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Filmkritik: Drive

| Infos: | Verleih: Universum Film, Länge: 140 Min., Kinostart: 26.1.2012, FSK: ab 18 Jahren |
| Regie: | Nicolas Winding Refn |
| Darsteller: | Ryan Gosling, Carey Mulligan, Albert Brooks, Bryan Cranston, Christina Hendricks |
| Links: | Offizielle Seite, Infos bei IMDB |
Ich bin ein Freund von Thrillern, Action-Streifen und Krimis, ich war ein Fan von Humphrey Bogart, als er unter dem Namen „Sam Spade“ unterwegs war, auch wenn ich dafür nicht ins Kino gehen musste. Den Film Noir Klassiker habe ich auf dem heimischen Schwarz-Weiß-Fernseher verfolgt, obwohl ich es gar nicht durfte. Mit Drive steht nun ein Werk ins Haus, das ähnlich wie damals den Krimi neu erfinden soll, das neue Maßstäbe setzen will. Und in gewisser Hinsicht tut der Film von Regisseur Nicolas Winding Refn das auch, wobei man darüber natürlich auch geteilter Meinung sein darf. Oder muss. Oder kann. Oder soll. Auf den Zuschauer wartet auf jeden Fall ein Film, der sich nicht gleich einordnen lässt.Mit dem Wagen und mit GewaltTagsüber arbeitet Driver (Ryan Gosling) als Stuntman für Hollywood. Reine Routine. Erst nachts erwacht der wortkarge Einzelgänger zum Leben, als Fahrer von Fluchtfahrzeugen bewaffneter Einbrüche. Keiner kann ihn schnappen, keiner kann ihm das Wasser reichen. Dann lernt der coole Driver seine neue Nachbarin Irene (Carey Mulligan) kennen – und verliebt sich in die alleinerziehende Mutter. Als Irenes Ehemann Standard (Oscar Isaac) aus dem Knast entlassen wird, lässt sich Driver zu einem vermeintlich todsicheren Ding überreden: Mit dem erbeuteten Geld will Standard seine Schulden abbezahlen und Irene eine gesicherte Zukunft bieten. Doch alles geht schief. Die Jagd auf Driver und Irene ist eröffnet – wenn es ihm nicht sofort gelingt, den Spieß umzudrehen ...Verdammt, ehrlich: Muss das sein?Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden, sondern direkt zum Punkt kommen. Als der Abspann auf der Leinwand lief, war ich sauer, ich war enttäuscht. Warum? Weil Drive in vielerlei Hinsicht ein Meisterwerk ist und in einigen wenigen Punkten nicht. Nun könnte dieser Kontrast als Stilmittel aufgefasst werden und ich habe mich vor und während und nach dem Schreiben der Rezension gefragt, ob ich überhaupt noch zeitgemäß mit meinen Sinnen ausgestattet bin. Aber ich fange an, wo alles anfängt.Der Film startet mit einer der ruhigsten und abgeklärtesten Verfolgungsjagden, die ich auf der Leinwand erlebt habe. Ruhige Bilder, keine große Hektik, aber dennoch entwickelt sich Spannung. Passend dazu – wie ein roter Faden im gesamten Film – die Musik, die auf grandiose Weise die Bilder in Tönen widerspiegelt. Und diese meisterhafte Inszenierung setzt sich fort, sie findet einen Weg, die Liebesbeziehung zwischen Irene und dem Driver einzufangen, ohne dabei plakativ oder billig zu wirken. Unglaublich, wie Ryan Gosling mit spärlichen Gesten und schüchterner Mimik eine Stimmung erzeugt, Gleiches gilt im Übrigen für Carey Mulligan. Ein Vergleich zu „The Machinist“, der ebenso ruhig, aber doch eindringlich inszeniert wurde, drängt sich auf, bis Refn die Grenzen des Behutsamen überschreitet. Vier, fünf Szenen sind es, die alles zerstören, was Kamera, Musik und Regiearbeit vorher in mühevoller Kleinarbeit aufbauen. Szenen, in denen es um schonungslose Gewalt geht, in denen ein Kopf von einem Schrotgewehr weggeblasen, ein anderer zertreten