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Filmkritik: District 9

| Infos: | Verleih: Sony Pictures, Länge: 116 Min., Kinostart: 10.09.2009, FSK: ab 12 Jahren beantragt |
| Regie: | Neill Blomkamp |
| Darsteller: | Sharlto Copley, David James, Jason Cope, Vanessa Haywood |
| Links: | Offizielle Seite, Infos bei IMDB |
Es klingt schon ein wenig seltsam, wenn man bei einem Kostenfaktor von 30 Millionen von einem „Low-Budget-Projekt“ spricht. Gemessen an den astronomischen Summen, die teilweise in Hollywood in Filme investiert werden, ist jene Summe jedoch eher ein Fliegenschiss im Vergleich zu einem Kuhfladen. Oder um im Thema des Films District 9 zu bleiben: Es ist wie der kleine Planet Erde im Vergleich zum gesamten Weltall. Wobei die Erde bei der momentanen Inflation vermutlich keine 30 Millionen mehr wert ist. District 9 statt HaloDa hat der gute Peter Jackson Pech mit dem Film Halo, der mit einem Budget von 175 Millionen veranschlagt wurde, greift dann aber ins Goldtöpfchen: Mit District 9 hat er als Produzent ganz sicher einen anspruchsvolleren Streifen gedreht, eine Menge Geld gespart und das Projekt wird sich sicher rentieren. Thematisch ist District 9 ebenfalls im Science-Fiction-Genre angesiedelt ist. Allerdings nicht mit gradliniger Action und der Mission, die Welt zu retten, sondern mit einem ernsten Hintergrund und den vermutlich ewig währenden Brennpunkt: Vorurteilen, Diskriminierung, Profitgier sowie grenzenlosem Egoismus. Sicher, das ist nichts Neues, aber gerade in Verbindung mit Außerirdischen, die auf unserem Planeten notgelandet sind und deren Raumschiff über der Stadt von Johannesburg schwebt, bekommt das Szenario dann skurrilen Charakter.Alles wie immer – nur mit AliensIm „District 9“ leben mehr als eine Million Aliens, kaserniert und unter unwürdigen Bedingungen. Als Wikus van de Merwe (großartig gespielt von Sharlto Copley) den Auftrag bekommt, die Außerirdischen in ein anderes Camp umzusiedeln, das weiter von der Stadt entfernt ist, macht er sich mit viel Enthusiasmus an die Arbeit. So stellen wir uns wohl alle die Bürohengste vor, die ihren Job für die Regierung ohne etwas zu hinterfragen durchführen. Wie in einem Dokumentarfilm zeigt Regisseur Neill Blomkamp dabei das mitunter brutale Vorgehen der Einsatztruppen der MNU (Multi-National United). Letztlich kennt jeder ähnliche Bilder aus dem Fernsehen – nur eben nicht mit Aliens als Protagonisten. Dass hier eine andere Lebensform eben andere Gebräuche und andere Riten hat, ist selbstverständlich, toleriert wird es im Film aber dennoch nicht. Den Satz „Sie geben viel Geld dafür, damit die Außerirdischen hier wohnen, aber das könnte man auch für wichtigere Dinge benutzen“ trifft die Problematik des Films genau.Action und Anspruch – das funktioniertAls Wikus van de Merwe bei der Aktion im Alien-Slum Kontakt mit einer seltsamen Flüssigkeit hat, verändert sich sein Leben vollkommen. Die Mutation, die diese Flüssigkeit hervorruft, macht ihn zur Zielscheibe von machthungrigen Militärs und des Hasses der Bevölkerung. Im Wechsel mit den Sequenzen, in denen in gewohnter cineastischer Qualität das Geschehen eingefangen wird, gibt es dabei immer wieder die dokumentarischen Ausschnitte, die Meinungen und Vermutungen von Wikus‘ Familie oder seinen Arbeitskollegen einfangen. Eine gelungene Mischung, die dem Film eine Authentizität verleiht, wie es vor einigen Jahren bei Blair Witch Projekt der Fall war – ohne dabei aber hektisch zu wirken.Statt Hektik bietet District 9 zwar ein gesundes Maß an Action, aber eben auch eine Parabel auf das, was täglich in der Welt geschieht. Anspruch und Action – kann das funktionieren? Ja, es funktioniert, wenn man den Film als das aufnimmt, was er ist: ein Spiegel der Gesellschaft. Die Geschichte von Wikus van der Merwe ist durchsetzt von Menschlichkeit und der Erkenntnis, dass man Opfer bringen muss. Teils menschlich, teils außerirdisch versucht er, seinen Weg zu finden. Muss los lassen und sich neu orientieren, kann seine Frau nicht vergessen und fühlt sich durch die Mutation mit den Außerirdischen verbunden, die er zuvor noch verspottete. Gut erzählt, mit den Bildern eingefangen, die direkt ins Herz oder den Verstand gehen, um dort an einer Glocke zu läuten. Am Ende sollten alle Kinobesucher froh sein, dass kein mittelmäßiger Halo-Film, sondern eben District 9 den Weg auf die Leinwand schaffte. FazitEs macht keinen Spaß, diesen Film zu gucken. Und das ist auch der Sinn des Ganzen, denn dieser Film bewegt und kratzt am eigenen Innern. Es ist die Erkenntnis, dass vieles falsch läuft und nur wenig richtig, wenn wir mit den Menschen um uns herum interagieren. Wer District 9 verpasst, der verpasst auch die Chance, mal wachgerüttelt zu werden. |
| Wertung: 10/10 | von Armin Sengbusch (04.09.2009) |
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