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Die meiste Zeit des Lebens verbringt der Mensch angeblich damit, seine Enttäuschung zu verbergen. Gut, das Schlafen ist noch zeitintensiver, aber in der aktiven Zeit geht es angeblich um das Verarbeiten von Enttäuschungen. Um dieser Statistik mehr Bedeutung und vor allem auch Richtigkeit zu verleihen, macht sich EA in jedem Jahr daran, die PC-Fassung der FIFA-Serie nach Strich und Faden zu verhunzen. Wer im vergangenen Jahr noch nicht genug enttäuscht war, der bekommt es mit FIFA 10 aber knüppeldick auf die Socken. Ein Foul, bei dem der Publisher billigend die Verletzung des Kunden in Kauf nimmt. Erst einmal ist alles daDer Titelbildschirm könnte schon eine Warnung sein, denn der stilisierte Rooney wirkt schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Auf den ersten Blick erscheint die PC-Fassung aber wie die Konsolenfassung zu sein. Gut, das Menü ist etwas anders, der Manager-Modus wirkt zunächst etwas übersichtlicher und mit der Maus und der Tastatur lassen sich viele Dinge entspannter einstellen, als mit einem Controller. Die Musik stimmt auch, alles sieht noch gut aus. Und für den Spiel-Modus „Live-Season“ gibt es bei der PC-Fassung sogar eine Gratis-Liga, während man auf der Konsole direkt zur Kasse gebeten wird. Auf dem PC schlagen weitere Ligen mit 3,99 Euro zu Buche – aber wer braucht das schon, wenn sich alles auf unterem Niveau bewegt?Mit Be-A-Pro gibt es wieder den Spielmodus, bei dem wir einen Spieler bis an die Spitze der führen, es gibt einen Turnier-Modus, bei dem es auch möglich ist, eine Welt- oder Europameisterschaft zu organisieren. Klingt schon mal nicht so schlecht. Dann steht auch noch der Manager-Modus auf dem Programm, der in diesem Jahr durch ein paar Erweiterungen ergänzt wurde. Dazu kommen noch die Anstoss-Varianten „Be-A-Pro“ und „Team“, bei denen wir schnell mal eine Partie kicken können und ein Testspiel-Modus. Online dürfen wir auch kicken, aber nicht im Be-A-Pro-Modus, sondern nur als Team. Zumindest rein theoretisch, denn der Online-Modus stürzte auf dem Test-Rechner (Windows Vista) immer wieder noch vor dem Spielbeginn ab, was schon peinlich genug war. Die Hoffnung stirbt zuletztDer zweite Blick offenbart dann die gewaltigen Unterschiede und die liegen in erster Linie im Gameplay und in der Grafik: Alle Regler werden auf Maximum geschoben in der Hoffnung, dass dann so etwas wie Atmosphäre aufkommt – nein, nichts passiert. FIFA 10 spielt sich auf dem PC wie ein Eisblock. Sicher, es ist eine Verbesserung zu FIFA 09 zu erkennen, aber die ist minimal. Sicher, das Spiel ist im Vergleich zum vergangenen Jahr besser geworden, aber das war zum einen auch nicht schwierig, zum anderen hinkt die PC-Fassung der Konsolen-Variante so weit hinterher, wie ein Kreisklassen-Team einem Bundesligisten. Was EA da an Grafik präsentiert, stammt aus einem anderen Jahrhundert. Was noch schlimmer ist: Die Anzeige ruckelt, das die Augen ebenfalls hinken. Okay, das Zweikampf-System wurde überarbeitet, das macht sich auch positiv bemerkbar, aber ein Ruckeln? Jetzt, in diesem Jahr und auf einem Quad-Core-Rechner? Ein Ruckeln? Das kann nicht euer Ernst sein, EA. Und was zur Hölle soll „3D-Rasen“ sein? Gut, wenn ich diese Option ausschalte, dann ist das Feld nur noch grün, was ziemlich bescheuert aussieht. Dass die Steuerung sowohl mit Controller als auch mit der Tastatur gut funktioniert, will ich mal positiv vermerken. Zumal sich jeder Button einzeln konfigurieren lässt und die Steuerung so genau an persönliche Bedürfnisse und Vorlieben angepasst werden kann. Dabei hatte ich wirklich darauf gehofft, dass EA seine Versprechen erfüllt und uns PC-Nutzer in diesem Jahr nicht im Stich lässt. Tatsächlich wird eben diese Hoffnung bitter enttäuscht. Dazu kommt eine seltsame Ballphysik, die zunächst noch ganz plausibel wirkt, aber beim ersten Befreiungsschlag des Gegners, wenn die Kugel plötzlich blitzschnell hinter der Mittellinie landet, kommt das Kopfschütteln. ...und der Rest ist dann...Ja, die Musik ist schön und vielfältig, es gibt ein paar Ohrwürmer und für jeden ist etwas dabei. Die Geräuschkulisse im Spiel ist gut, die Fans kommen mit mächtigen Gesängen und auch mal ganz still daher, wenn das Tor auf der falschen Seite erzielt wurde. Hinzu kommen die bekannten Sprecher, die schon seit Jahren ihren Job mehr oder minder gut erledigen. Ein paar neue Sprüche gibt es, aber das war es dann auch schon. Nicht schlecht, aber das reißt den Karren auch nicht mehr aus dem Dreck.Und, ja, liebe Lizenz-Jünger, die kompletten europäischen Ligen sind am Start und dürfen im Manager-Modus beackert werden. Nur macht das eben alles keinen Spaß – und das wird nicht nur denen so gehen, die wissen, wie sich die Konsolenfassung spielt. Ach, und da ist dann noch die vielzitierte 360-Grad-Steuerung, die sich aber auf dem PC ganz anders und so kantig spielt, als habe man sie einfach vergessen, mit ins Spiel einzubauen. Was bleibt, ist viel Zeit, um mit dieser Enttäuschung fertig zu werden - und die werden viele auch brauchen. | ||||||||||||||||||||||||||||||
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