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Kolumne: Schießt Geld Tore oder hat EA den richtigen Trainer?
Heute Morgen machte es die Runde: EA übernimmt die Studios Pandemic (Full Spectrum Warrior, Star Wars Battlefront, Mercenaries) und BioWare (Jade Empire, Mass Effect). Im Grunde ist es nichts Besonderes, dass Studios von Publishern übernommen werden, so schluckte Activision zum Beispiel die Guitar Hero-Macher Red Octane und vor kurzem Bizarre Creations (Project Gotham Racing), oder Take 2 verleibte sich Firaxis (Civilization) und Irrational Games (mittlerweile 2K Boston, BioShock) ein. Die Frage ist nur, ob die Großen die Kleinen plattmachen oder ob sie den Unterbau durch solche Übernahmen stärken. So wie der FC Bayerrn regelmäßig die Bundesliga leer kauft und damit andere Vereine schwächt – und sich manchmal auch stärkt. Manchmal. So wie EA auch.
Gerade wenn EA Studios schluckt, werden böse Erinnerungen wach. Ältere Spieler denken mit Wehmut an große Spieleschmieden wie Westwood und Origin zurück, deren einstiger Ruhm durch die Übernahme jäh verblasste. Woran das liegt? Im Fußball heißt es: „Geld schießt keine Tore“ – und das trifft wohl auch auf die Spielewelt zu, in der viele Euro keine gute Belegschaft garantieren. Und das hatte EA wohl auch nicht auf dem großen Zettel, denn nachdem Origin noch Spiele wie System Shock, Strike Commander und die letzten Teile der Wing Commander- und der Ultima-Serie hervorbrachte, sprangen nach und nach die kreativen Köpfe ab. Chris Roberts, Schöpfer der Wing Commander-Serie, gründete Digital Anvil 1996, Warren Spector ging via Looking Glass zu Ion Storm und nachdem EA – durch den Erfolg von Ultima Online angespornt – die Idee hatte, Origin zu einem reinen Online-Studio zu machen, kurz darauf aber alle Projekte wieder einstampfte, hatte auch Origin-Gründer Richard Garriott (Lord British) 2000 die Nase voll. 2004 wurde das Studio eingestampft. Manchmal schließt Geld eben Tore, statt sie zu schießen. Oder sind das alles Abschreibungsobjekte für die Gewinnminimierung?
Ach, und bevor jetzt jemand etwas anderes behauptet: Bei Westwood (Command & Conquer) lief es ähnlich, wo nach der Übernahme durch EA 1998 sukzessive Mitarbeiter das Studio verließen, weil dort nicht mehr unabhängig agiert werden durfte. Als dann 2003 die ganze Marke eingestampft und die Mitarbeiter in EA eingegliedert wurden, gründeten einige stattdessen lieber das Studio Petroglyph (Empire at War) und nahmen viel Echtzeitstrategie-Wissen mit. Klar, wer will schon unter der großen EA-Fuchtel arbeiten und Fließband-Spiele produzieren, deren Name sich nur durch die Jahreszahl vom Vorgänger unterscheidet? Welcher Mittelfeld-Regisseur will in einer Mannschaft spielen, in der seine Kreativität nicht mehr gefragt ist und er nun noch auf der Außenbahn für Flanken sorgen darf?
Natürlich machen sich nun Rollenspieler Sorgen, dass es dem traditionsreichen Entwickler Bioware schlecht ergehen könnte. Aber: Es kann auch mal anders laufen: Die Criterion Studios werkeln immer noch an der Burnout-Serie, ohne dass es einen für EA typischen Abnutzungseffekt gegeben hätte. Auch die DICE-Übernahme hat die schwedischen Battlefield-Macher bislang nicht aus der Bahn geworfen. Vielleicht haben die Jungs von Electronic Arts nun ja dazu gelernt und wissen, wie sie ein Studio übernehmen können, ohne dass gleich alle das Schiff verlassen. Oder die Mannschaft. Lukas Podolski ist ja auch noch bei den Bayern und erklärte, dass er eben noch hart an sich arbeiten müsse.
Wenn EA-Chef John Riccitello erklärt, der Branchenprimus sei im Bereich Action und RPGs nicht ausreichend besetzt, dann muss eben für Zuwachs gesorgt werden. So wie die Bayern mit Luca Toni und Frank Ribery zwei Weltklasse-Spieler eingekauft haben, die aber nicht ihren Stil wechseln müssen, sondern so kicken, wie sie es können. So kann es laufen, liebe EA-Einkäufer, nehmt euch ein Beispiel am FC Bayern München – übrigens auch ein Branchen-Primus mit gespaltener Wirkung in der Öffentlichkeit. Wenn BioWare sich um das ehemals geplante Herr der Ringe-Rollenspiel Der Weiße Rat kümmern oder Pandemic dafür sorgen würde, dass das nächste Der Pate-Spiel mehr als nur den Namen zu bieten hat, wäre das doch auch im Sinne der Spieler. So wie Luca Toni Tore am Fließband schießt, weil er eben nicht als Verteidiger eingesetzt wird. Wenn EA ihre Millioneneinkäufe – immerhin geschätzte 800 Millionen Dollar – also vernünftig einsetzt, dann schießen die auch noch Tore. Oder sie haben einen millionenschweren Bankdrücker wie Vahid Hashemian damals bei den Bayern – ob Geld nun Tore schießt, das entscheidet eben der Trainer. Hoffentlich ist EA da gut besetzt.
