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Filmkritik: X-Men Origins: Wolverine

| Infos: | Verleih: 20th Century Fox, Länge: 101 Min., Kinostart: 30.04.2009, FSK: FSK 16 |
| Regie: | Gavin Hood |
| Darsteller: | Hugh Jackman, Liev Schreiber, Lynn Collins, Danny Huston, Ryan Reynolds |
| Links: | Offizielle Seite, Infos bei IMDB |
Einige Wochen vor Kinostart geisterte zur Überraschung vieler und zum besonderen Ärgernis des Studios plötzlich ein Workprint von X-Men Origins: Wolverine durch die Weiten des Internet. Jemand aus der Produktionscrew, die gerade unter Hochdruck an den Computereffekten des Films arbeitete, lancierte die grob unfertige Version an die Tauschbörsen. Was man dort dann zu sehen bekam, war der Film ohne jegliche Spezialeffekte, inklusive teils fehlender Dialoge und holpriger Szenenübergänge. Trotzdem bedeutete diese Aktion ein gehöriges Desaster für das Produktionsstudio 20th Century Fox, das sich prompt auf die Suche nach dem Übeltäter machte. Ob der Film mit dem überaus beliebten Charakter auch in Deutschland Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten, denn zu allem Überfluss wurde die deutsche Kinofassung auch noch zensiert...Von der Bruder- zur FeindschaftSchon als Kind musste Logan (Hugh Jackman) schwere Schicksalsschläge hinnehmen, als er Hals über Kopf mit seinem Bruder Victor (Liev Schreiber) aus seinem Elternhaus flüchten muss und nie wieder zurückkehren kann. Es folgt eine Collage aus verschiedenen Kriegen, in denen Logan und Victor Seite an Seite kämpfen, angefangen bei den amerikanischen Unabhängigkeitskriegen bis über den Vietnamkrieg hinaus. Dabei entfremden sich die beiden Brüder, die schließlich unter dem Kommando von Col. Stryker (Danny Huston) einer Mutantenlegion angehören, immer mehr. Stryker, der seine Kämpfer für zweifelhafte Geheimmissionen „im Dienste ihres Vaterlandes“ benutzt, nimmt dabei selbst auf Unschuldige wenig Rücksicht. Damit trifft er bei Victor auf fruchtbaren Boden, denn dieser scheint mittlerweile auch Gefallen an seinem Treiben gefunden zu haben, weshalb Logan ihnen rigoros den Rücken kehrt. Sechs Jahre später, Logan hat sein Glück zusammen mit Kayla (Lynn Collins) als einfacher Holzfäller in den Bergen Kanadas gefunden, holt ihn seine Vergangenheit wieder ein. Lynn wird von Victor getötet. Logan will Rache und geht einen Deal mit Stryker ein: er lässt sich das unzerstörbare Metall Adamantium in seine Knochen spritzen und darf dafür freie Jagd auf Victor machen. Logan wird zu Wolverine...Entdecke das Tier in dirNach Sichtung des Films im Kino bleibt die verwunderte Frage, wie man an dem illegalen Workprint seinen Spaß haben konnte. Wolverine ist vollgestopft mit Special-Effects, dass es unübersehbar ist. Das beginnt schon bei den Stahlkrallen des Helden und hört bei fliegenden Pokerkarten auf. Wie man sich ohne dies ein umfassendes Bild von dem Film machen können soll, bleibt wohl ein Rätsel. Nein, diesen Film sollte man in seiner Endform konsumieren, sonst funktioniert er nicht.Doch auch in der finalen Version bietet Wolverine ein paar Ungereimtheiten, die erwähnt werden sollten. So werden aufkeimende Drama-Momente von der rollenden Actiondampfwalze schon bald nach ihrer Entstehung zermalmt. Wird anfangs noch subtil auf Victors Wesensänderung eingegangen, ist dafür später kein Platz mehr. Im weiteren Verlauf ist er einfach nur noch der Böse. Schade, wenn man bedenkt, dass man den Bruderkonflikt doch besser hätte ausnutzen können. Auch hält sich die Trauerzeit für Logan über den gewaltsamen Tod seiner Freundin sehr in Grenzen, stattdessen wütet er von einer Station zur anderen. Wie schon die X-Men-Trilogie wartet auch das Spin-Off rund um Wolverine mit einer Vielzahl neuer Charaktere auf, die durchaus interessant sind und Potenzial bergen (z.B. der von Ryan Reynolds verkörperte Wade Wilson/Deadpool). Diese werden jedoch leider in der knapp bemessenen Zeit zwischen Action und Storytelling meist ökonomisch kurz verheizt. Der charismatische Hugh Jackman spielt Wolverine mittlerweile zum vierten Mal und hat ihn so sehr verinnerlicht, dass beide Persönlichkeiten für den Zuschauer untrennbar miteinander verbunden scheinen. Jackman, der auch hier wieder durch Radikaldiät und Fitnessprogramme aussieht wie auf Anabolika, macht daher auch in den Actionszenen eine gute Figur. Neben dynamischen Kampfszenen gibt es aber auch unübersehbare Effekte, deren Qualität zwischen sehr gut bis mittelmäßig schwankt. Wurde die Geschichte von Wolverine in den drei X-Men-Filmen bereits in Teilen rückblickend erzählt, spinnt das Spin-Off gekonnt Fäden zurück zu ihnen und man erkennt manche Details wieder. FazitX-Men Origins: Wolverine ist so vollgepackt mit Action, dass einem die Ohren dröhnen. In den wenigen ruhigen Momenten versucht der Film, die nötigen Storyelemente zu erzählen und wirkt dadurch manchmal etwas unzureichend. Eigentlich ist die Vorgeschichte von Wolverine damit auserzählt, doch es bleibt abzuwarten, was die Filmemacher als Nächstes planen. Wird es einen zweiten Soloauftritt von Jackman geben? Was ist mit dem ebenfalls geplanten Film über den X-Men-Erzfeind Magneto? Fragen, die mit der Zeit sicher beantwortet werden. |
| Wertung: 6/10 | von Roman Beele (01.05.2009) |
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