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Test: Juiced
Nachzügler Juiced kommt spät, aber dafür heftig gewaltig. Muss NfS: Underground 2 jetzt zittern?
Das britische Entwicklerteam Juice Game hatte es mit seinem Tuningracer Juiced wahrlich nicht leicht. Zumal dem Spiel auf Grund der Pleite des ersten Publishers Acclaim sogar zwischenzeitlich das Aus drohte. Inzwischen vermarktet bekanntlich Publisher THQ (u.a. Moto GP 2,3) das Spiel. Zusätzlich gab es immer wieder Releaseverschiebungen und Nachbesserungen, da Presse und Fans nicht zuletzt auf Grund einer ersten Demo überhaupt nicht mit der Performance des Spiels zufrieden waren. Doch die Briten gaben nie auf und glaubten an den Erfolg ihres Produkts. Und das war auch gut so, denn Juiced hat nun tatsächlich die Power, um Tuningracer-Urgestein NfS: Underground 2 anzugreifen.Reich durch WettenGleich vorweg: Juiced ist keinesfalls ein plumper NfS: Undergound 2-Klon, viel zu groß sind die Unterschiede und viel zu umfangreich die neuen eigenen Ideen. So rast man nicht illegal quer durch ganze Städte, sondern fightet ganz legal mit den Gegnern auf abgesperrten Strecken in der fiktiven Stadt Angel City - und das bei Tag und Nacht sowie bei Sonne oder Regen. Ganz klassisch tut man dies in Runden- oder A-nach-B-Rennen, bei den Sprints und bei sogenannten Angeber-Events. Für Abwechslung ist dabei gesorgt, so rast man auf engen Innenstadtkursen durch Wolkenkratzerschluchten, schlängelt sich über kurvige Vorstadtstrecken an hübschen Villen vorbei oder düst durch verwinkelte Industriegebiete zum Sieg.Obwohl? Eigentlich muss es nicht immer gleich ein Sieg sein, um bei Juiced Kohle zu machen. Meist kann man auch durch gekonntes Wetten jede Menge Geld dazuverdienen. Und das auch ganz unbeteiligt als Zuschauer bei einem der Rennen in der Stadt. Kenner werden jetzt sicher an den Konkurrenten Street Racing Syndicate denken. Doch halt, bei Juiced geht man einen ganzen Schritt weiter und so kann man hier neben den anonymen Wetten auf die Kontrahenten auch direkte Wetten mit unterschiedlichen Crew-Leadern eingehen. Setzt man zum Beispiel T.K. von der Crew Urban Maulerz mit einer hohen Wette (Einsatz verhandelbar) unter Druck, ist dieser zwar richtig heiß auf das Rennen, allerdings steht er auch mächtig gewaltig unter Erfolgszwang. Sein Stresspegel steigt und er wird, sobald er im Rennen ordentlich vom Spieler bedrängt wird, sicher den einen oder anderen Fahrfehler machen. So ein Stress!Und da wären wir auch schon beim nächsten Unterschied, der KI. Diese spult nicht einfach nur ihr Programm runter, sondern reagiert mit Fahrfehlern auf Druck von außen. Drängeln ist also angesagt und so dauert es nicht lange bis ein Ausrufezeichnen über dem beackerten Wagen aufleuchtet und anzeigt, dass der Typ jetzt mürbe ist. Ein Fahrfehler seinerseits steht also kurz bevor. Meist rutschen die Gegner dann in die Streckenbegrenzung, drehen sich oder kommen ins Schlingern. Ansonsten düst die relativ knackige KI gern stur auf der Ideallinie herum und schubst, drängelt und schiebt ihrerseits auch massiv am Spielerwagen. Das kommt nicht immer ganz fair rüber und wird zartbesaiteten Spielern sicher einige Frustmomente bereiten.Gute Nerven und Finger(Fuß)spitzengefühl sollte man auch in Sachen Fahrverhalten der Boliden haben. Juiced kommt durchaus anspruchsvoll mit einer Mischung aus Arcade und Simulation daher. Vollgasjunkies bekommen schon in der ersten Kurve unweigerlich Kontakt mit der Streckenbegrenzung. Bei nasser Straße geht dies noch schneller, obwohl sich das Gripniveau nur leicht von trockenem Fahrbahnbelag unterscheidet. Besser ist auf alle Fälle ein gefühlvolles Fahren. Dies gelingt nur schwer mit der Tastatur und so wird ein Analog-Gamepad oder – noch besser – ein Lenkrad zum Pflichteingabegerät. Ähnlich den Drag-Rennen bei NfS: Underground 2 geht es in den Sprint-Rennen um optimales Schalten zum richtigen (Drehzahl-)Zeitpunkt. Klar dass die Automatik hier natürlich ausgeschaltet ist und man selber die Gänge einlegen muss. Im Gegensatz zu den üblichen Rennen muss das Fahrverhalten bei den Angeber-Events dann allerdings wieder vollkommen umgestellt werden. Hier geht es darum, so viele verschiedene Manöver (u.a. 360 Grad Drehungen, Donuts oder Drifts) wie möglich in einer vorgegebenen Zeit zu absolvieren. Dafür braucht es natürlich Vollgas, abruptes Bremsen und den Einsatz der Handbremse. Doch auch dies ist nur schwer mit der Tastatur zu lösen, zumal man noch einige Moves kombinieren muss um zusätzliche Punkte für die Respektskala zu ergattern. RespektDamit wäre auch gleich der nächste Unterschied genannt: Respekt. Um diesen dreht sich der ganze Karrieremodus und das nicht nur als leere Floskel. Respekt ist quasi neben Geld die zweite Währung im Spiel. Erst wenn man bei allen acht im Spiel befindlichen Renncrews vollen Respekt genießt, ist das Finale im Karrieremodus erreicht (unendliches Weiterspielen ist möglich). Respektpunkte gibt es außer bei den o.g. Angeber-Events auch durch Podestplätze bei den Rennen, durch cool aufgemotzte Karren oder auch durch hohe, gewagte Wetteinsätze. Allerdings geht die Sache auch schnell nach hinten los. Sprich: Es gibt Punktabzug, falls man gegnerische Autos zu sehr schrottet, niedrige Wetteinsätze bucht (=Weichei) oder als Loser ins Ziel kommt. Dabei ist Respekt wichtiger denn je, denn erst ab einer bestimmten Respektpunktzahl wird man bei den anderen Crews als Zuschauer eingeladen. Bei höherer Respektzahl darf man später an Rennen teilnehmen oder gar spezielle Duelle wie etwa Pink-Slip-Rennen fahren. Bei Letzteren gilt der Kfz-Brief (in den USA satirisch Pink Slip genannt) und damit der Wagen als Einsatz. |
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