Jörg Benne / Armin Sengbusch
Gerade wenn EA Studios schluckt, werden böse Erinnerungen wach. Ältere Spieler denken mit Wehmut an große Spieleschmieden wie Westwood und Origin zurück, deren einstiger Ruhm durch die Übernahme jäh verblasste. Woran das liegt? Im Fußball heißt es: „Geld schießt keine Tore“ – und das trifft wohl auch auf die Spielewelt zu, in der viele Euro keine gute Belegschaft garantieren. Und das hatte EA wohl auch nicht auf dem großen Zettel, denn nachdem Origin noch Spiele wie System Shock, Strike Commander und die letzten Teile der Wing Commander- und der Ultima-Serie hervorbrachte, sprangen nach und nach die kreativen Köpfe ab. Chris Roberts, Schöpfer der Wing Commander-Serie, gründete Digital Anvil 1996, Warren Spector ging via Looking Glass zu Ion Storm und nachdem EA – durch den Erfolg von Ultima Online angespornt – die Idee hatte, Origin zu einem reinen Online-Studio zu machen, kurz darauf aber alle Projekte wieder einstampfte, hatte auch Origin-Gründer Richard Garriott (Lord British) 2000 die Nase voll. 2004 wurde das Studio eingestampft. Manchmal schließt Geld eben Tore, statt sie zu schießen. Oder sind das alles Abschreibungsobjekte für die Gewinnminimierung?
Ach, und bevor jetzt jemand etwas anderes behauptet: Bei Westwood (Command & Conquer) lief es ähnlich, wo nach der Übernahme durch EA 1998 sukzessive Mitarbeiter das Studio verließen, weil dort nicht mehr unabhängig agiert werden durfte. Als dann 2003 die ganze Marke eingestampft und die Mitarbeiter in EA eingegliedert wurden, gründeten einige stattdessen lieber das Studio Petroglyph (Empire at War) und nahmen viel Echtzeitstrategie-Wissen mit. Klar, wer will schon unter der großen EA-Fuchtel arbeiten und Fließband-Spiele produzieren, deren Name sich nur durch die Jahreszahl vom Vorgänger unterscheidet? Welcher Mittelfeld-Regisseur will in einer Mannschaft spielen, in der seine Kreativität nicht mehr gefragt ist und er nun noch auf der Außenbahn für Flanken sorgen darf?
Natürlich machen sich nun Rollenspieler Sorgen, dass es dem traditionsreichen Entwickler Bioware schlecht ergehen könnte. Aber: Es kann auch mal anders laufen: Die Criterion Studios werkeln immer noch an der Burnout-Serie, ohne dass es einen für EA typischen Abnutzungseffekt gegeben hätte. Auch die DICE-Übernahme hat die schwedischen Battlefield-Macher bislang nicht aus der Bahn geworfen. Vielleicht haben die Jungs von Electronic Arts nun ja dazu gelernt und wissen, wie sie ein Studio übernehmen können, ohne dass gleich alle das Schiff verlassen. Oder die Mannschaft. Lukas Podolski ist ja auch noch bei den Bayern und erklärte, dass er eben noch hart an sich arbeiten müsse.
Wenn EA-Chef John Riccitello erklärt, der Branchenprimus sei im Bereich Action und RPGs nicht ausreichend besetzt, dann muss eben für Zuwachs gesorgt werden. So wie die Bayern mit Luca Toni und Frank Ribery zwei Weltklasse-Spieler eingekauft haben, die aber nicht ihren Stil wechseln müssen, sondern so kicken, wie sie es können. So kann es laufen, liebe EA-Einkäufer, nehmt euch ein Beispiel am FC Bayern München – übrigens auch ein Branchen-Primus mit gespaltener Wirkung in der Öffentlichkeit. Wenn BioWare sich um das ehemals geplante Herr der Ringe-Rollenspiel Der Weiße Rat kümmern oder Pandemic dafür sorgen würde, dass das nächste Der Pate-Spiel mehr als nur den Namen zu bieten hat, wäre das doch auch im Sinne der Spieler. So wie Luca Toni Tore am Fließband schießt, weil er eben nicht als Verteidiger eingesetzt wird. Wenn EA ihre Millioneneinkäufe – immerhin geschätzte 800 Millionen Dollar – also vernünftig einsetzt, dann schießen die auch noch Tore. Oder sie haben einen millionenschweren Bankdrücker wie Vahid Hashemian damals bei den Bayern – ob Geld nun Tore schießt, das entscheidet eben der Trainer. Hoffentlich ist EA da gut besetzt.
Jörg Benne / Armin Sengbusch
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