Roboter hat man als Protagonisten in Filmen schon in den verschiedensten Rollen gesehen. Ein beliebtes Klischee ist es, sie als Killer einzusetzen, was beispielsweise in der Terminator-Reihe und (teils) im Transformers-Franchise gemacht wird. Doch auch die eher fremd anmutende Idee, dass sie sich wie Menschen benehmen und fühlen können, wurde schon aufgegriffen. Bekannte Beispiele hierfür sind A.I. - Künstliche Intelligenz von Steven Spielberg oder der eher actionlastige I, Robot mit Will Smith. Mit letztgenanntem Genrekollegen lässt sich der neue Bruce Willis-Actioner Surrrogates – Mein zweites Ich auch am besten vergleichen. Doch ist er nur ein simpler Nachklapp oder kann er etwas Eigenständiges bieten?
Plug in and Live
Der technische Fortschritt treibt die seltsamsten Blüten und findet in den Surrogaten (Stellvertretern) wohl ihren Höhepunkt. In dem Streben nach Luxus, Sicherheit und ewiger Jugend haben diese Roboter die Menschheit im Sturm erobert. Das Prinzip ist einfach. Während der Mensch aus Fleisch und Blut in seinem trauten Heim im bequemen Stuhl verweilt, verbindet er sich durch modernste Technik mit seinem Roboter und kann diesen so kontrollieren und steuern. Als Roboter-Ich geht man dann aus dem Haus, zum Job, zum Einkaufen und zu sonstigen Anlässen, ohne auch nur das geringste Risiko für Leib und Leben einzugehen, denn das Alter Ego ist schließlich ein weitaus stabilerer Zeitgenosse als es der Besitzer selbst ist.
Und doch geht eines Abends etwas erheblich schief. Der Sohn des Roboter-Erfinders Canter (James Cromwell) wird von einem Unbekannten mittels einer mysteriösen, höchst tödlichen, EMP-artigen Waffe nicht nur in seiner Roboterform, sondern auch als reale Person getötet. Das ruft Detective Tom Greer (Bruce Willis) und seine Kollegin Peters (Radha Mitchell) auf den Plan. Die Spur führt Greer bald in den abgesperrten Bereich, in dem sich noch echte Menschen aufhalten, die unter Führung von The Prophet (Ving Rhames) gegen die Roboter protestieren. Sollten sie in den Besitz dieser Waffe kommen, so fürchtet Greer, könnte ein Krieg ausbrechen. Nach und nach muss er jedoch erkennen, dass etwas wesentlich Größeres dahinter steckt...
Menschliche Perfektion – Was kann schon schief gehen?
Der Film von Jonathan Mostow, der zufälligerweise auch Terminator 3 inszeniert hat, zeichnet eine Zukunft, die in gewisser Weise an das Verhalten von Menschen im Internet erinnert. Man gestaltet sich seinen Roboter äußerlich so, wie man es will. Ob man wirklich so aussieht, spielt keine Rolle und interessiert auch niemanden. Mit dem wirklichen Menschen kommt man sowieso nicht in Kontakt. Die Menschen leben in einer Welt, in der das Perfekt-Sein zum selbstverständlichen Alltag geworden ist. Das stößt der Figur des Tom Greer auch immer bitterer auf, obwohl er selbst einen Surrogaten benutzt, hasst er es, dass er seine traumatisierte Frau, die ihm seit dem Tod ihres gemeinsamen Sohnes nur noch in Roboterform begegnet, nicht einmal wirklich in den Arm nehmen kann. Dass er nach der Zerstörung seines Roboter-Ichs als Mensch aus Fleisch und Blut nach Jahren wieder selbst auf die Straße muss, fällt ihm merklich schwer. Das hat etwas Entlarvendes und ist nur ein Gedanke, mit dem Surrogates den Zuschauer beschäftigt. Die Story gibt, wenn man denn will, also einiges an Interpretationsmaterial her.
Da es sich hierbei jedoch um einen Actionfilm handelt, muss das Drehbuch irgendwann eine Richtung einschlagen, die das Ganze etwas temporeicher gestaltet. Und hier nimmt die Tragweite der Story dann doch merklich ab und folgt der Film fast konventionellen Pfaden. Selbstverständlich gerät Greer unter Beschuss von mehreren Seiten und will es auf eigene Faust zu Ende bringen, um schließlich der einzige zu sein, der Rettung bringen kann. Die Actionszenen sind dabei nett getrickst und ansehnlich, als Genre-Highlights kann man sie aber nicht bezeichnen, da ist der (ungleich CGI-lastigere) I, Robot um ein Vielfaches spektakulärer. Actionstar Bruce Willis wird somit auch nicht bis an seine Grenzen getrieben, doch das kann sich ja mit dem gerüchtweise kommenden Stirb Langsam 5 ganz schnell wieder ändern.
Fazit
Surrogates ist ein Actioner mit einem souveränen Bruce Willis, der seine Rolle überzeugend spielt, jedoch auch nicht sonderlich gefordert wirkt. Dass die Story zunächst zum Nachdenken anregt, ist als Pluspunkt zu verzeichnen, effektmäßig gibt es auch nichts zu meckern. Schade nur, dass einige Versatzstücke (in der zweiten Hälfte) recht muffig und vorhersehbar wirken, das nimmt dem Film einen Teil seiner Frische. Dennoch ist er mal was anderes als die oft tumben Michael Bay-Haudrauf-Orgien.
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