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Filmkritik: Alice im Wunderland

Infos: Verleih: Walt Disney, Länge: 108 Min., Kinostart: 04.03.2010, FSK: ab 12 Jahren
Regie: Tim Burton
Darsteller: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Crispin Glover
Links:Offizielle Seite, Infos bei IMDB
Ein Dreamteam kehrt zurück. Nach Sleepy Hollow, Corpse Bride und Sweeney Todd setzen Tim Burton und Johnny Depp ihre Zusammenarbeit mit einer Verfilmung von „Alice im Wunderland“ fort, ein Stoff der schon einige Male verfilmt wurde. Ursprünglich stammt der Roman „Alice“ von dem britischen Schriftsteller Lewis Carroll. Doch eigentlich ist Burton's „Alice im Wunderland“ keine Verfilmung des Buches, sondern viel mehr eine Fortsetzung.

Zurück ins Wunderland

Alice ist mittlerweile 18 Jahre alt und soll, wenn es denn nach ihrer Mutter geht, einen ziemlich schmierigen Lord heiraten. Danach steht Alice allerdings wenig der Sinn und so läuft sie vor dem Heiratsantrag davon. Natürlich verfolgt sie ein weißes Kaninchen und fällt in ein tiefes Erdloch an dessen Ende sich das Unterland befindet. Da sie seit Jahren von dieser geheimnisvollen Welt und ihren skurrilen Bewohnern träumt, fragt sie sich, ob die Welt real ist oder nur ein Traum.
Lewis Carroll scheint einst „Alice“ geradezu extra dafür geschrieben zu haben, damit gerade Tim Burton über 100 Jahre später diesen Film machen kann. Sowohl der Regisseur als auch die Darsteller fühlen sich sichtlich wohl und sind in höchster Spiellaune zu bewundern. Besonders zu erwähnen ist hier Johnny Depp als Hutmacher, den er als eine Mischung aus Captain Jack Sparrow und Edward mit den Scherenhänden darstellt. Aber auch die Herzkönigin, gespielt von Helena Bonham Carter, ist jede Minute Screentime wert. Im Gegensatz zu Disney's Zeichentrickversion kommt Burton's Wunderland wesentlich düsterer und farbarmer daher, was einem das eine oder andere Staunen ins Gesicht treibt. Die Kulissen sind herrlich verspielt und strotzen nur so vor liebevoller Details. Auch die bekannten Charaktere, wie der Hutmacher, die Grinsekatze oder auch die rauchende Raupe werden wunderbar seltsam in Szene gesetzt.

Alles Burton oder was?

Leider beschlich mich an der einen oder anderen Stelle das Gefühl, dass Disney Mr. Burton etwas an die Leine gelegt hat, denn übliche Burton-Merkmale, wie z.B. teilweise überspitzte Gewalt fehlen hier völlig. Auch wirkt die Welt nur sehr selten gruselig oder bedrohlich, wie man es von Burton eventuell erwarten könnte. Nachdem dann das erste Staunen über die wunderschöne Welt abgeklungen ist, macht sich das größte Problem von „Alice im Wunderland“ bemerkbar. Der Spannungsbogen ist alles andere als rund und somit wird das Geschehen manchmal unnötig in die Länge gezogen. Action gibt es zwar satt, der „Alice“ typische Sarkasmus fehlt aber über weite Strecken.
Erstaunlicherweise profitiert der Film sehr viel weniger von der 3D-Technik als man im Vorfeld vielleicht erwartet hat. Ich neige fast dazu das Gegenteil zu behaupten, denn die plastische Darstellung der 3D-Objekte lenkt die Aufmerksamkeit des Zuschauers unnötig von der Gesamtwirkung der Bilder als solches ab. Der Film funktioniert in der klassischen 2D-Version sicherlich mindestens genauso gut.



Fazit

Tim Burton hat sich in seiner inoffiziellen Fortsetzung des „Alice“-Romans richtig ausgetobt. Er lebt förmlich die verrückte und zugleich düster-schöne Wunderwelt und mit den Darstellern, allen voran Johnny Depp und Helena Bonham Carter, hat er die skurrilen Charaktere ausnahmslos grandios besetzt. Vieles stammt natürlich aus dem Computer, was aber nie künstlich wirkt, da alles vor lebendiger Details nur so wimmelt.
Schwächen zeigen sich allerdings in der Dramaturgie, da lange wenig passiert und zum Ende hin alles etwas gerafft wirkt. Auch die Begründungen warum Alice zurückkehrt und zu welchem Zweck, wirken nicht immer ganz rund und logisch. Am Ende bleibt aber dennoch ein sehr guter Fantasystreifen, der durch und durch liebevoll gemacht ist. Aus der 3D-Technik zieht der Film hingegen weniger Nutzen. Den Aufschlag an der Kinokasse kann man sich also durchaus sparen.
Screen 1
Screen 2
Screen 3
Screen 4
Wertung: 7/10von Jörg Großmüller (06.03.2010)

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