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Kolumne: Killerspiele, Lynchjustiz und schwachsinnige Gesetze
Die Killerspiel-Debatte nervt mich – und wenn mal etwas Licht ins Dunkel kommen soll, dann ist es sofort wieder Nacht. Ich fand es eine gute Idee, Kinder als Testkäufer loszuschicken, um die Läden zu überprüfen, aber daraus wird nun wohl nichts. Ich habe nichts gegen die so genannten Killerspiele, obwohl ich eher Pazifist bin. Dummerweise packt der Staat seinerseits Kanonen aus, um damit auf Spatzen zu schießen, statt Aufklärung gibt es nur Polemik, statt einer vernünftigen Kampagne gibt es strikte Verbote. Wohin das führen kann? Als Beispiel gebe eine Szene aus einer Filiale eines großen Elektrofachhandel – die Namen der Handelskette und der Beteiligten habe ich einfach mal weggelassen, schließlich ist es ein laufendes Verfahren..
Ich stehe an der Kasse und bezahle artig meine neuen, alten Xbox-360-Spiele – die Classic-Editionen sind günstig und unterstützen meinen Sammeltrieb. Direkt neben mir steht ein Dreikäsehoch, der vielleicht 13 Jahre alt ist und so entsetzlich nach Zigarettenqualm stinkt, dass ich um meine Lunge fürchte. Immerhin verbindet uns die Liebe zu den Classic-Editionen, denn er hält in seiner Hand Perfect Dark Zero - eines der ersten Spiele für die 360er Konsole. Und während ich noch überlege, wie ich die Spiele jetzt in meinem viel zu kleinen Rucksack unterbringen will, bezahlt der Knabe kommentarlos, schiebt sich an mir vorbei in Richtung Ausgang.
„Haben sie das gesehen?“, frage ich die Kassiererin.
„Was? Dass er sie berührt hat? Gehen sie doch ein Stück zur Seite!“
„Nein, ich meine das Spiel, das er gekauft hat.“
Sie schüttelt genervt den Kopf: „Immerhin hat er das Spiel gekauft und nicht geklaut“, erklärt sie lakonisch und wendet sich dem nächsten Kunden zu. Doch ich halte sie am Arm: „Gute Frau, gebt fein Obacht“, beginne ich im besten Oblivion-Deutsch, „der Junge hat gerade ein Spiel gekauft, das nicht für sein Alter gedacht ist.“
„Und wer hat das gedacht? Sie? Mann, ich muss hier arbeiten!“
„Menno“, quengle ich, „das ist rechtlich nicht in Ordnung, der darf das Spiel nicht kaufen.“
„Warum? Wollten sie es haben? Rechtlich nicht in Ordnung? Sehe ich aus, als würde ich Strafzettel verteilen?“ Die Schlange, die sich jetzt an der Kasse gebildet hat, beginnt sich zu formieren. Ein Teil kichert noch über die Strafzettel, der Rest beginnt zu pöbeln und es tönt fast unisono: „Geht es da vorn gleich mal weiter?“
„Nein!“, rufe ich zurück, „hier werden Spiele für Erwachsene an Minderjährige verkauft, hier geht gar nichts weiter.“ Und ich wundere mich, woher ich den Mut nehme, das zu sagen.
„Spiele sind für Kinder, nicht für Erwachsene – lassen sie doch den Jungen in Ruhe!“, zetert eine junge Frau mit einem Greenpeace-Aufnäher auf der Wollmütze. „Genau, lassen sie den Jungen in Ruhe“, brüllt nun auch ein dicker Mann, den Greenpeace beim Walsterben vermutlich gerettet hat. Doch der Boden wird nun heiß, die aufgebrachte Menge will mich schon in mittelalterlicher Manier lynchen, als der Junge plötzlich wieder mit hochrotem Kopf an der Kasse steht und kleinlaut fragt: „Kann ich das Spiel umtauschen? Mein Papa will nicht, dass ich so etwas kaufe.“
Endlich die Rettung, der dicke Mann steigt von meinem Solarplexus, die junge Frau lässt meine Ohren los und so langsam bekomme ich auch meine Kleidungsstücke wieder. Währenddessen fädle ich unbürokratisch ein, dass der Junge mit mir tauscht: Pro Evolution Soccer 6 gegen Perfect Dark Zero - und ich mache fünf Euro Verlust.
Als aber die junge Frau sieht, was ich jetzt in Händen halte, beschimpft sie mich als virtuellen Mörder und gewissenlosen Attentäter, als potentiellen Amokläufer und der ganz Mob geht wieder auf mich los. Angeblich hat von denen niemand vorher ein Videospiel in der Hand gehabt - und deswegen wollen sie mich jetzt umbringen...
