ihn mit seinem unsympathischen Kollegen betrügt. Doch das Leben des 25-Jährigen ändert sich rasend schnell, als die geheimnisvolle Fox (Angelina Jolie) auftaucht und ihn vor dem Auftragskiller Cross (Thomas Kretschmann) rettet. Sie führt ihn zu der „Bruderschaft“, einem Zusammenschluss aus Killern, die im Namen des Schicksals Personen ausschalten und dem auch schon Wesleys verschollen geglaubter Vater angehörte, den jener Cross ermordet hat. Unter Führung des Mentors Sloan (Morgan Freeman) wird Wesley in einem erbarmungslosen Training zum talentierten Killer und sinnt auf Rache an Cross für den Tod seines Vaters...

Physik? Nie gehört…

Wer in jenem Schulfach einigermaßen aufgepasst hat, der dürfte wissen, dass Kugeln nicht um Ecken fliegen oder Menschen mit Überschallgeschwindigkeit Anlauf nehmen und dann von einem Hochhaus zum anderen springen können. Hat man es verdaut, dass die elementaren Regeln der Logik hier keine Rolle spielen und der Realismus hier ganz sicher nicht anzutreffen ist, kann man sich an einem lauten und bunten Stakkato aus Effekten und Actionszenen (Kugeln in Bullettime, fliegende Autos, in Schluchten stürzende Zugteile) ergötzen. Diese toll fotografierten, aber dennoch reichlich künstlich wirkenden Szenen bilden das Herzstück der Comicverfilmung.
Die Geschichte um den ahnungslosen Mittzwanziger, der innerhalb von 6 Wochen vom spießigen Totalversager zum coolen, durchtrainierten Killer mutiert, kann hier nur als Aufhänger für Bekmambetovs Optikspielereien fungieren, bietet aber doch auch immer mal wieder Platz für skurrile Komödienelemente, wenn Wesley sich z.B. über seine dicke Vorgesetzte auslässt. Auch die schonungslose Ausbildung, bei der Wesley jedes Mal körperlich schwer leiden muss, hat Slapstickanleihen, die einerseits dringend nötige Verschnaufpausen zwischen den Actionsequenzen darstellen und das Gezeigte auch abmildern, denn bei aller Comichaftigkeit ist die Brutalität in Wanted überraschend detailfreudig ausgefallen. Kopfschüsse werden in Zeitlupe zelebriert und grenzen den Film so von massentauglichen Familienactionern ab. Jammerschade ist es da, dass die schiere Masse der CGI-Raffinessen gerade diese ab der Mitte des Films erdrückt und Highlights, selbst, wenn sie vorhanden sind, nicht mehr erkennen lässt, weil sie zu schnell zur Gewohnheit werden. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Die Darsteller um James McAvoy, der hier seine erste Action-Hauptrolle gut meistert, Angelina Jolie und Veteran Morgan Freeman profitieren natürlich auch von der Art und Weise, wie sie hier in Szene gesetzt werden und bleiben eher als coole Figuren denn als tiefsinnige Charaktere im Gedächtnis des Zuschauers, auch, weil die Plattform eben nichts anderes zulässt.
Finanziell war der Film in anderen Teilen der Erde schon ein Erfolg und ließe sicherlich Platz für eine Fortsetzung. Erfreulicherweise denkt man hier jedoch auch an die Gamerfraktion, denn nach momentanem Stand soll der weitere Werdegang von Wesley Gibson in einem Videospiel weiter behandelt werden.

Fazit

Wanted ist ein klarer Fall von Style over Substance und definiert sich vor allem über seine optischen Spielereien, die in oft schonungslosen Actionszenen ihren Gebrauch finden. Die Story gerät da ein wenig ins Hintertreffen, doch auch in der Hinsicht hätte es schlimmer kommen können. Wer mal wieder „coole“ Action sehen will, ist hier sicher richtig

Screen 1
Screen 2
Screen 3
Screen 4
Wertung: 7/10von Roman Beele (04.09.2008)

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