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Filmkritik: The Hangover

Infos: Verleih: Warner Bros., Länge: 100 Min., Kinostart: 23.07.2009, FSK: ab 12 Jahren
Regie: Todd Phillips
Darsteller:  Bradley Cooper, Ed Helms, Zach Galifianakis, Justin Bartha, Heather Graham
Links:Offizielle Seite, Infos bei IMDB
Das gab es auch noch nicht oft. Der Trailer, Monate vor offiziellem Kinostart des Films als Appetitmacher veröffentlicht, kommt bei den Zuschauern so enorm gut an, dass das produzierende Studio, noch bevor der erste Dollar mit dem Erstling verdient wurde, direkt einen zweiten Teil in Auftrag gibt. Ein ganz schönes Startkapital für The Hangover. Doch er konnte es stemmen und spielte in den USA allein fast 230 Mio. Dollar ein. Doch nur der Trailerhype kann das nicht bewirkt haben, denn wäre der Film schlecht, hätte die Mundpropaganda für einen Absturz an den Kassen gesorgt. Oder?

Wo ist Doug?!

Es ist soweit. In zwei Tagen wird Doug (Justin Bartha) seine Verlobte heiraten und (hoffentlich) der Monogamie frönen. Davor darf aber der obligatorische Junggesellenabschied nicht fehlen. Diesen begeht er zusammen mit seinen Freunden Phil (Bradley Cooper), Stu (Ed Helms) und seinem baldigen Schwager Alan (Zach Galifianakis) für einen unvergesslichen Abend in der Zockermetropole Las Vegas. Doch statt eines Partyabends, von dem sie sich noch Jahre später erzählen würden, wachen Phil, Stu und Alan am nächsten Morgen ohne jegliche Erinnerung in ihrem völlig auf den Kopf gestellten Casinoapartment auf und staunen nicht schlecht, als sie bemerken, dass nicht nur ein Tiger im Badezimmer sein Quartier bezogen hat, sondern auch noch Doug spurlos verschwunden ist. Die Hochzeit rückt immer näher und die Freunde versuchen rastlos, den vermissten Bräutigam wieder zu finden. Doch die einzelnen Stationen ihrer Partytour zu rekonstruieren, stellt sich als schwieriges Unterfangen heraus und trotz ihres Mordskaters müssen sie mit detektivischem Spürsinn Fährten verfolgen, nur, um immer wieder auf's Neue von ihren eigenen Taten überrascht zu werden. So finden sie unter anderem heraus, dass Stu seit letzter Nacht mit einer Stripperin (Heather Graham) verheiratet ist und entdecken einen nackten Chinesen in ihrem Kofferraum. Doch das ist nur ein Bruchteil auf dem Weg durch einen Irrgarten, an dessen Ende völlig offen ist, wo eigentlich Doug steckt...

Viva Las Vegas

Schaut man sich die letzten Jahre an, hat die Zahl der guten Komödien enorm nachgelassen. Wie vom Reißbrett wirken viele Exponate aus Hollywood'schen Landen, immer dreht sich die Handlung um dieselben Versatzstücke, die Eigenständigkeit zeigt sich mittlerweile am stärksten darin, dass die Hauptdarsteller sich unterscheiden. Und da soll in einem Jahr, in dem in Amerika der SIEBTE (!!) Teil von American Pie auf DVD heraus kommt, eine Las Vegas-Komödie gegen den Strom schwimmen? Kurze Antwort: ja. Regisseur Todd Phillips, der Jahre zuvor schon den ziemlich lustigen Oldschool fabriziert hat, landet mit The Hangover zurecht einen Hit.
Dabei hat er Glück, dass die Darsteller so gut miteinander harmonieren und den Film erst so richtig lustig machen. Besonders sticht hierbei Zach Galifianakis als Alan heraus, der nicht den Anschein macht, im vollständigen Besitz seiner geistigen Kräfte zu sein und seine unfreiwilligen Mitstreiter mehr als einmal zur Verzweiflung treibt. Dabei tut es dem Film und auch den Darstellern sichtlich gut, dass der Film von vornherein als etwas derbere Komödie angelegt wurde, denn so kann nach Herzenslust geflucht und auch der ein oder andere etwas zotigere Witz zum Besten gegeben werden.
Wie der Trailer schon andeutete, hat der Film eine Wagenladung an Einfällen und abstrusen Ideen zu bieten, die eigentlich für drei durchschnittliche Produktionen gereicht hätten. Dadurch wirkt er ab und an etwas überladen und aus manchen Sackgassen kommen die Jungs etwas zu problemlos raus, doch das ist zu verschmerzen, wenn danach direkt die nächste Lachattacke wartet. Anders als die (ebenfalls sehr guten) Komödien von Judd Apatow (Jungfrau, 40, männlich, sucht...) zieht sich The Hangover mit seinen 96 Minuten glücklicherweise nicht so lange hin, dass es irgendwann ermüdend wirkt.

Fazit

Anders als damals bei Snakes on a Plane, der anno 2005 einen ähnlichen Hype erfuhr, kann The Hangover über lange Strecken halten, was er vorab verspricht und kann somit getrost als würdiger Sommerhit im Komödienbereich bezeichnet werden. Endlich mal wieder was, das einen herzhaft lachen lässt. Falls der Nachfolger, der für 2011 geplant ist, eine ähnliche Mischung aus Humor und Einfallsreichtum bieten kann, sollte damit schon der nächste Hit vorprogrammiert sein. Die Chemie beim Darstellerensemble stimmt, der Regisseur ist fähig und das Publikum sicher dankbar für ein bisschen Abwechslung von der üblichen 0815-Kost von der Stange, die ihm sonst geboten wird.

Screen 1
Noch ist alles gut.
Screen 2
Was ist letzte Nacht passiert?
Screen 3
Wo ist Doug?!
Screen 4
Was will der Chinese von uns?!
Screen 5
Was machen wir jetzt?
Screen 6
Wie entwischen wir der Polizei?
Wertung: 8/10von Roman Beele (22.07.2009)

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