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Test: Mata Hari

Mata Hari verdrehte einst der Männerwelt den Kopf - jetzt auch den PC-Abenteurern?
 Mata Hari
Das abenteuerliche Leben der Tänzerin und Spionin Margaretha Geertruida Zelle, besser bekannt als Mata Hari, ist geradezu prädestiniert für ein PC-Adventure. Da Entwickler Cranberry Production für sein Spiel Mata Hari zudem die Adventure-Veteranen Hal Barwood und Noah Falstein engagierte (beide maßgeblich an der Entwicklung der beiden Indiana Jones-Adventures beteiligt), kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen. Oder doch?

Spionage in Häppchen

Die Story und deren Erzählweise sind überraschenderweise ein Schwachpunkt des Spiels. Präsentiert werden in vier Kapiteln von 1905 bis kurz vor Ausbruch des 1.Weltkriegs verschiedene fiktive Spionageeinsätze, die Mata Hari von diversen Auftraggebern erhält. Einen roten Faden, geschweige denn eine interessante Hauptgeschichte gibt es quasi nicht. Es sei denn, man möchte den hanebüchenen Unsinn, dass Mata Hari für eine Geheimorganisation arbeitet, die den 1.Weltkrieg verhindern will, indem sie dafür sorgt, dass alle Beteiligten des europäischen Machtkonzerts über die militärischen Geheimnisse des jeweiligen Gegners informiert sind, als Story bezeichnen. Doch nicht nur hier geht der Entwickler sehr freizügig mit den historischen Fakten um.
Zwar ist dies prinzipiell kein Problem, da es sich schließlich um Unterhaltungssoftware handelt. Wenn man jedoch beispielsweise Mata Haris Spionagetätigkeit bereits am Anfang ihrer Karriere beginnen lässt, dann sollte dies wenigstens plausibel erklärt werden und nicht so, wie es im Spiel getan wird. Diese Oberflächlichkeit ist jedoch nicht nur in punkto Story auffällig. Die Charaktere wirken ebenso wie ihre Handlungsweisen eindimensional, oberflächlich und in keiner Weise authentisch. Die Gespräche sind meistens uninteressant und nicht selten schlichtweg dümmlich. Dialoge wie Und, amüsieren Sie sich? – Wer weiß! sind keine Ausnahme.

Spionage leicht gemacht

Diese Schlichtheit setzt sich auch im Gameplay und Rätseldesign fort. Gesteuert wird die tanzende Spionin klassisch aus der 3rd-Person-Perspektive per linkem Mausklick. Bei interessanten Objekten und Personen verändert sich der Cursor interaktionsabhängig. Gegenstände wandern als hässliche grüne Icons, die sich teilweise erst durch die Beschreibung identifizieren lassen, ins Inventar, das sich am unteren Bildschirmrand befindet.
Die simplen Kombinationsrätsel lassen sich schnell lösen, da die exotische Schönheit erstens stets wenige Objekte dabei hat und zweitens sich die notwendigen Gegenstände zur Lösung einer Knobelei in den meisten Fällen in der selben Szene befinden. Hin und wieder kann es zwar geschehen, dass ein winziges Objekt übersehen wird, doch hier hilft die Hotspot-Anzeige weiter. Diese zeigt allerdings nicht alles an. Einige Besonderheiten in den Szenen soll der Spieler selbst entdecken, etwa ein militärisches Geheimnis, wofür es schließlich Spionagepunkte gibt. Diese werden im Tagebuch festgehalten, das zudem mit zahlreichen Hinweisen zum jeweiligen Auftrag gespickt ist.

Minispiele für Spione und Tänzer

Darüber hinaus kann Mata Hari Geld für erfolgreiche Tänze (Minispiel, in dem rechtzeitig auf Noten geklickt werden muss) und Geschicklichkeitspunkte für ein Reise-Minispiel bekommen. Da die Spionin in ganz Europa unterwegs ist, wird beispielsweise bei einem Wechsel von Paris nach Berlin zunächst besagtes Minispiel absolviert. Hier reist Mata rundenweise von Bahnhof zu Bahnhof, während ein Agent, später auch mehrere, versucht sie zu verhaften. Wird die Femme fatale gefasst, geht’s wieder vom Start-Bahnhof los.
Eigentlich sind diese Minispiele, von denen es noch mehrere andere gibt und deren Schwierigkeitsgrad im Gegensatz zu den Kombinationsrätseln ständig steigt, eine nette Idee und Auflockerung. Doch schon nach kurzer Zeit wird der Panik-Button zum Überspringen des jeweiligen Mini-Spiels schnell gedrückt, da die Locations häufig gewechselt werden müssen und auch sonst viel Laufarbeit zu erledigen ist. Spionage- und Geschicklichkeitspunkte sowie das ertanzte Geld dienen am Schluss des Spiels einer Leistungsbewertung des Spielers.

Kleine Schönheit

Im Gegensatz zum restlichen Spiel glänzen die einzelnen Szenen, ganz gleich, ob nun auf einem Platz in Paris oder einem Offizierskasino in Berlin, derart mit Detailliertheit und Authentizität, dass man sich fast ins frühe zwanzigste Jahrhundert versetzt fühlt. Zahlreiche Hintergrundanimationen wie Jongleure, Wolken, sich im Wind bewegende Pflanzen und etliche Passanten runden diesen positiven Eindruck ab. Getrübt wird dieser lediglich in den Nahansichten der Dialoge. Die Charaktere wirken hier äußerlich alle sehr ähnlich und sind oft schlichtweg hässlich. Zudem sehen ihre Gestik und Mimik sehr nach Augsburger Puppenkiste aus. Ärgerlich ist auch, dass es nur wenige Locations gibt, die man immer wieder aufsucht.
Die musikalische Untermalung weiß zu gefallen und ist meist passend gewählt. Überzeugen können auch die guten Sprecher, was angesichts der mäßigen Dialoge jedoch vergebliche Liebesmüh ist.

Screen 1
Mata Hari ist eine Meisterin der oberflächlichen Konversation.
Screen 2
Gesprächsthemen werden per Icon ausgewählt.
Screen 3
Die Szenen wie hier der Theaterplatz sind sehr detailliert.
Screen 4
Das Tanz-Minispiel
Screen 5
Mata Hari im Gespräch
Screen 6
Das Reise-Minispiel

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Packshot
Klassisches Adventure
von dtp
USK-Freigabe ohne Altersbeschränkung
PCNovember 2008

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