Wenn Erwachsene ihre Versprechen nicht einhalten, sind Kinder enttäuscht. Heute, als Erwachsener, bin ich in solchen Momenten nicht mehr enttäuscht, nein, ich bin stocksauer. Um es gleich konkret auszudrücken: Wenn Electronic Arts im vergangenen Jahr behauptet hat, dass die Sportspiele für den PC ab 2008 wieder richtig gut werden, dann haben sie schlicht und ergreifend ihr Versprechen nicht eingehalten. Im Gegenteil, bei UEFA EURO 2008 ist einiges noch schlimmer geworden.
Ohne Holland fahr’n wir zur EM…
Gut, das Szenario sollte jedem bekannt sein: Die Fußball-Europameisterschaft steht vor der Tür und von EA kommt das passende Spiel dazu. Sport auf höchstem Niveau, die besten Nationalmannschaften treffen sich in Österreich und der Schweiz und ermitteln in einem Turnier den Sieger. Natürlich steht EA wieder für ein umfangreiches Lizenzpaket mit den Originalnamen der Spieler und den Trikots der Nationalmannschaften – bei denen aber einige fehlen. Mögen die Niederländer nicht überall beliebt sein, aber der Held des Hamburger SV, Rafael van der Vart, fehlt ebenso wie alle anderen Original-Niederländer. Das ist halbgares Zeug, das ist der erste böse Schnitzer, den sich EA mit seiner schlappen PC-Version erlaubt (diesen findet man allerdings auch in der Konsolenfassung)
Turnier und das Training
Lassen wir die Holländer also mal außen vor und stürzen uns in die EM mit einem anderen Team. Dabei dürfen wir noch auswählen, ob wir nur in der Endrunde antreten oder noch die Qualifikation vorweg spielen wollen, um die Geschichte des Turniers neu zu schreiben. Dazu gibt es noch die „Europäische Kampagne“ als Spielmodus, in der Herausforderungen und Szenarien auf den Spieler warten, für das Absolvieren werden dann Bonus-Inhalte in Form von Sammelkarten freigeschaltet. Als dritter Modus steht dann noch der „Mannschaftskapitän“ zur Auswahl, bei dem ihr als Spieler im „Be A Pro“-Modus euer Land zur Europameisterschaft führen sollt. Trainieren dürft ihr natürlich auch, um euch mit der Steuerung vertraut zu machen – die ist wie schon bei FIFA 08 auf Gamepads zugeschnitten. Mit der Tastatur ist es ungleich schwieriger und nicht so komfortabel.
Geh mir aus der Sonne…
Vom Spielablauf hat sich im Vergleich zu FIFA 08 nicht viel getan: Die Torwarte haben immer noch Aussetzer, eigene Spieler laufen in die Schusslinie und blocken die besten Kracher ab, während sie dabei auch noch im Abseits stehen. Auch EURO 2008 spielt sich im Vergleich zur Xbox-Version ohne Flair und ohne Charme. Das macht sich schon dann bemerkbar, wenn ihr den Gegner unter Druck setzt und dabei auch sofort den Ball holt – für ein Arcade-Spiel mag das in Ordnung sein, für ein Sportspiel mit Simulationscharakter ist das ein Armutszeugnis. Flanken zum eigenen Mann zu bringen, ist Glückssache, das Kurzpassspiel wurde hingegen verbessert und produziert nun nicht mehr peinliche Fehler.
Eine schöne Neuerung ist der Kick-Stick, mit dem jetzt Eckbälle und Freistöße mit dem rechten Analogstick ausgeführt werden – vorausgesetzt, ihr habt ein Gamepad, Tastatur-Fans gucken hier in die Röhre. Das Ganze funktioniert ähnlich wie bei den anderen Sport-Titel von EA: Stick zurück ziehen und damit Schwung holen, nach vorn schieben, um zu schießen. Macht ihr dabei einen Bogen, gebt ihr dem Ball Effet – und je schneller ihr den Stick bewegt, desto härter schießt ihr auch.
Electronic Arts und die Optik
Nun wäre das alles noch halbwegs in Ordnung, wenn die Entwickler dem Spiel nicht eine Grafik verpasst hätten, die schon vor fünf Jahren nicht auf dem neuesten Stand der Technik war. Frei nach dem Motto „Es geht immer noch schlimmer“ werden nun kleine Clips eingespielt, die Trainer-Emotionen zeigen. Es wäre wirklich komisch, wenn es nicht so peinlich wäre, was sich EA da geleistet hat. Vielleicht ist der Vergleich unfair, denn die Konsolen leiden ja an veralteter Technik, aber auf der Xbox sieht EURO 2008 einfach gut aus. Bei der PC-Version stimmt nichts, die Texturen sind blass und selbst in der höchsten Auflösung von 1280*1024 sieht das Spiel einfach nur schäbig aus, die Animationen sind hölzern und es gibt mehr Clipping-Fehler als Zuschauer. Immerhin gibt es diesmal einen Schiedsrichter, der wahlweise eingeblendet werden kann. Und schließlich: Ja, es gibt auch einen Multiplayer-Modus - wenn ihr euch bei EA registriert.
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