wird, in denen einem Kerl eine Stange in einen Hals gerammt wird und – nein, ich belasse es dabei, den Rest können sich Fans von Gewalt gern selbst ansehen. Dabei bin ich ein Freund von filmischer Brutalität – wenn es in das Gesamtbild passt. Doch die Sache mit dem Gesamtbild ist hier nicht stimmig. Refn wirft mit so viel Ästhetik um sich, er tut es nach und zwischen diesen Szenen auch wieder, sodass das Ende und die finalen Kämpfe fast versöhnlich wirken, so als ob er sagen wolle: Kommt, das waren doch nur Ausrutscher. Dazu ist es schade, dass der Zuschauer nichts über den Hintergrund des Hauptdarstellers erfährt: Der Driver kommt und geht, woher und wohin, das weiß niemand. Das wirkt auf der einen Seite unglaublich cool, degradiert den Film auf der anderen Seite aber auch zur Bedeutungslosigkeit, weil es keine Tiefe in der Handlung gibt. Das können auch die guten schauspielerischen Leistungen nicht wettmachen, die zumindest den Personen Leben einhauchen können. Die Geschichte selbst bleibt blass – die einzigen Farbtupfer sind die Blutflecken, die überall zurückbleiben. Funktionieren würde der Film auch mit der Ästhetik, mit der sich der Driver an den letzten beiden Männern im Film rächt, aber diesen Gefallen tut Refn dem Zuschauer nicht. Armins FazitJa, ich war sauer, ja, ich schüttle noch immer den Kopf über die sinnlose Gewaltdarstellung. Das Subtile, das Regisseur Refn im Film beschwört, reißt er mit einem Ruck ein. Schonungslos und übertrieben. Ich kann gar nicht beschreiben, wie enttäuscht und entsetzt ich war, als die Gewaltszenen plötzlich das großartige Bild des Films zerstörten, denn bis zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich der Ansicht, dass eine neue Form des Thrillers, des Krimis angebrochen sei.Natürlich wird es auch genug Menschen geben, die diese Gewaltdarstellung für großartig halten, aber zum einen sind sie als Stilmittel nicht neu, zum anderen muss sich dann auch jeder hinterfragen, wo sein Geschmack anfängt und wo er endet, was er als stilvoll betrachtet und was nicht. Zart besaitete Gemüter sollten den Film in jedem Fall meiden. Meine Wertung: 5/10 Romans FazitDrive hat mich kalt erwischt. Ich wusste nicht recht, was ich nach dem Trailer erwarten sollte. Für ein Roadmovie a la Tarantino war das Ambiente zu unaufgeregt, für eine moderne Bullitt-Variante war es zu düster. Was das Duo Winding Refn/Gosling hier geschaffen hat, ist ein Film, der eine eigenartige und höchst seltene Anziehungskraft ausstrahlt. CGI-Effekte, Schnitt-Stakatos und unrealistische Actionszenen sind in Hollywood Alltag, von dem sich Drive klar abgrenzt und somit fast schon zu sowas wie einem Exoten wird, der vielleicht auch deswegen auf so viel erstauntes Wohlwollen bei Kritikern und Zuschauern trifft.Winding Refns hypnotische Bildsprache und Erzählweise wird durch Goslings beinahe schon minimalistisches Spiel perfekt ergänzt. Jäh durchbrochen wird dieser stilistische Rausch dann von Gewaltszenen, die in ihrer Heftigkeit überraschen. Man kann das verständlicherweise ablehnen und fragen, ob das nötig ist. Man kann aber auch versuchen zu ergründen, warum sie vorhanden sind, etwa um zu demonstrieren: Lass dich nicht einlullen von Optik und Musik, es ist immer noch eine brutale Gangsterstory. Diese Konsequenz in allen Bereichen findet meine Beachtung. Meine Wertung: 8/10 |
| von Armin Sengbusch (22.01.2012) |
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