Für erstes Aufsehen sorgte Armored noch vor seinem deutschen Kinostart. Für fünf Stunden war der Film zu Jahresbeginn nämlich kostenlos im Playstation Store abrufbar. Nette Publicity für einen Streifen, bei dessen Besetzung (u.a. mit Matt Dillon, Laurence Fishburne und Jean Reno) man das eigentlich als gar nicht nötig ansehen würde. Oder täuscht dieser Eindruck etwa?
Das große Geld
Ty Hackett (Columbus Short) ist frisch aus dem Irak zurückgekehrt und steht nun vor einem ganzen Berg von Problemen. Seine Eltern sind vor kurzem gestorben, sein aufmüpfiger Bruder, für den er das Sorgerecht hat, macht ihm das Leben schwer und die Hypothek für das Haus ist kaum zu bezahlen. Da kommt Ty, der bei einer Sicherheitsfirma arbeitet, die auch Geldtransporte durchführt, das kriminelle Angebot von Mike (Matt Dillon) nicht gerade ungelegen. Dieser plant, zusammen mit weiteren Kollegen, einen fingierten Raub von 42 Millionen Dollar. Alles scheint bombensicher und wasserdicht geplant, doch als die Truppe beim Verstecken des Geldes in einer verlassenen Lagerhalle von einem Obdachlosen beobachtet wird, ist das nicht nur dessen Todesurteil, sondern auch der Anfang vom Ende. Ty entdeckt seine Moralvorstellungen wieder und verbarrikadiert sich in einem der Trucks, die vor allem vor einem schützen sollen: dem Einbruch. Seine ihm nun feindlich gesinnten Kollegen setzen alles daran, zu Ty und einem Großteil des Geldes zu gelangen, bevor die Suche nach ihnen allen beginnt…
Verschenkte Darsteller in formelhafter Story
Man kann nur fragend den Kopf schütteln über das schauspielerische Potential, das hier vergeudet wurde. Da hat man einen Matt Dillon, der nicht erst seit Wild Things dafür bekannt ist, unangenehme Bösewichte zu spielen, man hat einen Laurence Fishburne, den die breite Masse spätestens seit seinen Matrix-Auftritten im kollektiven Gedächtnis hat. Dann ist da auch noch Jean Reno, der französische Filmstar, der seinen Schwerpunkt sowieso in seinem Heimatland hat, hätte für Armored mit Sicherheit nicht die Reise in die USA antreten müssen. Er verkommt hier völlig zur Randfigur, was sehr schade ist.
Generell ist Armored vor allem eines: Videothekendutzendware. Das Werk unter Leitung von Nimrod Antal, der bislang nur mit dem durchschnittlichen Thriller Motel einen namhaften Eintrag in seiner Filmographie hat und als Nächstes den 3. Teil der Predator-Reihe inszeniert, ist klischeebeladen und völlig spannungsfrei. Schlimmer noch: wer den Trailer gesehen hat, wurde im Grunde im Schnelldurchlauf über den gesamten Storyverlauf informiert. Selbstverständlich muss es bei so vielen bösen Buben einen geben, der sich dagegen stellt und den Kampf mit ihnen aufnimmt. Diese Rolle fällt Columbus Short zu, der seine Aufgabe engagiert abspult, aber auch nicht überfordert wird.
Ein Problem des Films ist, dass er, obwohl sehr berechenbar, nicht dagegen steuert. Bei Raubszenarien und anschließendem Gruppenkonflikt wäre Raum gewesen für Explosionen, spektakuläre Verfolgungsjagden und Auseinandersetzungen per Körper- oder Schusswaffeneinsatz. Da der Film aber für eine teenagerfreundliche Alterseinstufung konzipiert war und das ohnehin recht geringe Budget von 20 Millionen Dollar wohl mehrheitlich für die Gage der Beteiligten verwendet wurde, muss man diese Hoffnungen schnell begraben.
Fazit
Armored wird jeden, der sich im Actionfilmsektor rudimentär auskennt, nicht hinter dem Ofen hervorlocken können. Zu abgestanden und überraschungsfrei ist der Film inszeniert worden. Seine Armut an Schauwerten lässt den Film bis auf seinen sehr gut besetzten Cast also fast nichts Nennenswertes auf der Habenseite verbuchen. Er hätte also auch, rein von der Wichtigkeit her, im Playstation Store verbleiben können. Der Nächste, bitte…
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