Im Grunde genommen weiß niemand, wovon er eigentlich spricht, wenn es um Killerspiele geht. Die Politiker haben sich mit dem Thema nur in der Theorie auseinandergesetzt und vertrauen dem Urteil von Fachleuten, die ebenfalls nur theoretisch an den Sachverhalt herangehen. Die Sache mit den Testkäufern geht schon in die richtige Richtung, aber wie werden die Familien aufgeklärt, in denen Kinder solche Spiele geschenkt bekommen? Es ist rechtlich nicht zulässig, Kinder zu Testkäufern zu machen, aber es ist nur durch ein Verbot zu verhindern, dass diese Kinder USK18-Versionen spielen? Mein Rat: Seid wachsam an den Supermarktkassen und lasst euch für eure Meinung nicht lynchen.
Armin Sengbusch
Ich stehe an der Kasse und bezahle artig meine neuen, alten Xbox-360-Spiele – die Classic-Editionen sind günstig und unterstützen meinen Sammeltrieb. Direkt neben mir steht ein Dreikäsehoch, der vielleicht 13 Jahre alt ist und so entsetzlich nach Zigarettenqualm stinkt, dass ich um meine Lunge fürchte. Immerhin verbindet uns die Liebe zu den Classic-Editionen, denn er hält in seiner Hand Perfect Dark Zero - eines der ersten Spiele für die 360er Konsole. Und während ich noch überlege, wie ich die Spiele jetzt in meinem viel zu kleinen Rucksack unterbringen will, bezahlt der Knabe kommentarlos, schiebt sich an mir vorbei in Richtung Ausgang.
„Haben sie das gesehen?“, frage ich die Kassiererin.
„Was? Dass er sie berührt hat? Gehen sie doch ein Stück zur Seite!“
„Nein, ich meine das Spiel, das er gekauft hat.“
Sie schüttelt genervt den Kopf: „Immerhin hat er das Spiel gekauft und nicht geklaut“, erklärt sie lakonisch und wendet sich dem nächsten Kunden zu. Doch ich halte sie am Arm: „Gute Frau, gebt fein Obacht“, beginne ich im besten Oblivion-Deutsch, „der Junge hat gerade ein Spiel gekauft, das nicht für sein Alter gedacht ist.“
„Und wer hat das gedacht? Sie? Mann, ich muss hier arbeiten!“
„Menno“, quengle ich, „das ist rechtlich nicht in Ordnung, der darf das Spiel nicht kaufen.“
„Warum? Wollten sie es haben? Rechtlich nicht in Ordnung? Sehe ich aus, als würde ich Strafzettel verteilen?“ Die Schlange, die sich jetzt an der Kasse gebildet hat, beginnt sich zu formieren. Ein Teil kichert noch über die Strafzettel, der Rest beginnt zu pöbeln und es tönt fast unisono: „Geht es da vorn gleich mal weiter?“
„Nein!“, rufe ich zurück, „hier werden Spiele für Erwachsene an Minderjährige verkauft, hier geht gar nichts weiter.“ Und ich wundere mich, woher ich den Mut nehme, das zu sagen.
„Spiele sind für Kinder, nicht für Erwachsene – lassen sie doch den Jungen in Ruhe!“, zetert eine junge Frau mit einem Greenpeace-Aufnäher auf der Wollmütze. „Genau, lassen sie den Jungen in Ruhe“, brüllt nun auch ein dicker Mann, den Greenpeace beim Walsterben vermutlich gerettet hat. Doch der Boden wird nun heiß, die aufgebrachte Menge will mich schon in mittelalterlicher Manier lynchen, als der Junge plötzlich wieder mit hochrotem Kopf an der Kasse steht und kleinlaut fragt: „Kann ich das Spiel umtauschen? Mein Papa will nicht, dass ich so etwas kaufe.“
Endlich die Rettung, der dicke Mann steigt von meinem Solarplexus, die junge Frau lässt meine Ohren los und so langsam bekomme ich auch meine Kleidungsstücke wieder. Währenddessen fädle ich unbürokratisch ein, dass der Junge mit mir tauscht: Pro Evolution Soccer 6 gegen Perfect Dark Zero - und ich mache fünf Euro Verlust.
Als aber die junge Frau sieht, was ich jetzt in Händen halte, beschimpft sie mich als virtuellen Mörder und gewissenlosen Attentäter, als potentiellen Amokläufer und der ganz Mob geht wieder auf mich los. Angeblich hat von denen niemand vorher ein Videospiel in der Hand gehabt - und deswegen wollen sie mich jetzt umbringen...
Im Grunde genommen weiß niemand, wovon er eigentlich spricht, wenn es um Killerspiele geht. Die Politiker haben sich mit dem Thema nur in der Theorie auseinandergesetzt und vertrauen dem Urteil von Fachleuten, die ebenfalls nur theoretisch an den Sachverhalt herangehen. Die Sache mit den Testkäufern geht schon in die richtige Richtung, aber wie werden die Familien aufgeklärt, in denen Kinder solche Spiele geschenkt bekommen? Es ist rechtlich nicht zulässig, Kinder zu Testkäufern zu machen, aber es ist nur durch ein Verbot zu verhindern, dass diese Kinder USK18-Versionen spielen? Mein Rat: Seid wachsam an den Supermarktkassen und lasst euch für eure Meinung nicht lynchen.
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