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Test: Wolfenstein
B.J. Blaskowicz tanzt mal wieder mit den Wölfen. Aber reicht es für die ganz große Kür?
Der Name Wolfenstein weckt bei vielen älteren Zockern, also jenen die ihre ersten Spiele noch über DOS starteten, angenehme Erinnerungen. Gemeint ist allerdings nicht das Top-Down-Schleichactionspiel für den Apple II (was eh kaum jemand kennt), sondern der Vertreter mit dem 3D im Namen, der aufgrund verfassungsfeindlicher Symbole hierzulande beschlagnahmt wurde. Trotzdem hatte es natürlich irgendwie jeder und für die meisten war dieses Spiel ein Grund für viele durchzockte Nächte. Und ganz zweifellos war dieser frühe Egoshooter Wegbereiter für all jene Dooms, Quakes und Unreals mit denen wir uns heute die Zeit vertreiben. Fast eine Dekade später kam dann der Nachfolger RtCW (indiziert), welcher allseits gute Wertungen abstaubte und mit Enemy Territory eine der beliebtesten Multiplayererweiterungen vorweisen kann. Nun, knapp acht Jahre später, erscheint ein neuer Teil, welcher von Raven entwickelt wurde und schlicht „Wolfenstein“ heißt. Ob es gelingt den Kultstatus weiter zu festigen?Wölfe die okkulte Praktiken betreibenWolfenstein ist ein Egoshooter im WW2-Szenario, kann allerdings kaum mit Call of Duty und Konsorten verglichen werden. Das liegt daran, dass das Spiel neben der Nazi-Thematik noch ungeniert Sci-Fi und Okkultismus-Elemente in einen Topf wirft und kräftig umrührt. Der Spieler steuert den US-Geheimagenten B.J. Blaskowicz, dem bei einer geglückten Sabotagemission auf einem deutschen Kriegsschiff eher durch Zufall ein seltsames Amulett in die Hände fällt, das seinem Träger übernatürliche Fähigkeiten verleiht. Zurück im Hauptquartier wird das Amulett genauer untersucht. Schon bald verdichten sich die Hinweise, dass die Wölfe (so heißen die Nazis in Wolfenstein) die Kräfte des Amuletts erforschen und als Waffe einsetzen wollen. Eine Spur führt in die deutsche Stadt Isenstadt, da nur dort die im Amulett verwendeten Kristalle gefunden werden können. Also erhält Blaskowicz den Auftrag dorthin zu reisen, mit dem Widerstand Kontakt aufzunehmen und die Pläne der Wölfe zu vereiteln. Am Bahnhof von Isenstadt angekommen übernimmt man das erste Mal die Kontrolle über die Spielfigur. B.J.s Ankunft wurde jedoch schon bemerkt und zahlreiche Gegner sind unterwegs. Zusammen mit ein paar Widerstandskämpfern muss man sich seinen Weg freischießen und nebenbei noch einen Zug mit Geheimwaffen in die Luft jagen. Dieses Level fungiert als Tutorial und zeigt gleichzeitig, dass Wolfeinstein in erster Linie ein Standardshooter ist. Man eilt von Raum zu Raum, ballert Gegner über den Haufen und legt hier und da mal einen Schalter um. Die KI ist dabei eher durchwachsen: Die Gegner gehen zwar sinnvoll in Deckung, werfen mit Granaten und ballern fleißig aus allen Rohren, reagieren aber anderseits selbst kaum auf Beschuss und bleiben oft wie angewurzelt stehen, wenn man seinerseits ihre Stellung stürmt. So richtig in Bedrängnis kommt man auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad jedenfalls kaum. Lediglich Zwischen- oder Bossgegner bringen einen manchmal etwas ins Schwitzen. Am häufigsten trifft man noch auf „schwere Einheiten“ die mit Partikelkanonen ausgerüstet und dank ihrer Panzerung fast unverwundbar sind. Nur wer die drei grünen Behälter auf ihrem Rücken zerstört, kann ihnen beikommen. Meist hat man es jedoch mit den Standardsoldaten zu tun. Ist man dann aus dem Bahnhof raus, merkt man, dass sich Wolfenstein in einem Punkt signifikant von seinem Vorgänger unterscheidet. Open-Ghetto-WorldOpen-World lautet hierbei das Stichwort, denn nach dem verlassen des Bahnhofs kann sich B.J. frei durch Isenstadt bewegen. Wer jetzt allerdings etwas a la Grand Theft Auto im Kopf hat, wird enttäuscht werden. Isenstadt ist nämlich im Verhältnis dazu ziemlich klein und wird ausschließlich per Pedes erkundet. Die Stadt wirkt dabei eher wie ein Abziehbild des Warschauer Ghettos: enge Gassen und dicht aneinander gedrängte, verfallene Häuser und Lagerhallen bilden den allgemeinen Look. Alles in allem gibt es auch nur wenige Routen die durch die Stadt führen, so dass man im Laufe des Spiels immer wieder die selben Wege ablatschen muss. Wahrscheinlich ist diese Trostlosigkeit auch der Grund warum Isenstadt so ausgestorben ist. Außer auf gegnerische Patrouillen und Zivilisten, die gerade von Soldaten verhört werden (und die man nach Lust und Laune retten kann), stößt man auf keine Menschenseele. Nur komisch das dafür z.B eine Kneipe, die man im Zuge einer Mission aufsuchen muss, voller Menschen ist... |
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