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Test: Nikopol
Ägyptische Gottwesen über Paris - wie schlägt sich die Versoftung des Erfolgscomics?
| Insbesondere in Frankreich und Belgien, wo Comics einen völlig anderen kulturellen Stellenwert als in Deutschland genießen, konnte Enki Bilal mit seiner SF-Trilogie Nikopol zahlreiche Erfolge feiern. Im September 1993 wurde gar seine drittes Bande Dessinée, welches die Serie abschloss, vom renommierten französischen Literatur-Magazin Lire zum Buch des Jahres gewählt – Premiere für einen Comic. Nachdem 2004 der Film Immortal sich bereits Bilals Trilogie als Vorbild nahm, erscheint nun von Benoit Sokals Studio White Birds ein Adventure, das sich von der Comic-Reihe inspirieren ließ. Ägyptische Gottwesen über ParisDie Handlung von Nikopol – Die Rückkehr der Unsterblichen ist in einem dystopischen Paris angesiedelt, in dem der Diktator-Prophet Weißkohl herrscht. Über diesem in zwei Ghettos (Arm und Reich) geteilten totalitären Stadtstaat schwebt eine außerirdische Pyramide mit ägyptischen Gottwesen an Bord. Diese befinden sich in Verhandlungen mit der Regierung.Zur gleichen Zeit stürzt eine Raumkapsel, die einen Terroristen im Kälteschlaf gefangen hielt, in der Stadt ab. Die Sicherheitskräfte leiten sofort eine Fahndung nach dem entflohenen Häftling ein. Warum dieser mit dem Helden des Spiels, Alcide Nikopol, verblüffende Ähnlichkeit hat, was die ägyptischen Gottwesen bezwecken und welche Rolle unser Alter Ego in der bizarren und leicht verworrenen Geschichte spielt, gilt es in den rund zehn bis zwölf Stunden Spielzeit aufzuklären. Die Nadel im HeuhaufenGesteuert wird Nikopol aus der Ego-Perspektive. Per linker Maustaste klicken wir uns von Szene zu Szene. Eine 360°-Rundumsicht sorgt für den totalen Überblick. Der Cursor hat die Form eines Punktes, an dem sich kontextabhängig kleine Striche oben, unten und an den Seiten befinden. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig und benötigt einige Einarbeitungszeit, um sich zu merken, was der Cursor für eine mögliche Aktion im Zusammenhang mit einem Objekt symbolisiert. Spielrelevante Gegenstände werden per linker Maustaste eingesackt. Per Rechtsklick öffnet sich das Inventar. Hier lassen sich die eingesammelten Objekte noch einmal genauer begutachten.Hinderlich wirkt sich das Fehlen einer Hotspot-Anzeige aus, so dass die Suche nach Gegenständen teilweise etwas mühsam ist, wenn man den gesamten Bildschirm mit der Maus stupide absuchen muss. Dieses Vorgehen ist vor allem deshalb notwendig, da das nächste Etappenziel nicht immer klar ist. Zudem werden Objekte in durchsuchten Bereichen teilweise erst durch das Fortschreiten in der Handlung freigeschaltet. In Bezug auf die Rätsel bietet Nikopol zunächst einige Abwechslung. Neben Kombinationsrätseln gibt es etliche Logikknobeleien sowie Dekodieraufgaben zu lösen. Nach einiger Spielzeit wird jedoch deutlich, dass sich die Aufgaben in ihrer Art doch sehr ähneln und die Motivationskurve zwangsläufig nach unten zeigt. Unter ZeitdruckDies liegt nicht zuletzt auch daran, dass es sich bei White Birds’ ScFi-Spiel nicht um ein geruhsames Adventure handelt, sondern Nikopol, ergo der Spieler, häufig unter Zeitdruck steht. Immer wieder bedrohen Monster oder Wachen das virtuelle Leben unseres Helden. In solchen Momenten sind sowohl geistige als auch physische Reaktionsschnelligkeit notwendig. Beispielsweise will gleich zu Beginn des Spiels ein Monster Nikopol töten. Um diesem Schicksal zu entfliehen, reicht es allerdings nicht, ein bis zwei gut überlegte Aktionen auszuführen. Nein, gut ein Dutzend Trial&Error-Aktionen sowie Kombinationsrätsel müssen unter Zeitdruck ausgeführt werden, um Nikopol zu retten. Nach einem Misserfolg und virtuellem Ableben gibt es einen mal mehr, mal weniger hilfreichen Hinweis, und wir setzen bei einem Rücksetzpunkt ein. Dumm nur, wenn wir bereits vor diesem Rücksetzpunkt eine entscheidende Aktion nicht ausgeführt haben. Solche Sackgassen zwingen dann immer mal wieder zum Laden eines alten Spielstands.Triste SchönheitGrafisch ist das Adventure durchaus gelungen. Die gut aussehenden, detailreichen und mit etlichen Animationen sowie stimmungsvollen Hintergrundgeräuschen ausgestatteten Locations können aber nicht durchweg überzeugen, da sie insgesamt zu trist und ausgestorben wirken. Ein solches Szenario mag einerseits zu einer Dystopie passen. Andererseits sind im gesamten Spiel lediglich rund ein halbes Dutzend NPCs anzutreffen. Die sehr guten Sprecher, die passende Hintergrundmusik sowie die schönen im Comicstil, d.h. Bild in Bild, präsentierten Zwischensequenzen sorgen schließlich noch für ein paar Lichtblicke. |
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