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Filmkritik: Robin Hood

| Infos: | Verleih: Universal, Länge: 140 Min., Kinostart: 13.05.2010, FSK: ab 12 Jahren |
| Regie: | Ridley Scott |
| Darsteller: | Russell Crowe, Cate Blanchett, Max von Sydow, William Hurt, Mark Strong, Oscar Isaac |
| Links: | Offizielle Seite, Infos bei IMDB |
In der x-ten Verfilmung von Robin Hood, diesmal unter der Regie von Ridley Scott, schlüpft Russell Crowe in die Rolle des Rächers der Enterbten. Kann er seine Vorgänger abschießen, oder bleibt er hinter den Erwartungen zurück?Die Entstehung einer LegendeWir schreiben das Jahr 1199 und dem englischen Volk geht es sehr schlecht. Über viele Jahre muss es hohe Abgaben und Entbehrungen ertragen, damit der König Richard Löwenherz (Danny Huston) seinen Krieg in Frankreich finanzieren kann. Unter den Soldaten des Königs befindet sich auch der Bogenschütze Robin Longstride (Russell Crowe), der nach dem Tod Löwenherz’ auf dem Schlachtfeld der Treue zur Krone abschwört und beschließt von nun an sein eigener Herr zu sein. Nachdem er dem sterbenden Ritter Sir Robert Loxley jedoch verspricht dessen Schwert zurück nach Nottingham zu seinem Vater Walter (Max von Sydow) zu bringen, muss er sich von nun an als dessen Sohn und somit als Ehemann von Loxleys Frau Marion (Cate Blanchett) ausgeben.Als in London bekannt wird, dass Löwenherz gefallen ist wird dessen Sohn John (Oscar Isaac) zum König gekrönt. Dieser wird jedoch kurzerhand von seinem Freund Godfrey (Mark Strong) an die Franzosen verraten und hat nun die Aufgabe, das Volk, welches ihn so hasst, zu einen. Bitte nicht noch eine grüne Strumpfhose, oder doch?Nein, definitiv nicht, denn die hat Russell Crowe (Gladiator) gar nicht erst angezogen und das ist auch gut so. Was Ridley Scott (Gladiator) aus dem Frauenheld und Charmebolzen Robin Hood gemacht hat ist mehr als mutig. Er hat es als erster geschafft einen Helden, dessen Legende schon seit Hunderten von Jahren erzählt wurde, glaubhaft und realistisch darzustellen, ohne dabei an Spannung oder Romantik zu verlieren. Das Gegenteil ist der Fall. Durch diese reife Charakterzeichnung schafft er es eine wirklich nachvollziehbare und über weite Strecken spannende Handlung zu erzählen. Dass dieses Vorhaben gelingt ist vor allem dem Cast und den damit verbunden guten bis sehr guten schauspielerischen Leistungen zuzuschreiben. Vor allem Russell Crowe und Cate Blanchett, die man schon fast als neues Traumpaar bezeichnen könnte, machen eine hervorragende Figur und geben dem Film dadurch eine sehr emotionale Note, die aber nie ins Kitschige abrutscht. Mark Strong („Sherlock Holmes“) als zwielichtiger Verräter und Oscar Isaac („Der Mann, der niemals lebte“) spielen ihre Rollen souverän und runden den positiven Eindruck ab.Die Vision von Ridley Scott und Russell Crowe war es Robin Hood in ein raues, kerniges und damit authentisches Gewand zu stecken und genau diese Vision ist die große Stärke des Films. Der Bogenschütze aus dem Sherwood Forest ist kein Model mehr, er ist zum Mann geworden. Russell Crowe vs. Kevin Costner & Co.Vor allem die Idee Robin Hoods Vorgeschichte zu erzählen und die Charaktere in ein anderes Licht zu rücken macht den Film sehr interessant und zeigt wie deutlich sich der Film von allen älteren Versuchen abhebt. Zum Beispiel ist Richard Löwenherz nicht der gutmütige König aus dem Märchen, sondern ein kalter und beim Volk verhasster Herrscher, der lieber seinen kriegstreiberischen Vorlieben nachgeht, als das eigene Land zu regieren. Auch dem Drehbuch ist anzumerken, dass es sich hier um eine deutlich komplexere und erwachsenere Darstellung handelt. Niemand geringerer als Brian Helgeland, der u.a. das Drehbuch für „L.A. Confidential“ schrieb, zeichnet hierfür verantwortlich.Leider schafft es Ridley Scott nicht die wirklich sehr interessanten Ideen und Ansätze konsequent zum Ende zu bringen. Die Story wirkt in der letzten halben Stunde zu trivial und nicht energisch genug, um einem epischen Meisterwerk a la „Braveheart“ ernsthafte Konkurrenz zu machen. Aus handwerklicher Sicht lässt der Film keine Wünsche offen. Die Ausstattung ist einwandfrei, alles passt vorbildlich zusammen und wirkt wie aus einem Guss. Vor allem die teils epischen Bilder und wunderbaren Landschaftsaufnahmen kann man nur als atemberaubend bezeichnen. Man sollte jedoch nicht den Fehler machen und „Robin Hood“ als reinen Actionfilm betrachten. Das ist er definitiv nicht. Auch wenn einige bravourös inszenierte Sequenzen zu finden sind, strotzt er nicht davor. Das ist aber in keinem Fall negativ zu bewerten, sondern zeigt vielmehr, wie kreativ und interessant das neue Konzept ist, denn vermissen wird man die Action zu keiner Zeit. FazitJedes Jahrzehnt hat seinen Robin Hood. Nach diesem sollte man sich jedoch ernsthaft die Frage stellen, ob noch einer benötigt wird. Ridley Scott hat es geschafft einem Strumpfhosen-Helden mit Vokuhila ein angenehm natürliches Facelift zu verpassen und eine neue, reifere und realere Geschichte zu erzählen.„Sich erheben, immer und immer wieder, bis die Lämmer zu Löwen werden.“ Das ist der wichtigste Satz im Film und im gleichen Moment der wichtigste über ihn, denn das Lamm Robin Hood ist endlich zum Löwen geworden. |
| Wertung: 8/10 | von Philipp Seidel (14.05.2010) |
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