Eremiten sind echt arme Würstchen. Kaum sind sie mal so richtig schön alleine, steigt mit jedem Tag der göttlichen Stille die Wahrscheinlichkeit, dass dem einsamen Mann irgend so ein rotznäsiges Waisenbalg angehängt wird.
Jungs wollen alle nur das Eine
So ist der gute Jenosch auch nicht wirklich überrascht, als er eines unguten Morgens ein Körbchen mit windeltragendem Inhalt am Flussufer findet. Und natürlich handelt es sich bei dem Quäker nicht um ein vernachlässigtes Prolokind, denn ein drogensüchtiger und arbeitsloser Vater hätte das seltsame Medaillon des Kleinen sicher nicht am kleinen Specknacken belassen. Der gewiefte Fantasykenner weiß schlagartig Bescheid und ruft laut aus: “Oh, oh, oh! Wenn sich dahinter mal nicht ein großes Geheimnis verbirgt!!“ Wir überspringen nun die langweiligen und mühsamen Jahre des Trockenlegens, Laufenlernens und der beginnenden Pubertät und freuen uns mit Jenosch, der nun den magiebegabten Jungen schweren Herzens (hihihi...) zur Zauberakademie Avencast ziehen lässt. Zeit vergeht und sie vergeht langsam, Schulzeit eben. Aber alles Büffeln hat mal ein Ende und Hier und Heute will unser kleiner Zauberlehrling endlich die drei Abschlussprüfungen angehen, um das ersehnte Magiediplom zu ergattern.
Konkurrenz für Harry P. aus H.?
Hat hier irgendjemand „Harry Potters kleiner Bruder“ gerufen? Könnte ich verstehen, der abgestandene Plot um den Schüler einer Zauberakademie legt diesen Vergleich wirklich nahe, wenngleich „Avencast – Rise of the Mage“ sich optisch und spielerisch von den Potterspielen unterscheidet.
Besonderen Wert legen die Entwickler zudem auf die Feststellung, dass Avenvast keine weitere 08/15 monsterschnetzelnde Klickorgie sein will, sondern dass für den Erfolg auch Gehirn und Geschick gefragt sind. Dementsprechend bietet Avencast in der Tat einen questorientierten Stilmix aus Hack’n‘Slay, Geschicklichkeits- und Denksportaufgaben. Die Lehrer und Mitschüler der altehrwürdigen Zauberschule sind nur zu gerne bereit, dem willigen Hiwi allerlei konventionelle und auch seltsame Aufgaben aufzuhalsen. Da gibt es den unvermeidlichen „Töte die Ratten im Keller“-Quest und selbstredend müssen wieder Horden untoten Gesocks eingeäschert werden. Zur Belohnung dürfen Hebel gezogen, Geheimräume gefunden und magische Barrieren überwunden werden, immerhin zufrieden stellende Dungeonkost.. Einige Aufgaben wie das Überlisten eines gestrengen Bibliothekars, das Einfangen eines rosaroten Imps oder das Regulieren von Brennöfen, erfordern eher starke Nerven und eine geduldige Maushand. Schön skurril übrigens der Quest der beiden rivalisierenden Bäume, die sich einen Schlagabtausch mit krabbelnden Ästen liefern. Das Spiel kann tatsächlich mit einigen nette Rätsel aufwarten, die nicht immer nur mit halber Gehirnaktivität zu lösen sind.