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Filmkritik: Inception

 
Infos: Verleih: Warner, Länge: 148 Min., Kinostart: 29.07.2010, FSK: ab 12 Jahren
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Marion Cotillard, Ellen Page, Ken Watanabe, Michael Caine
Links:Offizielle Seite, Infos bei IMDB

Screen 1
Dom Cobb kurz vor der Extraktion
Screen 2
Ihm bleiben nur Erinnerungen
Screen 3
Cobbs Vater soll ihm helfen das Team zusammen zu stellen
Screen 4
Oft kommt alles anders als man denkt
Nach The Dark Knight hätten viele auf eine Rückkehr des dunklen Ritters gehofft. Doch Christopher Nolan hatte zunächst noch eine Vision auf die Leinwand zu bringen, Inception. Ob sich das Verschieben von Batman 3 gelohnt hat?

Die Geburt einer Idee

Es gibt eine Situation in der der Mensch, egal ob er will oder nicht, seine geheimsten Gedanken preis gibt. Diese Situation ist der Traum. Genau diesen Sachverhalt macht sich Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) zu Nutze, wenn er beispielsweise Betriebsgeheimnisse stehlen möchte. Er folgt den „Objekten“ (Personen die bestohlen werden) in die Traumwelt wo er ihr Vertrauen gewinnt und ihnen somit die nötigen Informationen zur „Extraktion“ (Stehlen der Gedanken) entlockt. Bei dem Versuch den Großaktionär Saito (Ken Watanabe) zu beklauen geht er jedoch zu unvorsichtig vor. Dieser erkennt die Fähigkeiten Cobbs und schlägt ihm ein lukratives Angebot vor. Dom soll eine „Inception“ durchführen. Das bedeutet er hat den Auftrag eine Idee so in die Gedankenwelt des Groß-Erben Fisher (Cillian Murphy), seines Zeichens Konkurrent Saitos, zu pflanzen, dass dieser glaubt sie sei von ihm selbst und ihn dazu veranlasst seine Firma zu verkaufen. Als Gegenleistung verspricht Saito, dass Cobb wieder in die USA einreisen kann, um seine Kinder zu sehen. Hier wird er gesucht, weil er seine Frau Mal (Marion Cotillard) umgebracht haben soll.
Da so ein Job nicht allein erledigt werden kann sucht er sich ein Team von Extraktions-Profis, darunter die junge Architekturstudentin Ariadne (Ellen Page), die ihm die Träume, also die Areale des Traums, konstruieren soll.

Zwischen Traum und Realität

Es gehört leider heutzutage außer einem Riesenbudget oft nicht mehr viel dazu einen Film in die Kinos zu bringen, der die Kassen ordentlich klingeln lässt. Dass hierbei die Story und die wirkliche Substanz nicht selten auf der Strecke bleiben ist nur zu offensichtlich. Umso schöner ist es, wenn wieder eine Ausnahme am Film-Horizont zu erkennen ist, die zeigt, dass Erfolg nicht Substanz ausschließen muss. Eine der bedeutendsten Ausnahmen der letzten Jahre ist zweifelsohne Christopher Nolan. Scheinbar mühelos vermochte er es filmisch immer wieder eins drauf zu setzen und machte sich damit schnell einen Namen, als Garant für hervorragende Leistungen. Er rettete sowohl Batman vor dem endgültigen Absturz und zeigte mit „Prestige“ und „Memento“, dass er selbst vor komplexesten Erzählungen nicht zurück schreckt. Was er jedoch mit „Inception“ geschaffen hat dürfte die Filmwelt der nächsten Jahre in ähnlich starker Art und Weise beeinflussen, wie etwa „The Matrix“. Es stimmt schlichtweg alles.
Dieser Film ist eine Ansammlung von genialer und virtuoser Erzählweise und inszenatorischer Beispiellosigkeit eingepackt in ein opulentes und surreales Gewand, das so noch nicht zu sehen gewesen sein dürfte. Der Spagat zwischen Sommerblockbuster und echtem Mindfuck geschieht hier so spielerisch und perfekt, dass man es nicht intensiver erleben könnte wenn man direkt neben Leo stehen würde.

„Weck mich auf, weck mich auf!“

Ob es hier und da Logikfehler gibt spielt von der ersten Sekunde an keine Rolle. Nolan schiebt jeglicher Diskussion diesbezüglich einen Riegel vor und schafft schlicht keinen Nährboden dafür, weil er den Plot so gnadenlos und handwerklich perfekt vorantreibt, dass der Zuschauer beim bloßen Gedanken an einen Toilettengang den roten Faden aus den Augen verliert. Damit das funktioniert ist natürlich ein Cast von Nöten, der zu jeder Zeit auf höchstem Niveau agieren kann. Allen voran wiedermal Leonardo DiCaprio, der mit seiner wahrlich perfekten Leistung nun endgültig den Ruf als vielleicht bester Charakterdarsteller unserer Zeit inne haben dürfte. An seiner Seite wirken die gewohnt grandios aufspielende Marion Cotillard („Public Enemies“) und die junge Ellen Page („Juno“), die ihrem Ruf als große Nachwuchshoffnung alle Ehre macht und gerade jungen Zuschauer eine sehr gute Einstiegsmöglichkeit bietet. Was den Kontakt zwischen Publikum und Film aber auf Dauer aufrecht hält sind vor allem die alltäglichen und vermeintlich simplen Werte wie Liebe und Familie, die einen die Kluft zur komplexen Story problemlos überwinden lassen.
In Sachen Spannung werden neue Maßstäbe gesetzt wenn Nolan die Geschichte wie in einem Kaninchenbau von Traumebene zu Traumebene immer weiter hinein treibt. Hierbei unterstützen ihn aber vor allem die perfekten Bilder und der Score von Hans Zimmer, der wieder einmal beweist, dass ein guter Soundtrack nicht zwangsläufig eine einprägsame Melodie haben muss, sondern den Film unterstützen sollte.

Fazit

Inception ist ein Meisterwerk - vielleicht DAS Meisterwerk der modernen Filmgeschichte. Was hier für den Preis einer Kinokarte geboten wird ist unerreicht. Vom ersten Moment an befindet man sich in einem Traum, der noch Tage im Kopf bleiben wird. Die Bilder und Erlebnisse, dieses Opus Magnum übersteigen die jeder Vorstellung. Ausnahmslos niemand sollte sich das entgehen lassen.
Wertung: 10/10von Philipp Seidel (29.07.2010)
 
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