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Test: Wächter des Tages

Jetzt wird auch im Spiel am Tage gewacht. Wie macht sich die Filmumsetzung?
 
Als ob die Wächter der NachtWeitere Infos im ersten Kapitel Sergei Lukjanenkos verfilmter Roman-Trilogie nicht schon genug Ärger am Hals hätten, müssen jetzt auch noch die des Tages ran. Nein, ganz so einfach ist es natürlich nicht, wurde die Geschichte um den mürben Waffenstillstand zwischen Gut und Böse doch nun ein weiteres Mal spektakulär und vielschichtig auf die Kinoleinwand umgesetzt. Wie sollte es auch anders sein, gibt es dazu jetzt natürlich das passende Spiel. Doch machten es sich die Softwareentwickler bedeutend einfach als die Filmcrew…

Anna und der Wolf

Die komplexe Geschichte des Buches aufzuschlüsseln erspare ich uns an dieser Stelle. Muss ich auch nicht, denn das Spiel hat nur in Ansätzen etwas mit der Story des gleichnamigen Films gemein. Wie alle Kenner der Trilogie wissen müssten, gab es den großen Vertrag bzw. Waffenstillstand zwischen den Hellen und Dunklen. Und die normalen Menschen leben zwischen diesen beiden Parteien und deren immer fortwährendem Konflikt. Wir sind einer von ihnen, verkörpert durch die junge hübsche Anna. Allerdings sind auch wir nicht stinknormal, sondern können uns ganz gut wehren, falls einer der Mächte einmal meint uns was Böses zu wollen. Natürlich aber nicht zu Beginn, da schlagen wir uns erstmal noch mit gewöhnlichen Raufbolden rum, die uns an unsere reizende Wäsche wollen, oder mit mehr oder weniger gewöhnlichen Kreaturen, die wohl eher an unserem Blut interessiert sind. Einer hübschen Frau rennen die Typen ja aber bekanntlich nur so nach und so kommt es recht schnell, dass wir in unserem Abenteuer Gesellschaft finden, die sich uns anschließt und ab dann gemeinsam mit uns kämpft.
Wächter des Tages geht dabei den exakt gleichen Weg wie sein Vorgänger, bedient sich der identischen mittlerweile doch erheblich in die Jahre gekommenen Silent StormWeitere Infos-Engine und nimmt sich auch wieder dessen Spielsystem an. Rundenstrategie steht also einmal mehr auf dem Plan. Warum die Entwickler angesichts des doch rasanten Kinovorbilds erneut ein etwas unpassendes Genre wählten, bleibt unverständlich. Aber gut, nehmen wir, was wir vorgesetzt kriegen in die Hand und begeben uns ins Spielvergnügen, das rund 20 Stunden anhält.

Alles beim alten

Doch halt, Spielvergnügen ist jetzt lapidar dahingesagt und muss revidiert werden. Tatsächlich ähnelt Wächter des Tages nahezu inhaltsgleich seinem mehr als ein Jahr alten Vorgänger. Auch hier ist das Spielsystem bis auf nicht nennenswerte Änderungen gleich. Nach wie vor steuern wir unsere Charaktere durch die recht abwechslungsarmen Areale und können im Kampf entweder Nahkampfschaden verursachen oder aus der Distanz mit Angriffszaubern (ein paar neue gibt’s) attackieren. Wieder können sich einige unserer Mitstreiter in Tiere verwandeln und erhalten so z.B. Schadensboni. Allerdings wirkt die Umsetzung aufgrund der angegrauten Engine unspektakulär und vor allem unfertig. Denn an vielen Stellen trüben mehrere Bugs das Gesamtbild. Seien es Grafikfehler, Physikprobleme oder das plötzliche Aufpoppen von Effekten, die dort eigentlich gar nicht hingehören. Bereits die Intro – wenn man es so nennen kann – führt uns in die vermurkste Spielwelt ein. Hinzu kommen die starren Bewegungen der Charaktere, welche einfach nur unrealistisch anmuten. Klar, es sind zwar meist vampirähnliche Wesen, die wir steuern, aber dennoch kann man doch hier etwas mehr Feingefühl und Lebendigkeit erwarten.

Nicht genug gewacht

Selbst die Kamerasteuerung ist dieses Mal wesentlich anstrengender als noch im letzten Teil, Hakelig zu bedienen und manchmal sogar einfach dienstverweigernd. So besteht wohl eine der zentralen Aufgaben im Spiel darin, sich zurecht zu finden. Krönender Abschluss dieses Präsentationsfiaskos ist der Sound. Selten habe ich nervigere Hintergrundmusik erlebt als hier. Man wird quasi dazu gezwungen, die Musikläutstärke hinunterzufahren und seine eigenen Lieder laufen zu lassen. Zusätzlich klingt die Geräuschkulisse spartanisch, langweilig und keinesfalls authentisch. Den Abschluss macht die furchtbarste deutsche Lokalisierung seit langem. Bei gesprochenen Dialogen kommen einem die Tränen, entweder vor Lachen, wenn mal wieder eine aufregende Stelle völlig monoton vorgelesen wird, oder vor Trauer, wenn die Lippenbewegungen der Akteuere so gar nicht zu dem gesprochenen Einheitsbrei passen. Insgesamt bekommt der Spieler das Gefühl vermittelt, als hätten die Entwickler diese Umsetzung einfach nicht ernst genommen und wollten nur aus der Vermarktung der Filmrechte Profit schlagen. Ein echter Atmosphärekiller also. Wer hier die 20 Stunden durchhält besitzt masochistische Anlagen.
Screen 1
Die Kämpfe sind starr und unflexibel
Screen 2
Eine der vielen völlig sinnlosen Zwischensequenzen
Screen 3
Der umständliche Name scheint so wichtig, dass er sogar mehrmals laut vorgelesen wird. Ein gutes Beispiel für die vermurkste Sprachausgabe
Screen 4
Das ist das Resultat, wenn uns zuvor jemand an die Wäsche wollte

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Wächter des Tages

Packshot
Taktik
von Nival Interactive, Atari
USK-Freigabe ab 12 Jahren
PCSeptember 2007

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