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Filmkritik: Ein Quantum Trost

Infos: Verleih: Sony Pictures, Länge: 109 Min., Kinostart: 06.11.2008, FSK: ab 12 Jahren
Regie: Marc Forster
Darsteller: Daniel Craig, Mathieu Amalric, Judy Dench, Olga Kurylenko, Jeffrey Wright
Links:Offizielle Seite, Infos bei IMDB
Allerorten spricht man von einem Neustart. Ob bei Terminator, Hulk, Punisher oder Obama. Das James Bond-Franchise hat diese Frischzellenkur bereits vor 2 Jahren hinter sich gebracht und dies mit überwältigendem Erfolg bewerkstelligt. Sowohl Daniel Craig als auch Story und Inszenierung wussten die Fans zu überzeugen und sorgten so für das höchste Einspiel eines Bond-Films seit Bestehen der Reihe. Kein leichtes Erbe für Ein Quantum Trost, der zudem noch die Handlung von Casino Royale fortführen muss.

Pflicht oder Rache?

Nachdem Bond mit Mr. White einen Handlanger der mysteriösen Organisation Quantum gefangen nehmen konnte, soll dieser verhört werden. Doch Quantum hat seine Leute tatsächlich überall und so ist White schon bald wieder weg und Bond einmal mehr ohne Spur. Von Indiz zu Indiz hangelt er sich, immer mit dem unbändigen Willen, den Tod seiner Geliebten Vesper zu rächen. Dass er dabei keine Gefangenen macht, missfällt nicht nur seiner Vorgesetzten M, sogar die CIA droht Bond mit der Eliminierung, sollte er nicht von dem Fall ablassen. Bei seinem Feldzug kommt er dem zwielichtigen Geschäftsmann Dominic Greene (Mathieu Amalric) auf die Schliche, der an diversen Regimestürzen in Südamerika beteiligt war und nun in der bolivianischen Wüste ein vermeintlich wertloses Stück Land in seinen Besitz bringen will. Greenes Organisation tarnt sich als Naturschutzbund, hat jedoch in Wahrheit viel mehr mit Quantum zu tun. Bei seinen Aktivitäten trifft Bond die schöne Camille (Olga Kurylenko), die von ganz ähnlichen Motiven geleitet wird wie er. Gemeinsam müssen sie so nicht nur gegen die vielen Quantum-Schergen kämpfen, sondern auch den Regierungshäschern entkommen...

Eher geschüttelt als gerührt

Zugegeben, Casino Royale legte vor 2 Jahren die Messlatte für den Nachfolger ziemlich hoch. Die guten Kritiken, der hohe Umsatz und die Situation, die Story fortführen zu müssen, boten keine Entlastung und schraubten die Erwartungen zurecht hoch. Bedauerlicherweise kann Quantum of Solace nicht restlos überzeugen, was mehrere Gründe hat.
Die Methode, eine Handlung über mehrere Teile hinweg zu erzählen, hat auch bei anderen Filmreihen (z.B. Saw) ihre Tücken gezeigt. Diese machen auch vor Bond nicht Halt, denn Ein Quantum Trost wirkt stellenweise wie ein Nachklapp, der eine gewisse Eigenständigkeit vermissen lässt. Das Ganze bleibt zudem nicht immer aufschlussreich, was den ein oder anderen Zuschauer auch eher nerven dürfte, war man von Bond bislang immer in sich geschlossene Abenteuer gewohnt. Vergleiche mit der Bourne-Trilogie werden laut und hier noch offensichtlicher.
Neben der realistischeren Note von Casino Royale, die hier größtenteils erfreulicherweise fortgesetzt wird, hat sich der deutsch-schweizerische Regisseur Marc Forster (Monster's Ball) auch bei der Inszenierung der Actionszenen daran orientiert. Sehr hektisch geschnittene, oft unübersichtliche Nahkämpfe bilden einen starken Kontrast zu den ruhigen Bildern von Casino Royale, in dem jedes Bild fast schon wie eine Komposition wirkte.
Olga Kurylenko ist zwar das physisch aktivere Bondgirl, das auch vom Aussehen her eine würdige Nachfolgerin von Eva Green ist, ihre Rolle ist jedoch nicht so elegant und sinnlich angelegt und daher auch nichts Besonderes. Das trifft in noch größerem Maße auf den Bösewicht Greene zu, der im Vergleich zu „Le Chiffre“ einfach nur blass bleibt und einen Rückschritt darstellt.
Doch Ein Quantum Trost hat auch seine Stärken. Mit dem höchsten Budget aller bisherigen Teile ausgestattet (230 Mio. Dollar) lässt sich so einiges an Actionwerten inszenieren und das wird hier auch getan. In den nur knapp 109 Minuten reiht sich eine atemlose Hatz an die andere, das Tempo wird von Beginn an sehr hoch gehalten, was Actionfans sicher munden dürfte. Was die Figur von James Bond angeht, werden Puristen erneut nicht erfreut sein, denn noch immer lässt er jegliche zwischenmenschlichen Feinheiten aus, lässt Feinde emotionslos über die Klinge springen und brummt zynische Sprüche. Aber genau das hat den letzten Abenteuern gefehlt und ist nun glücklicherweise ein fester Bestandteil des neuen Bond.

Fazit

Im unweigerlichen Vergleich mit Casino Royale zieht Ein Quantum Trost eindeutig den Kürzeren. Vieles wurde im direkten Vorgänger besser gemacht, doch bleibt die Frage, wie man diesen 22. Bond sehen soll. Denn obgleich er immer noch lose Enden hinterlässt, ist er auf inszenatorisch hohem Niveau und keinesfalls richtig schlecht. Aber man ist doch irgendwie enttäuscht.

Screen 1
Screen 2
Screen 3
Screen 4
Wertung: 7/10von Roman Beele (07.11.2008)

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