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Test: Outcry
Mit Outcry erreichen wir andere Bewusstseinsebenen - lohnt sich der Trip?
Nachdem Outcry – Die Dämmerung bereits vor einigen Monaten im Ausland erschienen ist, hat das Mystery-Adventure nun auch seinen Weg nach Deutschland gefunden. Ob das Erstlingswerk des russischen Entwicklers Phantomery für einen Aufschrei der Zufriedenheit sorgt oder doch eher einen Schrei der Entrüstung, erfahrt ihr in unserem folgenden Test.Der verschwundene WissenschaftlerIn Outcry übernehmen wir am Anfang des 20. Jahrhunderts die Rolle eines namenlosen Schriftstellers, der nach vielen Jahren überraschend von seinem Bruder, einem Wissenschaftler und Universitätsprofessor, einen Brief erhält. Darin berichtet dieser von einer revolutionären Entdeckung und bittet uns, so schnell wie möglich zu ihm zu reisen. Als wir schließlich vor der Wohnung unseres Bruders stehen, öffnet uns die Haushälterin und erzählt, dass dem geliebten Bruderherz etwas zugestoßen ist. Genauere Auskünfte gibt sie jedoch nicht.Stattdessen entdecken wir in der Wohnung eine seltsame Maschine sowie verschiedene Tagebucheinträge und Tonbandaufzeichnungen. Darin warnt uns der Wissenschaftler davor, die Maschine in Betrieb zu nehmen. Im Gegenteil fordert er uns auf, alles zu zerstören. Da wir natürlich von Natur neugierige Menschen sind, können wir nicht anders, nehmen die Maschine in Betrieb und wagen uns auf eine dreizehn- bis fünfzehnstündige Reise auf andere Bewusstseinsebenen und in andere Zeiten. SchwindelgefühleOutcry ist ein klassisches Renderadventure, das aus der 1st-Person-Sicht gesteuert wird. Ein 360°-Rundumblick erlaubt uns, die einzelnen Szenen genauestens zu untersuchen. Per Linksklick wandern wir von Location zu Location. Das Gehen unseres Alter Ego wird durch eine schnelle Abfolge von Bildern symbolisiert, was im Zusammenhang mit dem Grafikstil - dazu später mehr - bereits nach kurzer Zeit für leichte Schwindelgefühle sorgt. Sicherlich kennt jeder die Warnhinweise bezüglich photosensitiver Anfälle, die oftmals auf der ersten Seite eines Handbuchs zu finden sind. Hier wären diese absolut angebracht gewesen, fehlen jedoch ironischerweise in dem dünnen elfseitigen Heftchen. Glücklicherweise lassen sich diese Überleitungen im Hauptmenü ausschalten.Virtuelles RätselheftDie Steuerung ist sehr simpel gehalten. Hat der Cursor die Form eines Kreises, so können wir nichts machen. Hat er die Form eines Kreises mit einem Kreuz darin, können wir eine Aktion ausführen: aufnehmen, untersuchen, heranzoomen, lesen etc. Welche Aktion sich jeweils dahinter versteckt, wissen wir natürlich nicht im Voraus. Mit einem Rechtsklick werden links oben Dokumente und Briefe, links unten das Inventar und rechts unten das Hauptmenü eingeblendet. Spielrelevante Gegenstände, die mühsam in den, auch auf Grund des Grafikstils, unübersichtlichen Szenen gefunden werden, wandern mit der linken Taste des Nagers ins Inventar.Bei den Rätseln handelt es sich weniger um Kombinationsknobeleien, als vielmehr um bockschwere Schalter- und mechanische Rätsel, zu denen es kaum Hilfestellungen gibt und für die viel virtuelle Laufarbeit zwischen den Locations zu absolvieren ist. Entscheidend sind für das Lösen der Rätsel oftmals in der Spielwelt verstreute Dokumente, die wir uns meistens selbst durchlesen müssen. Die Idee mit der Suche nach dem Bruder sowie den Zeit- und Bewusstseinsreisen ist zwar durchaus spannend. Dennoch tritt sie gegenüber den Rätseln klar in den Hintergrund. Wir hangeln uns von einer mechanischen Knobelei zur nächsten und finden gelegentlich Tagebucheinträge des Bruders, welche die Story zusammenhalten. Die fehlende narrative Struktur sowie die mangelhafte Dynamik drücken jedoch sehr stark auf die Motivation. BrechreizNegativ kommt auch noch der auf alt getrimmte Grafikstil hinzu. Die Szenen sind unübersichtlich und sehen wie leicht aufgepeppte Konzeptzeichnungen aus. Es gibt keinerlei Leben oder Animationen in den Locations, die wie tot wirken.Der Tunnelblick unseres Alter Egos samt zu- und abnehmender Helligkeit an den Bildschirmrändern sorgt innerhalb kürzester Zeit für einen Brechreiz, der durch die unruhige Kamera schließlich noch verstärkt wird. Lassen wir die Maus los, um uns mal wieder einem der komplexen Rätsel zu widmen, so schwankt die Kamera unruhig hin und her. Ausnahmslos gut ist die musikalische Untermalung gelungen. Der melancholische Soundtrack, bei dem Klavier und Geige vorherrschen, passt hervorragend in das Setting. Auch die Synchronisation ist ein Pluspunkt des Spiels. Da unser Alter Ego allerdings genauso stumm wie Gordon Freeman ist und man die NPCs zudem an einer Hand abzählen kann, hören wir fast ausschließlich unseren Bruder. Die kultivierte und sonore Stimme dessen Sprechers passt jedoch sehr gut zum verschwundenen Wissenschaftler. |
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