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Filmkritik: The Spirit

Infos: Verleih: Sony Pictures, Länge: 102 Min., Kinostart: 05.02.2009, FSK: ab 16 Jahren
Regie: Frank Miller
Darsteller:  Gabriel Macht, Samuel L. Jackson, Eva Mendes, Scarlett Johansson
Links:Offizielle Seite, Infos bei IMDB
2005 war für die Kinohistorie ein besondere Ereignis, denn mit Sin City kam ein Film in die Kinos, der aufgrund seiner optischen Gestaltung anders war als das Gros der Konkurrenz. Schwarz-Weiß bestimmte die Szenerie, nur von einzelnen Farbtupfern unterbrochen. Wohl nie wurde ein Comic visuell originalgetreuer in einem Film umgesetzt. Doch auch inhaltlich war der Film stark. The Spirit sieht bei oberflächlicher Betrachtung aus wie Teil 2. Hat er das Zeug dazu?

Meine Stadt schreit

Er trägt einen schwarzen Anzug mit Hut, eine Maske um die Augen und eine rote Krawatte und hat sich dem Kampf gegen das Verbrechen in der Stadt Central City verschrieben. Nebenbei ist er ein talentierter Charmeur, dem die Frauen reihenweise erliegen. Doch „The Spirit“ (Gabriel Macht) ist verliebt in seine Stadt. Er opfert sich für sie. Dabei kommen ihm seine Kräfte zugute, die ihn von Normalsterblichen abheben und seine Wunden schnell heilen lassen. Doch diese Zusatzfähigkeiten hat er auch bitter nötig, denn sein Erzfeind Octopus (Samuel L. Jackson) ist nicht minder zäh in der Bekämpfung seines größten Widersachers.
Doch neben dem Ausschalten von Spirit hat Octopus noch etwas ganz anderes im Sinn. Durch Zufall haben er und die mysteriöse Gangsterbraut Sand Saref (Eva Mendes), die eine nicht unerhebliche Vergangenheit mit Spirit hat, je eine Kiste mit für den jeweils anderen höchst wichtigem Inhalt in ihrem Besitz und beiden ist an einem Tausch gelegen. Doch wo kriminelle Machenschaften im Gange sind, ist auch der Spirit nicht weit. Aber er befindet sich in einer Zwickmühle. Kann er gleichzeitig Gerechtigkeit üben und sich von seinen Gefühlen leiten lassen?

Spirituell? Ja. Mit Esprit? Nein.

Die Voraussetzungen waren eigentlich vielversprechend. Ein Noir-Comic mit mehreren interessanten Charakteren, eine namhafte Besetzung und mit Frank Miller, dem Autor von Sin City und 300, ein Mann auf dem Regiestuhl, mit dem man große Hoffnungen verknüpfen konnte. Doch wie sich herausstellt, bedeutet die Fähigkeit, tolle Comics zu erschaffen, noch lange nicht, auch einen Film zufriedenstellend realisieren zu können.
Denn dafür ist The Spirit über weite Strecken einfach zu schlecht organisiert. Der Held, dem ohnehin eine Bekanntheit wie die eines Batman und Konsorten fehlt, wird sowohl von der Story, die erst im Mittelteil mit erklärenden Flashbacks um die Ecke biegt, sowie durch den wenig charismatischen Hauptdarsteller im Stich gelassen. Aufgrund des geheimnisvollen Auftretens wird es schwer, ihn einzuschätzen und mit ihm mit zu fiebern. Sein Widerpart in Gestalt von Samuel L. Jackson stiehlt ihm hierbei mühelos die Show, profitiert aber auch von seiner abgedrehten Figur des Octopus. Komplettiert wird der illustre Cast noch von Eva Mendes und Scarlett Johansson, die aber mit ihren Darstellungen von gefährlichen Femme Fatales nur bedingt Eindruck schinden können.
Damit kommen wir zum Hauptproblem von The Spirit: er ist leidlich massenkompatibel. Sich sklavisch an eine Comic- oder Buchvorlage zu halten, kann sowohl Vor- als auch Nachteile haben. Fans werden sich mit Verzückung bedanken, aber dem ganz normalen Zuschauer wird manches aufgrund mangelnder Erläuterungen ziemlich spanisch und abgehackt vorkommen, zumindest in diesem Fall.
So wundert man sich auch, wie schnell die knapp 100 Minuten Spielzeit vergangen und wie wenig im Grunde doch passiert ist. Viel Zeit wird für Dialoge aufgewandt, die in ihrer Art aber teilweise sehr abstrakt und philosophisch daherkommen. Statt niveau- oder anspruchsvoll zu wirken, macht es allerdings eher den Eindruck von zu sehr gewollt und nicht gekonnt.
Letzteres lässt sich auch zur Action sagen. Man sollte sich vom Trailer nicht blenden lassen, denn ein atemloses Spektakel sollte man bei dem Film nicht erwarten. Wenn es dann mal körperliche Auseinandersetzungen gibt, sind diese auch meistens überzeichnet und besitzen keine ausgefeilte Choreographie.

Fazit

„Belanglos“ ist wohl der Begriff, der The Spirit am besten beschreibt. Zu keinem Zeitpunkt fühlt man sich in das Geschehen emotional auch nur irgendwie eingebunden. Man folgt dem Helden, wie er seine Stationen abklappert und Dialoge und spärlich ausgearbeitete Kämpfe bestreitet. Da war den Machern der kultige Stil wohl etwas wichtiger als die Vorlage.

Screen 1
Screen 2
Screen 3
Screen 4
Screen 5
Screen 6
Wertung: 4/10von Roman Beele (05.02.2009)

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