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Test: Casebook
Mehr Film als Spiel - Das Independent Adventure im NachtestAls Mitte der neunziger Jahre die Diskette von der CD als Speichermedium abgelöst wurde, eröffneten sich den Entwicklern durch die größere Speicherkapazität neue Möglichkeiten. Etliche Studios setzten nun zur Präsentation der Story in ihren Games auf reale Schauspieler sowie Kulissen und brachten zahlreiche Vertreter des interaktiven Films hervor. Mit dem Durchbruch der 3D-Grafik sind Spiele dieser Machart zwar rar geworden, doch das Episoden-Adventure Casebook des neuseeländischen Independent-Entwicklers areograph zeigt, dass Vertreter dieses Genres durchaus unterhaltsam sein können.KidnappingIn der ersten Episode Kidnapping werden, wie der Titel es schon erahnen lässt, zwei Kinder entführt. Das ist natürlich ein Fall für Detective Burton, einen ruhigen, sachlichen, mitunter aber auch impulsiven Ermittler und seinen gesichts- sowie namenlosen Partner, dessen Rolle wir übernehmen! Doch die Suche nach dem Täter erweist sich schon bald als komplexer als zunächst gedacht. Mit dem Fortschreiten der Story kommen wir dem Täter schließlich zwar näher, doch bis zur Lösung des Falls hat die spannende Geschichte noch so manche Überraschung und Wendung parat.Realistische SchauplätzeUnser Alter Ego, wird aus der 1st-Person-Perspektive durch gefilmte Kulissen gesteuert. Mit gedrückter linker Maustaste gehen wir in Blickrichtung durch die in Echtzeit berechneten, fotorealistischen Szenen. Alternativ lässt sich auch auf die Tastatursteuerung per WASD zurückgreifen. Hier kann es jedoch gelegentlich vorkommen, dass sich ein Gegenstand in der 3D-Szene als Hindernis erweist und wir einen kleinen Umweg machen müssen. Ziel in solchen Szenen ist es, den Ort nach Beweisen abzusuchen und diese später im mobilen Labor des Vans oder durch unseren Kollegen, den Wissenschaftler Pete Iverness, analysieren zu lassen.FotoshootingDazu machen wir an den Schauplätzen zahlreiche Fotos. In der Regel läuft es so ab, dass Burton ein Ziel vorgibt, das auch in unserem Casebook erscheint. Beispielsweise sollen DNA-Proben oder Fingerabdrücke von einer bestimmten Person gesucht werden. Dazu suchen wir besagte Szene nach Gegenständen ab, auf denen wir fündig werden könnten. Haben wir ein potentielles Beweisstück ausgemacht, wird es rot eingerahmt. Als hinderlich erweist sich hier bisweilen, dass beim Heranzoomen mit dem Objektiv das Objekt der Begierde in zu niedriger Auflösung dargestellt wird. Einen Mausklick später befindet sich das Foto in unserer Kamera. Damit sich nicht ein Neunmalkluger den Spaß verdirbt und wild in der Gegend herumklickt, erhält der Spieler eine Kamera mit einer extrem kleinen Speicherkarte. Gerade einmal acht Fotos passen darauf, so dass man sich die Wahl seiner Motive genau überlegen sollte. Denn erstens gibt es in jeder Szene etliche für den Fall nicht relevante Gegenstände. Zum anderen müssen wir jedes Mal erst in unseren Van und die Bilder auf einem virtuellen PC speichern. Laden wir zu viel Müll auf den Computer, hat Kollege Pete so manchen bissigen Kommentar auf Lager. Interessant wird das Sammeln der Beweise auch durch die 3D-Eigenschaft einer Szene, die uns manchmal erst aus einem bestimmten Winkel den Blick auf ein Objekt der Begierde freigibt. Wer einmal gar nicht weiterkommen sollte, der kann sich mit der Taste I für Intuition ein potentiell interessantes Fotomotiv anzeigen lassen.MinispieleInteressante Gegenstände werden schließlich in kontextabhängigen Minispielen analysiert. Hier werden etwa Fingerabdrücke miteinander abgeglichen, DNA-Proben durch wilde Mausklicks geteilt oder Stofffetzen auf einem Gegenstand gesucht und mit der Pinzette eingesackt. Die neu gewonnen Erkenntnisse teilen uns Burton oder Pete in kurzen Einblendungen mit. Mit dem Anhäufen von Beweismaterial ergibt sich die Möglichkeit, verschiedene Beweisstücke miteinander zu kombinieren. Leider wird dem Spieler jedoch zu viel Verantwortung abgenommen. Klicken wir ein Objekt an, das durch ein Kettenglied markiert wird, so öffnen sich zwei bis drei potentielle Kombinationsmöglichkeiten und schränken die potentiellen Lösungen ein. Das Gameplay ist insgesamt nicht besonders anspruchsvoll und steht klar hinter der Präsentation der Story zurück.Mittendrin-GefühlDie Geschichte wird in sowohl technisch als auch schauspielerisch guten, englischsprachigen Filmsequenzen präsentiert, die jeweils nach einem Spielfortschritt gezeigt werden. Zudem wird dem Spieler sowohl durch das Untersuchen der zuvor in hochwertigen Filmsequenzen gesehenen realistischen Szenen als auch durch Steadycam-Szenen mit Burton ein Mittendrin-Gefühl vermittelt. Demgegenüber fallen die eigentlichen Spiel-Szenen etwas ab. In der Bewegung gibt es einen Verwisch-Effekt, so dass während des Gehens kein genauer Blick auf die jeweilige Szene möglich ist. Über jeden Zweifel erhaben ist in jedem Fall der schöne Soundtrack, der aus Jazz und Klavierklängen besteht und zum Thema passt. |
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