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Test: Bounty Bay Online

Ein MMOG zur See, ganz ohne Orks, Elfen & Co! Was hat BBO ausser frischem Wind noch zu bieten?
 
Jedes Spiel hat seine Fans und Kritiker deren Meinungen teilweise sehr stark auseinander gehen. Doch nur bei wenigen Titeln ist diese Kluft so groß, wie bei Bounty Bay Online. Dabei macht das bereits Ende 2004 in China veröffentlichte MMOG auf den ersten Blick nicht viel anders, als die üblichen asiatischen Grinding-Vertreter. Hinter dieser Fassade steckt jedoch noch weitaus mehr, was aber leider nur die wenigsten Spieler sehen werden.

Eine Tour durchs Mittelmeer

Etwas, das einem hingegen sofort ins Auge springt, ist das noch unverbrauchte Setting, denn, wie der Untertitel „Piraten, Händler und Entdecker“ schon erahnen lässt, spielt es im 15. Jahrhundert und zwar (endlich einmal) in der realen Welt.
Leider ist der Spielbeginn noch recht unspektakulär, denn bei der üblichen Charaktererstellung stehen ganze vier verschiedene Typen zur Auswahl (zwei Männer und zwei Frauen). Wobei, um ehrlich zu sein, trifft es das Wort „verschiedene“ nicht wirklich, denn sie unterscheiden sich lediglich marginal im Aussehen, unterschiedliche Charakterwerte sucht man vergebens. Wer bereits einige koreanische Onlinespiele hinter sich hat, wird sich daran jedoch nicht sonderlich stören und die anschließenden, zu gering ausgefallenen, Individualisierungsmöglichkeiten ebenfalls einfach hinnehmen.
Frohen Mutes betreten wir also zum ersten Mal die Spielwelt und finden uns auf einem Schiff wieder, wo wir die grundlegenden Kenntnisse wie Steuerung, Schiffskampf und Schiffsmanagement erlernen. Nach der anschließenden Guided-Tour durch das Mittelmeer betreten wir endlich unsere Heimat, was in diesem Fall Alexandria ist – je nachdem welchen der vier Charaktertypen man zu Beginn gewählt hat. Die dortigen NPCs (Nichtspielercharaktere) geben uns schließlich noch einige wichtige Hinweise und verweisen uns an die örtlichen Vertreter der Krieger-, Abenteurer-, Handwerker-, oder Händlergilde, denen wir uns nach Belieben anschließen können. Das Ganze hat den Vorteil, dass uns diese künftig Aufträge erteilen, mit denen wir unsere Charakterwerte verbessern können.

Ein Traum für Handwerker

Jene Werte müssen größtenteils erst bei einem Trainer erlernt werden und verbessern sich fortan automatisch durch die Interaktion des Spielers mit seiner Umwelt. Tötet man also beispielsweise eine Ziege oder einen Wolf mit seinem Schwert, erhält man Erfahrungspunkte in den Fertigkeiten Muskelkraft und Schwertkampf (insgesamt gibt vier verschiedene Waffenarten). Genauso wirft das Versenken von Piraten Punkte für Seeschlacht ab, wodurch man mit der Zeit stärkere Kanonen o.ä. an sein Schiff montieren kann.
Die Entwicklungsmöglichkeiten hierbei sind mehr als zahlreich, egal ob man sich nun der Zunft der Krieger verschrieben hat, oder statt Kanonen und Säbeln lieber Spitzhacke und Nähzeug sprechen lässt, für jeden ist etwas dabei. Wer jedoch als Schneider, Schmied, Alchemist oder Schiffsbauer arbeiten will, muss sich nicht nur mit dem Finden der nötigen Skizzen bzw. Rezepte und dem eigentlichen Herstellen der Gegenstände beschäftigen, sondern auch das dazu nötige Material beschaffen. So erlernen Schneider noch zusätzlich das Anbauen, wodurch sie dann Samen sähen können und nach deren Ernte neuen Stoff zum Herstellen von Kleidung haben. Entsprechend trifft man Schmiede häufig beim Abbauen von Erz oder beim Holz hacken an, was wiederum deren benötigte Rohstoffe liefert. Positiv zu vermerken ist hier auch die Tatsache, dass von Spielern hergestellte Gegenstände meist weitaus besser sind, als jene die man von besiegten Feinden erhält.
Das System geht in Bounty Bay Online sogar noch einen Schritt weiter, denn man kann neben seinem Avatar auch sein Schiff ständig verbessern. Dies funktioniert zum einen, wie oben bereits erwähnt, durch den Skill Seeschlacht, der es einem Erlaubt Kanonen, Enterhaken, Feuerwerfer oder gar Rammsporne an seinem geliebten Kahn anzubringen. Außerdem verfügt jedes Schiff über drei eigene Werte in Form von Manövrierbarkeit, Bewaffnung und Konstruktion, die sich ebenfalls durch bestimmte Aktionen wie Entdeckungen oder erfolgreiche Handelsfahrten verbessern lassen. Schließlich gibt es noch drei verschiedene Schiffstypen, nämlich Kriegs-, Handels- und Entdeckerschiffe, die man jeweils in zehn Stufen verbessern kann - diese Verbesserungen hängen dabei von einem der drei Schiffsskills ab.

Grindness as usual

Hört sich ja alles schön und gut an, aber wo ist der Haken?
Nun, in diesem Fall liegt der Hund wieder einmal in der Natur asiatischer Spiele begraben (wo könnte dieses Sprichwort wohl besser passen, als bei einem chinesischen Spiel). Folglich steigt die nötige Erfahrung für eine weitere Fähigkeitsstufe ständig überproportional an, was bedeutet, dass man irgendwann Stundenlang mit seiner Axt auf einen Baum eindrischt, bis man endlich einen Erfolg verbuchen kann.
Auch die anfangs sehr spaßigen Seeschlachten mutieren irgendwann zu einer Pflichtveranstaltung, wenn man jemals eine höhere Schiffsstufe erreichen will. Das ist ohnehin nur in einer der zahlreichen Schlachtszenen des Spiels möglich, da die Zahl der Gegner ansonsten schlichtweg zu gering ist. In solch einer Szene steht man dann meistens mit mehreren Gleichgesinnten an einem Punkt und schickt die herannahenden Piratenschiffe ins Jenseits, was dank deren kaum vorhandener KI mehr an eine Fließbandarbeit erinnert, als an eine reale Seeschlacht.
Glücklicherweise bietet das Spiel einige Komfortfunktionen, wie z.B. den automatischen Gegenangriff, die es einem erlauben, nahezu sämtliche Fähigkeiten zu leveln, ohne dabei ständig vor dem Monitor kleben zu müssen. Und wie man sich denken kann, wird genau das von den meisten Spielern auch gemacht, was nicht gerade dazu beiträgt, die ohnehin recht karge Spielwelt zu beleben.
Screen 1
Im kurzen Tutorial erlernt man die Grundfertigkeiten
Screen 2
Fleißige Abenteurer finden überall auf der Welt Entdeckungen
Screen 3
Wer sein Schiff verbessern will, muss zwangsweise Schlachtszenen absolvieren
Screen 4
Spielerstände bieten die Möglichkeit, seine hergestellten Waren öffentlich zu verkaufen
Screen 5
An seinem Schiff erkennt man kleine Details wie z.B. die Galionsfigur

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Bounty Bay Online

Packshot
Online-Rollenspiel
von Frogster Interactive
USK-Freigabe ab 12 Jahren
PCFebruar 2007

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