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Test: Scorpion: Disfigured
Ein Skorpion ohne Stachel hat keine Zukunft, genau wie dieses Spiel.
Ein Mann schleicht mit einer Kalashnikov im Schein seiner Taschenlampe durch einen verfallenen, stockdunklen Industriekomplex. Die Munition ist knapp, der rettende Ausgang in weiter Ferne und aggressive Mutanten und schwer bewaffnete Söldner sind ihm dicht auf den Fersen. Klingt verdächtig nach S.T.A.L.K.E.R. ? Nicht ganz, allerdings kommt die Ähnlichkeit nicht von ungefähr, denn Entwickler B-Cool Interactive besteht aus einem Teil des Stalker-Teams, welches sich abgespaltet hat um Scorpion aus der Taufe zu heben.In Dunkeln ist gut munkelnMan schreibt das Jahr 2048. Ein Warlord hat sich in der ehemaligen bosnischen Hauptstadt Sarajevo niedergelassen und dort einen riesigen, festungsähnlichen Komplex errichtet. Angeblich forscht man dort an todbringenden Viren und einem Kampfanzug, der seinem Träger übermenschliche Fähigkeiten verleiht. Eine Forscherin bekam jedoch Gewissensbisse und floh aus dem Komplex um die Machenschaften publik zu machen. Als Beweis für ihre Behauptungen ließ sie einen Prototyp des Superanzugs mitgehen.Ein Spezialagent mit dem markigen Namen „Scorpion“ bekommt den Auftrag die Aussagen der Wissenschaftlerin mit ihrer Unterstützung via Funk und natürlich dem Spezialanzug zu überprüfen. Besser gut geklaut als schlecht selbst erfunden?Scorpion ist ein weitestgehend klassischer, linear gehaltener Egoshooter. Das Spiel beginnt damit, dass man von einem Helikopter vor einem Abwasserrohr abgesetzt wird. Judith gibt uns in einer kurzen Videobotschaft die Anweisung über das Rohr in die Anlage einzudringen. Kein Tutorial, kein Intro, nur gelegentliche Messages von Judith oder Monologe von Scorpion aus dem Off gewähren Einblicke in die nebulöse Geschichte des Spiels.Das Spielprinzip ist indes schnell erklärt. Meist geht's schlicht darum, sich durch stockdüstere, verfallene Industriekomplexe, Bunker und Labore zum nächsten Ausgang durchzuballern. Es könnte zwar spannend sein in spukigen Kellern Mutanten zu jagen, doch leider versagt Scorpion hier. Das liegt zum einen daran, dass die handvoll Standardwummen schrecklich ungenau sind. Selbst auf 5m Entfernung schlagen die Kugeln teilweise weit außerhalb des eh schon voluminösen Fadenkreuzes ein. Man kann zwar die Genauigkeit der Waffen im Laufe des Spiels mit Upgrades etwas verbessern, aber zumindest auf weite Entfernungen hilft nur das Scharfschützengewehr. Und selbst dann kämpft man mehr mit der schwammigen Steuerung als mit dem Gegner. Das andere Problem ist, dass die beiden Gegnersorten denen man im Spiel hauptsächlich begegnet (Mutanten und Söldner) kaum Trefferrückmeldungen geben. Oft merkt man erst, dass man getroffen hat, wenn die Burschen tot umfallen. Immerhin: die KI geht größtenteils in Ordnung. Während die Mutanten eher auf den Frontalangriff setzen, gehen die Soldaten schon mal recht geschickt in Deckung und versuchen den Spieler mit Granaten auszuräuchern oder zu umgehen. Wo ist mein Superanzug?Wenigstens gibt es da ja noch den tollen Spezialanzug, der dem Spieler zahlreiche Möglichkeiten bietet. So kann man sich z.B. heilen oder mittels „Zeit-entschleuniger“ eine Art Bullet-Time einschalten. Tatsache ist jedoch, dass man diese ganzen Gimmicks in der Praxis fast nie benutzt. Das liegt zum einen an der fummeligen Bedienung und zum anderen braucht man sie nicht um durchs Spiel zu kommen. Die Heilung z.B. ist meistens überflüssig. Sie dauert zu lange und es liegen stets genug Healthpacks in der Gegend rum, von denen man bis zu neun mitnehmen kann. Die Bullet-Time ist nur bedingt nützlich, weil sie zwar die Gegner verlangsamt, aber auch man selbst kann dann nur noch im Schneckentempo agieren. Das macht den taktischen Vorteil ziemlich zunichte, auch wenn das Zielen zugegebenermaßen etwas leichter fällt.Ähnliches gilt für das Nachtsichtgerät, das einzige was wirklich nützlich ist, ist die eingebaute Kartenfunktion, die alle Wege und Türen anzeigt, die man sonst in den stockdunklen Umgebungen öfters schlicht übersieht. Das Leveldesign wirkt meist eher unmotiviert und brilliert hauptsächlich darin, dem Spieler lange Laufwege aufzubürden und Räume mit allerlei Gerümpel vollzustellen. Immerhin ist die Spielzeit mit über 10 Stunden recht lang. Präsentation & TechnikGrafisch ist Scorpion kein Hingucker, man hat oft den Eindruck, dass man mit geschlossenen Augen durch die Gegend rennt, weil alles so dunkel ist. Damit schafft es das Spiel über die stellenweise schlecht aufgelösten Texturen und groben Charaktermodelle hinweg zu täuschen. Immerhin hat das Spiel recht genügsame Hardwareanforderungen.Es könnte in der düsteren Atmosphäre ja sogar fast so etwas wie Gruselstimmung aufkommen, wäre da nicht der Sound. Die Waffen klingen teilweise wie Spielzeug, die Musik wird manchmal leiser oder setzt ganz aus und die Sprachaufnahmen sind (mal abgesehen von den teils idiotischen Dialogen) schlecht abgemischt und klingen oft zu laut bzw. nicht zur Umgebung passend. |
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