1991 erschien ein Spiel für den Amiga, dass in fast allen Bereichen neue Maßstäbe setzte und heute Kultstatus unter älteren Gamern genießt. Dieses Spiel wurde im Alleingang vom Franzosen Eric Chahi erdacht, designt und programmiert - lediglich beim Soundtrack half ihm sein Freund Jean-Francois Freitas. Gemeint ist natürlich Another World. Rund 15 Jahre später hat sich Chahi entschlossen, eine Geburtstagsedition seines damaligen Hits mit zahlreichen Extras zu veröffentlichen.
Missglücktes Experiment
Der Spieler übernimmt die Rolle von Lester Knight Chaykin, einem jungen Physiker. Im Intro sieht man Lester an einem Experiment mit Anti-Materie arbeiten. Ein theoretisch durchgeführter Versuch verläuft zunächst problemlos. Doch dann nimmt das Unglück seinen Lauf. Ein Blitz schlägt in den Teilchenbeschleuniger ein, und wenige Augenblicke später findet sich der junge Professor in einer bizarren Parallelwelt wieder. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, landet er mitten in einem riesigen Wasser-Bassin und muss sich schleunigst vor einem Wesen mit riesigen Tentakeln in Sicherheit bringen. Doch an Land sieht es auch nicht viel besser aus. Nachdem Lester einige ekelhafte Würmer zur Strecke bringen konnte, jagt ihn eine löwenähnliche Kreatur. In letzter Sekunde wird diese von außerirdischen Jägern zur Strecke gebracht. Der Physiker glaubt sich nun in Sicherheit und grüßt freundlich die Aliens. Die sind aber nicht so friedlich wie erhofft, zücken ihre Waffen und schießen auf Lester...
Im nun folgenden Überlebenskampf in der Alienstadt muss der Spieler Reaktionsvermögen beweisen, um Lester den Bildschirmtod zu ersparen. Gesteuert wird der Held mit den Pfeiltasten (gehen, springen, ducken). Die Spielwelt wird von der Seite gesehen, so dass Lester nach links und rechts gehen kann, wobei nicht gescrollt , sondern Bild für Bild umgeschaltet wird. Zudem kann der Physiker rennen (STRG + Pfeiltaste) und angreifen (STRG). Im späteren Spielverlauf steht sogar eine Laserwaffe zur Verfügung, die drei Funktionen hat. Der einfache Schuss dient naturgemäß dazu, die Feinde auszuschalten. Mit der Energiebarriere (STRG etwas länger gedrückt halten) schützt man sich vor feindlichem Beschuss. Ein großer Energieball (STRG lange gedrückt halten) dient dazu, feindliche Energiebarrieren sowie Türen und Hindernisse zu zerstören. Doch Lester betätigt sich nicht nur als moderner Revolverheld. Auch seine Fähigkeiten als Weitspringer sind gefragt. Zahlreiche Hindernisse müssen, teilweise auch unter Zeitdruck, übersprungen werden, um nicht das virtuelle Leben auszuhauchen. Hin und wieder muss zudem etwas Gehirnschmalz eingesetzt werden, um voranzukommen. Wie kommt man beispielsweise an einem Gegner vorbei, der sich in einem Raum verschanzt hat und mit handgranatenähnlichen Geschossen wirft?
Gestern...
Soweit zur Story und Spielbeschreibung, doch wie hat das Spiel diesen Kultstatus erreicht? Another World bot mit seinem einzigartigen Stil ein neues Spielgefühl. Der Spieler glaubte sich wirklich auf der fremden Welt in der Rolle von Lester Chaykin zu befinden. Dieses Erlebnis war in dieser Intensität neu und wurde durch verschiedene Faktoren hervorgerufen. Another World war eines der ersten Spiele mit voll animierten Zwischensequenzen und einem Intro. Die für damalige Verhältnisse hervorragende Grafik, die stets bläulich-schwarz gehalten ist, verstärkte das Gefühl der Fremdartigkeit dieser „anderen Welt“ und ließ sie authentisch erscheinen. Zahlreiche Animationen wie beispielsweise die berühmte löwenähnliche Figur, die im Hintergrund des ersten Abschnitts (siehe Screenshots) auf Lester lauert und auf die er tatsächlich im späteren Verlauf trifft, sowie der geniale Sound oder die zahlreichen Zwischensequenzen erzeugten eine äußerst dichte Atmosphäre. Um die damalige Begeisterung zu veranschaulichen, zitieren wir hier aus der Februar/1992-Ausgabe des Amiga-Joker: