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Kolumne: Wir warten alle auf Weihnachten
Nur noch sieben Monate, dann ist wieder Weihnachten und als Spieletester kann ich schon jetzt voller Angst an nichts anderes denken. Warum das so ist? Im Grunde genommen bin ich in den Sommermonaten fast arbeitslos, mal abgesehen von den fast schon verschämt veröffentlichten Spielen, die beinahe versehentlich im Juli oder August erscheinen. Im Winter bricht dann das Chaos herein und auf meinem Schreibtisch türmen sich unzählige Plastik-Cover. Natürlich, sagt die Spiele-Industrie, hat das auch einen Grund: Schließlich haben die Menschen zu Weihnachten mehr Geld oder sind einfach eher bereit, es auszugeben. Eltern schenken ihren Kindern ein neues Spiel, das dann unter dem Baum liegt, Erwachsene tun sich selbst einen Gefallen und verschönern sich die Fest-Tage mit einer Ballerorgie. Die Strategie der Publisher ist im Grunde genommen eine tolle Idee, nur funktioniert sie nicht.
In der Zeit vom Mitte November bis Mitte Dezember treten unzählige Spiele gegeneinander an, von denen die meisten vollkommen unbekannt bleiben, weil sie in einer Woge von Konkurrenz untergehen. Wenn in diesem Herbst GTA IV veröffentlicht wird – und es wird sicher erst im November sein, so wie ich es mir denke – dann kommen auch noch Halo 3 und Haze heraus und sorgen auf der PS3 und der Xbox 360 für Konkurrenz. Klar, das beste Spiel setzt sich durch, aber warum legen es die Publisher auf so einen Wettstreit an? Das ist einfach kompletter Unsinn und Lost Planet hat es in diesem Jahr vorgemacht, wie es richtig gehen kann: Ein konkurrenzlos im Januar veröffentlichter Shooter, Rainbow Six: Vegas und der indizierte Epic-Ballermann hatten sich im Dezember um den Genre-Thron geprügelt, aber zu Beginn des Jahres waren die Jungs von Capcom mit ihrem Schnee-Krieg allein auf weiter Flur. Im Vergleich zu den beiden erwähnten Titeln hätte Lost Planet klar den Kürzeren gezogen, aber so gab es den ersten „Überraschungshit“.
Was im Online-Magazin vielleicht nicht ganz so schlimm ist und lediglich dafür sorgt, dass ein Testbericht nach dem anderen erscheint, sprengt im Printbereich ganz einfach den Rahmen. Ab einer gewissen Seitenzahl rechnet sich das Ganze nicht mehr und so fallen einige Tests von neuen Spielen ganz einfach vom Schreibtisch, denn einen Monat später ist der Titel veraltet. So gehen einige Games dann auch vollkommen unter, was oft gar nicht so schlecht ist, manchmal aber auch schade.
Wenn ich als einziger in einem 100-Meter-Lauf antrete, dann gewinne ich auch. Laufen alle gleichzeitig, dann bekommt nur der Sieger die Lorbeeren – das ist logisch, aber trotzdem sitzen in den Büros der Publisher Menschen, die alle denselben Gedanken haben: „Lasst uns das Weihnachtsgeschäft mitnehmen, dann verdienen wir mehr.“
Am besten, liebe Spiele-Hersteller, Programmierer und Grafiker und Texter und was weiß ich noch, am besten ist es, wenn ihr euch alle auf ein Genre einigt und dann zu Weihnachten jeder eine Wirtschaftssimulation herausbringt. Vielleicht lernt ihr in dem Spiel dann auch, was eine vernünftige Verkaufsstrategie ist und kommt von ganz allein auf die Idee, einen Titel im Sommer zu veröffentlichen und konkurrenzlos massenhaft Geld zu scheffeln.
Einziger Vorteil des ganzen Dilemmas: Im Sommer gibt es die ganzen „Gurken“, die noch zu Weihnachten als Vollpreis-Flop im Handel waren, in der Low-Budget-Ecke zu kaufen. Aber wer will schon im Sommer ein Spiel haben, das bald ein Jahr auf dem Buckel hat und eine müde 70er-Wertung bekam, wenn nur ein paar Monate später wieder Nachschub aus den Edelschmieden in den Regalen steht. Bürohengste olé, wir warten alle auf Weihnachten.
Armin Sengbusch
In der Zeit vom Mitte November bis Mitte Dezember treten unzählige Spiele gegeneinander an, von denen die meisten vollkommen unbekannt bleiben, weil sie in einer Woge von Konkurrenz untergehen. Wenn in diesem Herbst GTA IV veröffentlicht wird – und es wird sicher erst im November sein, so wie ich es mir denke – dann kommen auch noch Halo 3 und Haze heraus und sorgen auf der PS3 und der Xbox 360 für Konkurrenz. Klar, das beste Spiel setzt sich durch, aber warum legen es die Publisher auf so einen Wettstreit an? Das ist einfach kompletter Unsinn und Lost Planet hat es in diesem Jahr vorgemacht, wie es richtig gehen kann: Ein konkurrenzlos im Januar veröffentlichter Shooter, Rainbow Six: Vegas und der indizierte Epic-Ballermann hatten sich im Dezember um den Genre-Thron geprügelt, aber zu Beginn des Jahres waren die Jungs von Capcom mit ihrem Schnee-Krieg allein auf weiter Flur. Im Vergleich zu den beiden erwähnten Titeln hätte Lost Planet klar den Kürzeren gezogen, aber so gab es den ersten „Überraschungshit“.
Was im Online-Magazin vielleicht nicht ganz so schlimm ist und lediglich dafür sorgt, dass ein Testbericht nach dem anderen erscheint, sprengt im Printbereich ganz einfach den Rahmen. Ab einer gewissen Seitenzahl rechnet sich das Ganze nicht mehr und so fallen einige Tests von neuen Spielen ganz einfach vom Schreibtisch, denn einen Monat später ist der Titel veraltet. So gehen einige Games dann auch vollkommen unter, was oft gar nicht so schlecht ist, manchmal aber auch schade.
Wenn ich als einziger in einem 100-Meter-Lauf antrete, dann gewinne ich auch. Laufen alle gleichzeitig, dann bekommt nur der Sieger die Lorbeeren – das ist logisch, aber trotzdem sitzen in den Büros der Publisher Menschen, die alle denselben Gedanken haben: „Lasst uns das Weihnachtsgeschäft mitnehmen, dann verdienen wir mehr.“
Am besten, liebe Spiele-Hersteller, Programmierer und Grafiker und Texter und was weiß ich noch, am besten ist es, wenn ihr euch alle auf ein Genre einigt und dann zu Weihnachten jeder eine Wirtschaftssimulation herausbringt. Vielleicht lernt ihr in dem Spiel dann auch, was eine vernünftige Verkaufsstrategie ist und kommt von ganz allein auf die Idee, einen Titel im Sommer zu veröffentlichen und konkurrenzlos massenhaft Geld zu scheffeln.
Einziger Vorteil des ganzen Dilemmas: Im Sommer gibt es die ganzen „Gurken“, die noch zu Weihnachten als Vollpreis-Flop im Handel waren, in der Low-Budget-Ecke zu kaufen. Aber wer will schon im Sommer ein Spiel haben, das bald ein Jahr auf dem Buckel hat und eine müde 70er-Wertung bekam, wenn nur ein paar Monate später wieder Nachschub aus den Edelschmieden in den Regalen steht. Bürohengste olé, wir warten alle auf Weihnachten.
Armin Sengbusch
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